Als eher fad empfinden die meisten Leute das Gerangel um Wählerstimmen, das über die künftige Machtverteilung im Lande entscheiden soll. Schon fast physische Schmerzen auslösend kalauert eine Hamburger Boulevard-Zeitung die Stimmung zusammen: "Yes, we gähn!".

Dabei geben sich die Kandidaten doch redlich Mühe, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wobei Franz Müntefering mit der spektakulären Fast-Bruchlandung seines Fliegers in Stuttgart vielleicht einen Tick zu weit ging. Hilft alles nix, es fehlt einfach an Grundsätzlichem.
Zum Beispiel an Profil, dass die zukünftigen früheren Volksparteien im Großen und ganzen ebenso vermissen lassen wie die zweistellig prognostizierten "Kleinen". Am meisten davon zeigen noch wie eh und je die drolligen Außenseiter (mein Geheimtipp dieses Jahr: die Bibeltreuen Christen), was uns aber mangels Wählbarkeit nun auch nicht wirklich weiter bringt.
Richtig übel wird es allerdings, wenn auch noch die wenigen verbliebenen Profilträger ihre bislang sorgfältig verborgenen Schwächen im Übereifer bloßlegen. Da gibt es etwa das CSU-Urgestein Peter Gauweiler, das seit Menschengedenken im Wahlkampf durch viel Lärm und wenig Sinn erfolgreich ins Bewusstsein der Menschen eindringt, um anschließend weitere vier Jahre sein Mandat primär durch Unauffälligkeit in Berlin und viel Präsenz in heimischen Bierzelten abzufeiern. Ob er damit seine Sache besser oder schlechter macht als andere, sei dahingestellt, zumindest aber kann man sich den Mann merken. Dummerweise (für ihn) gilt das auch, wenn er sich ganz besondere Patzer leistet.
So wie auf einem Wahlplakat Ende August. Da lud ein Steigbügelhalter Gauweilers, wie sich das für bayerische Christsoziale von Amts wegen gehört, zum politischen Frühschoppen, Bier wegpumpen fürs weiß-blaue Vaterland gewissermaßkrug. Verkündet wurde die frohe Botschaft mit einer Flut von Plakaten. Als Datum für das feuchtfröhliche Ereignis war Sonntag, der fünfte September angegeben. Nun ist zwar allgemein bekannt, dass in Bayern die Uhren anders gehen, aber seit wann denn auch die Kalender? Der fünfte September, vorausgesetzt wir sprechen alle vom Jahr 2009, war ein Samstag. Und der darauffolgende Sonntag daher, das ist jetzt nicht mehr so schwer, war der sechste.
Glücklicherweise ist das kurz vor dem entsprechenden Wochenende außer mir wohl noch jemandem aufgefallen. Daraufhin schwärmte eine Schar bienenemsiger Helferlein mit eilends angefertigten kleinen Aufklebern aus, die eine schwarze "6." trugen. Reichlich spät zwar und unter Auslassung etlicher Plakate abseits der Hauptstraßen, aber immerhin.
Alles nicht so schlimm, finden Sie, schlimmstenfalls hätten ein paar Bayern am Samstag Morgen ihre Maß ohne Gauweiler trinken müssen oder er am Sonntag Morgen allein in der Gaststätte Siebenbrunn gestanden? Mag sein. Aber würden Sie gern von einem Menschen politisch vertreten werden, der nicht mal einen Kalender lesen kann? Der von Ihren Steuergeldern einen Haufen nett bezahlter Referenten beschäftigt, die das auch nicht können? Der womöglich Staatstermine regelmäßig zur falschen Zeit am falschen Ort wahrzunehmen versucht?
Eben.



