(Paul Haggis, USA/D 2004, 113 Minuten) Schwer zu toppen. Streifen, in denen Amerikaner (M. Moore) selbst oder die "alten" Europäer (aktuell: L. v. Trier) einen kritischen Blick auf die sozialen Befindlicheiten der USA werfen, sind bekanntlich keine Mangelware.

Paul Haggis, früher gefürchtet (Walker, Texas Ranger) und seit seinem Drehbuch für den hervorragenden Eastwood-Film Million Dollar Baby vorsichtig-wohlwollend in der Bewährungphase, legt mit L. A. Crash das bis auf weiteres wohl Maßstäbe setzende Genre-Beispiel vor.
Zwei schwarze Jungen, die sich mit Autoklau auf Auftrag über Wasser halten; ein Latino, der Frau und Kind in einer zerrütteten Nachbarschaft ehrlich über die Runden zu bringen versucht; ein älterer weißer Cop, der sich mit mäßigem Erfolg gegen seine wachsende Verbitterung stemmt und sein junger Partner, der - noch - an die Gerechtigkeit glaubt; eine iranische Einwandererfamilie, die aus dem Traum vom gelobten Land aufwacht; ein schwarzes Ehepaar der Upper Class; ein schwarzer Kriminalinspektor und seine Latino-Partnerin; ein Yuppie-Staatsanwalt auf dem Sprung in eine politische Karriere und seine frustrierte Frau - das sind die Hauptpersonen, die durch für sie selbst unsichtbare Fäden untereinander verbunden sind und, schön diskrete L.A.-Symbolik, früher oder später wegen eines Verkehrsunfalls miteinander Berührung haben. Menschen wie Du und ich, man verfolgt seine Pläne, versucht mit einem Leben fertig zu werden, das es einem alles andere als leicht macht.
Während Haggis die Handlungsstränge verknüpft, zeigt er an den einzelnen Figuren und ihren Milieus ganz beiläufig nicht nur die beklemmenden Seiten einer psychotischen Stadt mit rund zehn Millionen Einwohnern jeder erdenklichen geografischen und sozialen Herkunft auf, sondern auch die des menschlichen Charakters an sich. Unspektakulär, aber damit gerade umso eindringlicher wird immer klarer, dass niemand wirklich alles unter Kontrolle hat. Jeder tritt vielmehr Wasser, um in einem Wirbel aus Ereignissen und Zufällen oben zu bleiben - ohne nennenswerten Einfluss auf die Richtung zu haben, in die es ihn letztlich treibt.
Der Film versucht den Zuschauer nicht zu belehren, drängt ihm keine Botschaft auf, will keiner Weisheit letzten Schluss verkünden. Statt dessen beobachtet er, was umso besser gelingt, weil er keine Identifikationsfiguren enthält: Wir alle sind jeder. Das liegt nicht zuletzt an der handwerklichen Umsetzung und den guten Schauspielern. Bemerkenswert ist vor allem Matt Dillon, der sich in die Riege der wenigen Stardarsteller einreiht, die im Laufe der Jahre offensichtlich, tja, man traut sich kaum es auszusprechen, reifen.



