:: im Regal
(Haruki Murakami, 2003) Trends können wohl auch eine relativ gesetzte Gattung wie Literatur überrennen: Japanische Autoren stoßen derzeit auf große Gunst bei Kritik und Publikum. Kazuo Ishiguro räumt als "bedeutendster Roman der Saison" (FAZ) ab, Haruki Murakami erhält selbst von Papst Ranicki höchste Weihen - man denkt an des Kaisers neue Kleider.
(William Gibson, 1984 - 1988) Sie glauben, das Internet in seiner heutigen Form sei eine recht neue Erfindung? Sie halten Tad Williams' "Otherland" für visionäre Science Fiction? Sie denken, die "Matrix"-Filme oder womöglich gar der unsägliche "Johnny Mnemonic", in dem Keanu Reeves 1995 schon mal den leeren Gesichtsausdruck üben durfte, seien revolutionäre Bahnbrecher? Weit gefehlt.
(Tom Wolfe, 2004) Der Mann hat sich schon immer Zeit gelassen für seine Bücher. 1987 "The Bonfire of the Vanities" (irreführend übersetzt mit "Das Fegefeuer der Eitelkeiten"), 1998 "A Man In Full", und 2004 also "I Am Charlotte Simmons".
(Loriot, Diogenes 1957) Man kennt das: Jeder drängelt, macht ungeniert Lärm und Schmutz und benimmt sich überhaupt ganz allgemein exakt konträr zu Kants kategorischem Imperativ. Heute nimmt dieses Phänomen, eine Art Kollateralschaden des zum Meta-Credo mutierten Individualismus', ungeahnte Ausmaße an; aber Rücksichtslosigkeit allerorten, schlechte Manieren wohin man blickt, das gab es auch schon vor gut 50 Jahren.
(Tony Hillerman, Rowohlt 2001) Gewiss keine große Literatur, aber bemerkenswert: Tony Hillerman ist auf im Milieu der Indianer-Reservate in Arizona und New Mexico angesiedelte Krimis spezialisiert.
(Michael Sailer, 2000 -2005) Der Literatur-Nobelpreis geht 2005 an einen britischen Dramatiker namens Pinter, von dem außerhalb der ehrwürdigen königlich-schwedischen Akademie vermutlich noch nie jemand etwas gelesen hat, von Marcel Reich-Ranicki natürlich einmal abgesehen. Ginge alles mit rechten Dingen zu, wären vermutlich die gesammelten "Belästigungen" des Münchner Allround-Autors Michael Sailer zumindest in die nähere Auswahl gelangt.
(Wolf Haas, 2004) Jetzt ist schon wieder was passiert... So fangen Wolf Haas' Krimis grundsätzlich an, auch verfilmt wie zuletzt "Silentium!". Der routinierte Leser weiß dann, was kommt: Nicht nur ein Krimi, nicht nur ein Roman, nicht nur eine ebenso spannende wie unterhaltsame Geschichte, sondern ein als Krimi getarntes Stück Weltanschauung.
(Chuck Palahniuk, Minerva 2003) Könnte man sich seinen Namen etwas leichter merken, wäre er vielleicht auch in Deutschland ein Star, anstatt kaum beachtet für ein ein paar Lesungen von Köln bis Leipzig zu tingeln. So aber können sich die wenigsten merken, dass nach seiner Erstveröffentlichung "Fight Club" David Fincher den gleichnamigen Blockbuster drehte.
(Tim O'Brien) Ich hör's schon: "Bloß nicht so'n Vietnam-Schinken, is' doch ewig her..." Wie der Autor erklärt, ist es aber eigentlich eher Friedens- als Kriegsbuch, mehr Fiktion als Biographie, und überhaupt: Von dem, was Menschen im Krieg so treiben, kann man allweil etwas lernen.
(Alex Garland, (Penguin 1999) Kennen Sie Alex Garland? Nein? Schon mal von The Beach gehört, einem unsäglichen Film à la Blaue Lagune meets Woodstock mit Leonardo DiCaprio? Na also, dann kennen Sie auch Alex Garland. Von ihm stammt die geschriebene Vorlage, im Gegensatz zum Film ein absolut faszinierendes, schweißtreibend-schwüles Abenteuer mit einem gewissen Anspruch.

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