:: im Visier
Den Anwender als Tester zu missbrauchen hat bei Microsoft bekanntlich eine so lange Tradition, dass man sich für Kritik daran eigentlich zu schade ist. Nachdem jedoch das Chapter Houston des Blickwendung-Fanclubs leichte Unzufriedenheit über tendenziell einseitige Zielauswahl (Zitat: "Who is this f*cking Telekom you keep raving about, anyway?!?") äußert, springen wir mal über unseren Schatten und wenden den Blick diesem eindeutig globalen Phänomen zu.
... liegen, erklärte Telekom-Chef René Obermann anlässlich der Vorlage seiner Zahlen fürs dritte Quartal 2010, die finanzielle und operative Entwicklung des einstigen Telefonmonopolisten. Dem kann man auch als Verbraucher vorbehaltlos zustimmen: Voll den geheimsten Erwartungen entsprechend, hört der Ärger mit dem Bonner Moloch nicht einmal auf, wenn man eigentlich schon längst kein Kunde mehr dort ist.
Krise hier, Krise da, allenthalben alles übel, man mag's schon gar nicht mehr so recht hören. In so einem Fall sollte man, erklären uns Lebensberater (das sind die, die es trotz basically ähnlich schwammiger Qualifikation nicht zum Unternehmensberater gebracht haben und deswegen von der Veröffenlichung billiger Goldmann-Taschenbücher leben müssen), das Positive an dem ganzen Schlamassel suchen.
Eine klare Meinung dazu hat der Kunde des Media-Markts, glaubt man der Werbeagentur der Elektrokramladenkette. Nun kann man darüber geteilter Meinung sein und argwöhnen, Agentur und Auftrageber hielten den Kunden tatsächlich im Gegenteil für blöd.
Freilich ist das schmerzlich. Eine öde Null zu sein, außer Arbeit und Erwerb sinnlosen Krempels - Entschuldigung: Shoppen - nichts drauf zu haben. Es lässt sich etwas dämpfen, indem man sich in RTL-Talkshows noch blödere Typen reinzieht, aber die Methode ist, zumal, wenn man bisschen Intelligenz sein Eigen nennt, endlich. Zum Glück gibt's Lifestyle-Experten mit einer nachhaltigeren Lösung, nur 6 Euro pro Dosis. Der Wirkstoff: Du bist gar kein konsumbesessenes Kasperl, du bist ein ... Business Punk!
Beim Oktoberfest ging's los, und seither wird's eher mehr: Die Behörden in München und anderswo bemühen sich emsig, dem Bürger gefühlte Sicherheit zu vermitteln.
Als eher fad empfinden die meisten Leute das Gerangel um Wählerstimmen, das über die künftige Machtverteilung im Lande entscheiden soll. Schon fast physische Schmerzen auslösend kalauert eine Hamburger Boulevard-Zeitung die Stimmung zusammen: "Yes, we gähn!".
... heißt das noch lange nicht, dass man nicht verfolgt wird, lautet ein schönes Sprichwort. Bei mir konzentriert sich die leichte Paranoia auf die Telekom und ihre diversen Ableger, denen ich die unheilvolle Absicht unterstelle, mich von jeglicher modernen Kommunikation weitestmöglich fernzuhalten.
Schon gut, schon gut. Ich habe auch einen Kalender und weiß, dass wir eigentlich erst am Anfang von 2009 stehen. Ja doch. Aber mal Hand aufs Herz - eigentlich lässt sich schon Ende Januar recht zuverlässig prognostizieren, was hinter uns zu lassen wir im Dezember kaum mehr werden erwarten können: im wesentlichen Pleiten, Pech und Peinlichkeiten allenthalben. Und daher hier und jetzt, der vermutlich früheste Jahresrückblick aller Zeiten. Bringen wir's hinter uns.
Das neue Jahr ist noch keine Woche alt, da wird es schon zum ersten Mal ziemlich hart: Von jeder Ecke der Stadt herunter belästigt uns ein quietschbuntes Plakat mit beeindruckend dämlichen Visagen. Die dazu gehörenden Körper halten Wurf-drohend eine Torte hoch und zeigen mit Zahnpastareklamelächeln, dass sie natürlich nicht wirklich werfen wollen, nein, nein, keine Sorge.

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