Eine klare Meinung dazu hat der Kunde des Media-Markts, glaubt man der Werbeagentur der Elektrokramladenkette. Nun kann man darüber geteilter Meinung sein und argwöhnen, Agentur und Auftrageber hielten den Kunden tatsächlich im Gegenteil für blöd.

Und zwar für so blöd, dass er der Werbung willenlos hinterher stolpert und brav sein Geld für den Krempel an die Kasse trägt. Ganz schön blöd jedenfalls war, wer sich für noch schlauer hielt und die letzte Lärmkampagne besonders clever auszutricksen versuchte.
So richtig helle kann natürlich ohnehin nicht sein, wer den Scheinkampf zwischen Media-Markt und Saturn für bare Münze nimmt und sich Preisvorteile davon erhofft, landen die Gewinne beider Discounter doch letztlich in der selben Kasse der Metro AG. Krisenbedingt schrumpfende Kaufkraft und -willigkeit haben die sowieso schon unerträglich aufdringlichen Werbefeldzüge nochmals intensiviert. Teil der Strategie sind augenscheinlich fast selbstzerstörerisch günstige Finanzierungsangebote, was weniger Blöde schon misstrauisch macht - irgendwie muss schließlich am Ende die Kasse kräftig klingeln, und die Zeche zahlt gewiss nicht der Aktionär.
Media-Markt - "Machst Du mir Latte?" - fand in diesem Zusammenhang einen neuen Hingucker. Jeder zehnte Einkauf ist "für umsonst", trötet man in die Welt hinaus. Da zeigt schon die Sprache, für welch Geistes Kind man den Kunden hält: Entweder er ist sowieso DSDS-Fan und stuft das daher als normales Deutsch ein, oder, fast noch schlimmer, er findet's total lustig, echt jetzt, Alter, krass.
Flugs sind etliche Kunden auf die Idee gekommen, so richtig nicht blöd Vorteil aus der Aktion zu schlagen. Der erste Teil ist einfach, darauf ist man eh schon konditioniert: Feste einkaufen, einkaufen, einkaufen. Der zweite: Wenn endlich die ersehnte "Gewinner-Zahl des Tages" kommt, holt man sich erst damit die Kohle für den entsprechenden Einkauf wieder, dann gibt man den ganzen anderen Plunder zurück; letzteres auch, wenn man nie eine "Gewinnerzahl" ergattert. Media-Markt ist bekanntlich unter dem Motto "Umtausch ohne Wenn und Aber" recht kulant mit sowas.
Haste gedacht. Blöd nur, dass der Laden dann freilich doch nicht ganz so blöd ist wie seine Kunden. Wer nämlich mit entsprechend umfangreichen Rückgabeansinnen in die Läden kam, erhielt in der Regel entgegen seiner Erwartungen kein Bares für die Rückgabe, sondern nur Gutscheine. Für den Umsatz ist die Sache damit gelaufen, denn irgendwann muss so ein Gutschein ja gegen Ware eingetauscht werden, also ein realer Verkauf stattfinden. Und das Geld, soviel ist mal sicher, hat bereits den Besitzer gewechselt. Die Cleverle standen also plötzlich ziemlich blöde da, und zeigten vor lauter Entrüstung gleich, dass sie das Urteil der Marketing-Macher völlig verdienen.
"Den kauf' ich mir", dachten sie, und bei den Zeitungen und Verbraucheragenturen häuften sich empörte Berichte über die als "Abzocke" und "arglistige Täuschung" empfundenen Erfahrungen.
Das Verständnis dort bleibt offenbar allerdings recht überschaubar. Wer sich schlauer als die mit allen Wassern gewaschenen Marketing-Experten wähnt und ganz in "Geiz ist Geil"-Manier daraus Kapital zu schlagen versucht, hat im Großen und Ganzen Pech gehabt, eine gesetzliche Verpflichtung zum Umtausch gegen Cash gibt's jedenfalls nicht.
Damit bleiben die Blöden nun entweder auf Stapeln von Gutscheinen sitzen, oder auf haufenweise DVD-Playern, Notebooks, Plasmaglotzen und Spielkonsolen. Spontan möchte man selbst als tendenzieller Gegner von Konsumterroristen wie Metro und Co sagen: selbst schuld. So blöd kann man doch eigentlich gar nicht sein.



