:: Blickwendung.de   :: Hagen Reimer 
  :: Visier    :: Leinwand    :: Plattenteller    :: Regal  

:: im Visier

Manchmal sucht und sucht man, und hat dabei die Lösung die ganze Zeit genau vor der Nase. Hätten Sie gewusst, wofür das rosa "T" bei den diversen Erben der Deutschen Bundespost steht? Für 'Trotzdem'. Gerade mit der Hand vor die Stirn geklatscht und "Na klar, Mann...!" gestöhnt? Macht nix, ist normal.

Haben Sie in letzter Zeit mal RTL II geguckt? Hm? Na los, geben Sie's schon zu, macht doch jeder mal, jetzt, wo Sascha (M., 29, arbeitslos) wieder weg ist. Da ist Ihnen bestimmt zwischen zwei Spots für moderne Partnersuche per SMS auch diese unheilsschwangere Ankündigung für 'Das Experiment' aufgefallen.

Wenn der Bund der Steuerzahler alljährlich sein Schwarzbuch vorstellt, reiben sich Kommentatoren, Kabarettisten und andere Kritiker voller Vorfreude die Hände, ist es doch eine Präsentation leichter Opfer, aus denen man sich die schönsten herauspicken kann.

Hurricane Katrina, das meldet Anne Will am 29. August in den "Tagesthemen", hat in den USA so richtig hingelangt: Mit geschätzt 30 Milliarden Dollar stellt sie einen neuen Schadensrekord auf, obwohl doch New Orleans mehr Glück gehabt hat, als noch Stunden vorher zu hoffen war.

Wie ich mich neulich verzweifelt frage, wen ich denn nun bloß im September wählen soll, kommt mir die Idee: Ein Programm hat längst keine Partei mehr, und wenn doch, dann unterscheiden sie sich nur marginal voneinander; für Wahlprogramme gilt das umso mehr, da die kurze Vorbereitungszeit alle auf dem linken Fuß erwischt hat.

Das hat uns noch gefehlt. Als ob die Lage im Lande nicht traurig genug wäre, dürfen wir jetzt nicht mal mehr grantig dreinsehen: Wohin das Auge fällt, trifft es aufs mechanische Gegenstück, die Kamera. Ginge es dabei um eine RTL-Debility-Show oder den netten Schabernack eines Schweizer Moderators, wäre ja nichts einzuwenden.

Das noch im März umgehende Gespenst aus Feinstaub und anderem Dreck zum Einatmen hat sich offenbar als - ähem - warme Luft erwiesen. Wirft man einen Blick in die Medien, findet man kaum mehr ein Wort darüber: zum einen sicher wegen des Papstwechsels, der die Debatte nolens volens aus den Schlagzeilen drückte, ein Schicksal, dass sie mit dem Ableben Harald Juhnkes und des Fürsten von Monaco teilt.

Die deutsche Autobahn: unendliche Weiten, last free racing track in the world. So war das bis jetzt, und wenn es Auto-Lobby und ADAC weiter gelingt, die EU unter Kontrolle zu halten, bleibt es auch so - wohlhabende Chinesen kommen schließlich nicht von ungefähr gerade zu uns, um mal so richtig draufzutreten.

Zumindest verkündet das heute die Bild-Zeitung auf der Titelseite. Nicht nur die Aufmachung erinnert stark an 'Wir sind Weltmeister', 'Wir sind völlig am Ende' oder 'Wir sind blöd' - was immer wir eben nach Meinung der Redaktion gerade sind, das wechselt ja eher zügig.

Um hip zu wirken, sind sich Werbetreibende bekanntlich für nichts zu schade, schließlich hat das, womit man Lifestyle nach außen demonstriert, längst alles überholt, was tatsächlich dahinter steht. So ist es wenig erstaunlich, dass der Kampf um flotte, knappe Sprüche die widersinnigsten Blüten hervorbringt.

Artikel 31 bis 40 von insgesamt 56

« zurück

1

2

3

4

5

6

vor »

zur Startseite