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Bitte recht freundlich

Das hat uns noch gefehlt. Als ob die Lage im Lande nicht traurig genug wäre, dürfen wir jetzt nicht mal mehr grantig dreinsehen: Wohin das Auge fällt, trifft es aufs mechanische Gegenstück, die Kamera. Ginge es dabei um eine RTL-Debility-Show oder den netten Schabernack eines Schweizer Moderators, wäre ja nichts einzuwenden.

Leider aber sitzt am anderen Ende nur ein gelangweilter Staatsdiener. Und dahinter steckt einer, der selbst nicht gerade fotogen ist: der bayerische Sheriff Günther Beckstein.

Im Kielwasser der Londoner Anschläge drängt sich der Mann, wie stets bei derlei Anlässen, penetrant ins Licht der Öffentlichkeit. Da murmelt er dann mit der Ausstrahlung von einem, den gerade jemand in Vilsbiburg vom Traktor gezerrt hat, dumpf von dräuendem Unheil. Na, für sein Aussehen kann er ja nix, daran sind seine Imageberater schuld, und woher er die Kompetenz nimmt, sich als Fachmann für internationalen Terrorismus anzudienen, geht uns gar nichts an, ist auch geheim, bei dem Thema! Also hören wir mal, was er zu sagen hat: Es ist keine Frage, ob es in Deutschland einen Terroranschlag geben wird, sondern nur wann. Und darum sollte man schleunigst vorbeugen. Zum Beispiel, außer biometrischen Ausweisen, peniblen Grenzkontrollen, vorbeugender Überwachung, Lauschangriffen und randvollen Datenbanken verdächtiger Gesellen, mit mehr Kameras im öffentlichen Raum (zumindest, so lange irgendwelche Träumerle das im privaten Raum noch vereiteln).

Gesagt, getan, zumal er da - wie immer außer in Wahlkampfzeiten - genau auf der Linie des Noch-Bundes-Kollegen Otto Schily liegt, den er ja vielleicht bald... wer weiß... tut aber jetzt nichts zur Sache. Der öffentliche Raum wird also jetzt per Kamera überwacht, und zwar gründlich. In Hamburg haben sie damit schon erste Erfolge, weiß Beckstein, da wurde einer gefilmt, wie er ein Mädel vor die S-Bahn stieß. Nur, was hat das mit islamischen Fundamentalterroristen zu tun?

Wenig. Oder glauben wir, dass die Dinger einem Hardcore-Fanatiker Angst machen, erwischt zu werden? Dass der gelangweilte Staatsdiener auf einem 15-Zoll-SchwarzWeiß-Monitor jemand erkennt, den er sonst nur auf einem verschwiemelten, gefaxten Foto von der CIA sieht? Die Londoner Innenstadt, so gibt Kollege Schily im "Spiegel" widerstrebend zu und hat Beckstein vor Monaten noch als Vorbild angeführt, ist flächendeckend videoüberwacht. Genützt hat das tragischerweise gar nichts. Ja, räumt da Beckstein auf Nachfrage ein, aber in der Aufklärung leisten die Aufzeichnungen wertvolle Dienste. Klingt nicht dumm, aber nur im ersten Augenblick; der islamische Fundamentalterrorist per se ist nach der Tat meist wie vom Erdboden verschluckt, auch, wenn man ihn tatsächlich nach ein paar Tagen auf einem Video identifizieren kann. Man denke an "Das Phantom", Bin Laden: Von dem gibt's Fotos und Videos in Hülle und Fülle, aber deswegen weiß trotzdem nicht einmal George W. Bush auch nur, in welchem Land er gerade steckt. Was Selbstmordattentäter betrifft, sind die nicht nur nach erfolgter Tat definitiv vom Erdboden verschluckt (zuweilen im wahrsten Sinne des Wortes), sondern obendrein pfeifen sie auch noch drauf, ob sie identifiziert werden.

"Unseren guten Günther" (Schily im "Spiegel"-Interview) scheint das kaum zu stören, Hauptsache, die schicken Kameras werden montiert. Und uns bleibt nichts anderes übrig, als gute Miene zum blöden Spiel zu machen - bitte recht freundlich!

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