:: im Visier
Freitag Mittag auf dem Heimweg von der Arbeit habe ich einen schweren Fehler gemacht und mich willkürlich auf Konfliktkurs mit dem Gesetz begeben. Gehe einfach am hellichten Tag durch das Münchner Bahnhofsviertel, wo man doch schon wegen der Kameras weiß, dass da so ein Ding, so ein Ruheraum für Terroristen oder was ist.
Da strampeln sich die Leute ab, um alle möglichen Gaunereien zu kaschieren, damit man ihnen nicht auf die Schliche kommt und der Justiz oder womöglich gar der Gerechtigkeit zuführt.
Öffentlicher Nahverkehr bildet ein eigenes Universum. Trotzdem gilt, glaubt man Albert Einstein und anderen Gegnern der an sich überzeugenderen "Alles nur ein kosmischer Witz"-Theorie, auch hier der Zusammenhang - die oft falsch zitierte 'Relativität' - von Zeit und Raum.
Manchmal sucht und sucht man, und hat dabei die Lösung die ganze Zeit genau vor der Nase. Hätten Sie gewusst, wofür das rosa "T" bei den diversen Erben der Deutschen Bundespost steht? Für 'Trotzdem'. Gerade mit der Hand vor die Stirn geklatscht und "Na klar, Mann...!" gestöhnt? Macht nix, ist normal.
Haben Sie in letzter Zeit mal RTL II geguckt? Hm? Na los, geben Sie's schon zu, macht doch jeder mal, jetzt, wo Sascha (M., 29, arbeitslos) wieder weg ist. Da ist Ihnen bestimmt zwischen zwei Spots für moderne Partnersuche per SMS auch diese unheilsschwangere Ankündigung für 'Das Experiment' aufgefallen.
Wenn der Bund der Steuerzahler alljährlich sein Schwarzbuch vorstellt, reiben sich Kommentatoren, Kabarettisten und andere Kritiker voller Vorfreude die Hände, ist es doch eine Präsentation leichter Opfer, aus denen man sich die schönsten herauspicken kann.
Hurricane Katrina, das meldet Anne Will am 29. August in den "Tagesthemen", hat in den USA so richtig hingelangt: Mit geschätzt 30 Milliarden Dollar stellt sie einen neuen Schadensrekord auf, obwohl doch New Orleans mehr Glück gehabt hat, als noch Stunden vorher zu hoffen war.
Wie ich mich neulich verzweifelt frage, wen ich denn nun bloß im September wählen soll, kommt mir die Idee: Ein Programm hat längst keine Partei mehr, und wenn doch, dann unterscheiden sie sich nur marginal voneinander; für Wahlprogramme gilt das umso mehr, da die kurze Vorbereitungszeit alle auf dem linken Fuß erwischt hat.
Das hat uns noch gefehlt. Als ob die Lage im Lande nicht traurig genug wäre, dürfen wir jetzt nicht mal mehr grantig dreinsehen: Wohin das Auge fällt, trifft es aufs mechanische Gegenstück, die Kamera. Ginge es dabei um eine RTL-Debility-Show oder den netten Schabernack eines Schweizer Moderators, wäre ja nichts einzuwenden.
Das noch im März umgehende Gespenst aus Feinstaub und anderem Dreck zum Einatmen hat sich offenbar als - ähem - warme Luft erwiesen. Wirft man einen Blick in die Medien, findet man kaum mehr ein Wort darüber: zum einen sicher wegen des Papstwechsels, der die Debatte nolens volens aus den Schlagzeilen drückte, ein Schicksal, dass sie mit dem Ableben Harald Juhnkes und des Fürsten von Monaco teilt.

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