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Lehrstück in Heuchelei

Peinliche Panne für Bush und Konsorten: Da haben sich doch tatsächlich ein paar Verhör- und Bewachungsspezialisten wenig fotogen dabei erwischen lassen, wie sie den einen oder anderen Gefangenen foltern - statt ihm, wie ursprünglich geplant, Frieden und Demokratie nahezubringen. Dumm gelaufen.

Was die Reaktion angeht, zeigt sie mit verblüffender Prägnanz die schier unglaubliche Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Realität des selbsternannten Missionars USA. Heuchelei nennt man sowas wohl. Oder ist es schon Schizophrenie?

Da bemüht man sich seit rund zweieinhalb Jahren nach Leibeskräften, einem ganzen Volk den Araber per se als die Inkarnation des Bösen zu verkaufen, zumal die Russen sich unverhofft aus dieser Rolle - "Reich des Bösen" nannten Vater Bush und sein Ex-Chef Ronald Reagan das mal - verabschiedet haben. Da schlägt man billige juristische Haken, um alle, die man im Eifer des Gefechts mal eben irgendwo in Afghanistan oder dem Irak als potenzielle Al Quaida-Kämpfer einsammelt, in einem rechts- und medienfreien Raum auf Cuba festhalten zu können.

Da beschneidet man daheim die Grundrechte, dass es selbst hartgesottenen Patrioten Angst und Bange wird, um im heiligen Krieg gegen den Terror jede verdächtige Visage erstmal für unbestimmte Zeit hinter Gitter zu bringen, und pfeift auf die vielgepriesene Freiheit in God's Own Country. Dann schickt man hopplahop einen Haufen Soldaten in den Irak, die bei ihren NATO-Partnern ohnehin den Ruf haben, sich möglichst wenig eigene Gedanken über Sinn und Unsinn ihres Auftrags zu machen und statt dessen standhaft immer genau das zu glauben, was man ihnen vor dem Einsatz eingebläut hat. Da stellt man, nicht nur auf der Website "Öffnet externen Link in neuem FensterSupport the Troops", ehemalige Saddam-Funktionäre im Kartenspiel "War Criminal Poker" dar. Da kommt ein Parteifreund Bush's namens Schwarzenegger auf Truppenbesuch und erklärt ihnen unter Beifall, sie seien "the rrrreal Terrrminatorrrs." Da setzt man sie anschließend einer Situation aus, die nicht auch gerade spaßig ist: Nichts als Rückschläge, eine Schlappe nach der anderen, serviert von einem Haufen abgerissener Spinner, obwohl man doch "the finest soldiers in the world" hat, permanente Gefahr durch Irre, die keinen Cent auf ihr eigenes Leben geben, keine Spur von Dankbarkeit für die Überbringer der neuen demokratischen Ordnung, und zu allem Überfluss auch noch miese Presse und mehr oder minder bocklose pro-forma-Verbündete. Das schmerzt, zumal über dem ganzen zunehmend auch noch das Trauma eines Krieges schwebt, bei dem man sich mit der selben Arroganz verkalkuliert hatte.

Und dann wundert man sich, wenn diese Soldaten beim Verhör von Gefangenen ausrasten und mal so richtig hinlangen. Oder tut zumindest so. Dabei weiß man doch eigentlich recht gut, dass es das in jedem Krieg gibt, auch wenn man ihn so lange als "sauber" darstellt, bis man es beinah selber glaubt. Bis zum 20. Jahrhundert dachte über derlei Feinheiten sowieso nie jemand nach, erst ab dem zweiten Weltkrieg begann man allmählich, sich an gewisse Regeln zu halten, aber sauber?!? Warum nicht gleich gewaltfrei? Den sauberen Krieg gibt es nicht - "chirurgische" Schläge aus der Luft sind ein netter Traum, Verlsute nie zu vermeiden und Verhöre keine Diskussionsrunde, bei der sich indoktrinierte Gefangene plötzlich aus Einsicht zum Auspacken entschließen. Wer etwas anderes behauptet, lügt. In Vietnam überließ man die Routine-"Befragungen" den südvietnamesischen Verbündeten, die sich weniger Skrupeln hingaben. Aber das war's dann auch schon, und wenn man wirklich gute Ergebnisse brauchte, legte man auch dort lieber selbst Hand an.

Jetzt hat man den Salat, und mit einem steifen Bush-Interview in einem arabischen Sender, in dem er sich mit erhobenem Zeigefinger über Demokratie auslässt, anstatt sich ohne viel Hin und Her zu einer Entschuldigung herabzulassen, ist auch nicht mehr viel zu holen, zumal... war der halbherzige Auftritt wirklich an die Araber gerichtet, oder wahlkampf-taktische Schadensbegrenzung für die Heimatfront? Schwer zu sagen, vermutlich weiß es der Mann selber kaum. Das ist schließlich der Vorteil bei Schizophrenie: Den Mist baut immer der andere. Vielleicht springt bei der Angelegenheit wenigstens ein Gutes heraus: Wenn Bush dem öffentlichen Gewissen sein Alter Ego Rumsfeld opfert.

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