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Good Night, and Good Luck

(George Clooney, USA 2005, 93 Minuten) Wie bitte? Von George Clooney?!? Der kann doch nichts, als vor der Kamera in der Gegend rumstehen und dabei so unverschämt gut ausschau'n, dass alle Mädels im Kino in einem fort seufzen! Tja, so verliert man liebgewonnene Vorurteile.

George Clooney kann offenbar einiges mehr, zum Beispiel vor der Kamera rumstehen und wie ein ganz normaler Mensch aussehen oder, tatsächlich, hinter der Kamera rumstehen und Regie führen. Dass er zu allem Überfluss auch noch vernünftige Ansichten engagiert und gegen den politischen Mainstream vertritt - Kinder, Kinder... kann der Typ bei dem Aussehen nicht der Fairness halber wenigstens irgendeinen augenscheinlichen Fehler haben?

Anscheinend nicht, zumindest keinen, den man in der jüngeren Vergangenheit hätte genüsslich feststellen können. Sehen wir also den Tatsachen ins Gesicht: Clooney macht in Hollywood konsequent den Mund gegen den herrschenden Hurra-Patriotismus aus Washington auf; hat als Schauspieler in "Syriana" einen dicklichen, gescheiterten CIA-Agenten gespielt, der in ein schmutziges Gerangel um Ölindustrie und Machtpolitik im Nahen Osten (unübersehbarer Gruß an George W.!) verwickelt ist, Mumm bewiesen, und anschließend also "Good Night, And Good Luck" gedreht, und gleich noch die zweite Hauptrolle übernommen.

Der Plot, frei Haus geliefert von der historischen Realität: In den frühen 50er Jahren nutzt Senator Joseph McCarthy die allgemeine Kommunisten-Paranoia, um in inquisitorisch wirkenden Anhörungen mit dem Stempel "rot" mal eben unter Umgehung der normalen Justiz Existenzen zu ruinieren. Wer die Hexenjagd kritisiert, riskiert, den Verdacht auch auf sich zu ziehen. CBS-Journalist und -Moderator Edward R. Murrow (David Strathairn) mag sich als kritischer, liberaler Kopf mit dem offensichtlichen Verstoß gegen Grundrechte nicht abfinden und äußert dies in seiner Sendung. Es folgt der unvermeidbare Konflikt mit Werbekunden, CBS-Chef und natürlich McCarthy selbst, den Murrow mit seinem Produzenten Fred W. Friendly (Clooney) zusammen durchsteht. Am Ende haben beide Federn gelassen - aber McCarthy und seine unrühmlichen Praktiken werden selbst Objekt eines Untersuchungsausschusses, der Spuk neigt sich seinem Ende zu.

Da die Geschichte sich genau so abgespielt hat, musste Clooney sie nur noch verfilmen, ohne in seichte Klischees abzudriften. Das ist ihm gelungen. Überzeugende Darsteller (er selbst eingeschlossen), eine ruhige Schwarz-Weiß-Kamera ohne einen einzigen überflüssigen Schnitt, flüssige, aber eindringliche Erzählweise, das ganze vermischt mit Originalaufnahmen von McCarthy - es passt alles.

Das ist an sich schon respektabel und lohnt das Ansehen; zusätzlicher Mehrwert liegt natürlich in der Story selbst. Zum einen handelte es sich bei Murrow, soweit sich das beurteilen lässt, um eine bemerkenswerte Persönlichkeit mit erstaunlichem Weitblick (auch wenn er nicht ganz so gut aussah wie Strathairn). Er hatte sich als Kriegsberichterstatter in London einen Namen gemacht und zeigte später unter Missachtung jeden Opportunismus' mit dem Finger auf Ungerchtigkeit und Dummheit. Allein die Warnung During the daily peak viewing periods, television in the main insulates us from the realities of the world in which we live. If this state of affairs continues, we may alter an advertising slogan to read: Look now, pay later. erweist sich angesichts der heutigen Fernsehlandschaft als von geradezu Cassandra-gleicher Qualität - immerhin steckte das Fernsehen noch in den Kinderschuhen. Zum anderen lassen sich die zahlreichen Parallelen zwischen der Kommunistenangst und dem "Krieg gegen den Terrorismus" kaum übersehen und prangern offen an, was Hollywood in der Regel viel lieber einem willigen Publikum als wahr und richtig zu verkaufen versucht.

Nun denn: Clooney ist weit gekommen seit seinem Auftritt in "Die Rückkehr der Killertomaten" (1988), der unsäglichen Fernsehserie "Emergency Room" (1994 bis 2000). Da mag man ihm auch nicht übelnehmen, wenn er irgendwann in "Ocean's 17" immer noch Millionen dafür kassiert, möglicht cool eine Sonnenbrille zu tragen und dabei unverschämt gut auszuschau'n.

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