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Kauderwelsch aus Springfield

Dieser Tage kommt ja der Simpsons-Film in die Kinos. Obwohl es sich bei der Serie zweifellos um eines der beeindruckendsten Kunstwerke des späten 20. Jahrhunderts handelte, kann man auf den Film vermutlich getrost verzichten.

Zum einen dürfte er als plumper Versuch daher kommen, aus der an sich anarchischen Serie noch die letzte Kohle herauszupressen; zum anderen trifft man die Charaktere aus Springfield mittlerweile längst an jeder Ecke in der Wirklichkeit. Nehmen wir mal Mr. Burns, den skrupellosen Raffke, der sein brodelndes Atomkraftwerk betreibt und unbeirrt dessen absolute Harmlosigkeit versichert, während die Fische im nahen Fluss schon ein drittes Auge auf der Stirn haben. Sowas ähnliches kennen wir doch auch, gell? Aber hallo!

In unserer Wirklichkeit ist bekanntlich der Atomausstieg so ziemlich das letzte, was vom Koalitionsvertrag unserer, nennen wir sie mangels eines zutreffenderen Ausdrucks mal so, "Regierung" noch halbwegs kenntlich übrig ist. Noch. Nachdem nämlich Reformen, Innovationen im Sozialsystem, Umwelt und gesellschaftliche Erneuerung im Großen und Ganzen bis zur Unkenntlichkeit verwässert und den Kanal runtergespült worden sind, steigt nun auch dem Atomausstieg das Klima-Nichtschutz-bedingte Hochwasser allmählich bis Oberkante Unterlippe.

Für solche Dinge halten sich Parteien, in diesem Fall die Union, eine Schar reiner Parteifunktionäre. Das ist so recht praktisch, weil die nur von der Partei gewählt werden, die sowieso wählt, wen man ihr zu wählen aufträgt, ein System, das politische Urgesteine wie Helmut Kohl und Franz Josef Strauß perfektioniert haben (während Stotter-Ede es immer nur auch so gern mal getan hätte). Wie auch immer, die Parteifunktionäre können daher ungestraft durch lästige Wähler laut sagen, was vom Volk ernannte Politiker nur in den ersten zwei Jahren ihrer Wahlperiode sagen dürfen, wenn überhaupt, um danach bis zur Widerwahl nur zu sagen, wovon sie glauben, dass es das Wahlvieh hören will.

Mit anderen Worten: CDU-Fraktionschef Volker Kauder kann erklären, der Atomausstieg sei doch nun echt nicht so wichtig, und überhaupt, nachher wird auch noch der Strom teurer, dabei sind die AKW doch eigentlich echt harmlos, was soll denn die anachronistische Panikmache aus der Grünen-Gründungszeit. Und Parteifreund Christian Wulff, der gern 2008 seine Landtagswahl wieder gewinnen würde, kann gleichzeitig schnattern, da müsse man mal sehen, na ja, also eigentlich wär' einem ja doch nicht so wohl wenn so'n Ding hinterm Haus steht, nicht? Tja. Sowas kommt dabei raus, wenn eine Kanzlerin der eigenen Fraktion aus lauter Verlegenheit über ihren dement-paranoiden Innenminister kein "Denkverbot" erteilen mag. Da denkt dann mit einem Mal jeder was er will. Oder gar nicht.

Mr. Burns jedenfalls würde sich die dürren Hände reiben, wenn er Kauders leider nicht verbotene Gedanken hören könnte. Während Krümmel und Brunsbüttel abwechselnd eine Panne nach der anderen erfolglos zu vertuschen suchen, während der Bund Naturschutz dem baugleichen bayerischen AKW Gundremmingen die selbe "Methode des Tricksens und Vertuschens" bescheinigt und allein in Bayern in den ersten sechs Monaten des Jahres 16 (!) meldepflichtige Zwischenfälle registriert wurden (was die Dunkelziffer angehen mag: Denkverbot, egal, was Angie davon hält), während also mit anderen Worten ein Haufen maroder Reaktoren weitgehend unbeachtet von ein paar profitsüchtigen Unternehmen dilettantisch durchgewurstelt wird, quatscht Kauder, man solle doch bitte an die vorbildliche Sicherheit deutscher AKW denken. Und nicht vergessen: Der Strom würde teurer.

Mr. Burns sieht das übrigens genauso: "Mein Kraftwerk ist absolut zuverlässig und sicher. Das sehen Sie schon daran, dass alle in der Nähe wohnenden Bürger von Springfield nachts so ein gesundes grünes Leuchten ausstrahlen."

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