Ganz besondere Anlässe feiert man von altersher drei Tage, bevor man sich wieder dem Alltag zuwendet. Das gilt zweifelsohne auch für Rücktrittserklärung Edmund Stoibers - Zeit auszunüchtern also, die Flaschen aus dem Wohnzimmer zu schaffen und zu betrachten, was da eigentlich passiert ist.

Der medienübergreifend an den Haaren herbeigezerrte Vergleich vom "Sturm in der CSU", soviel ist mal sicher, war zwar angesichts "Kyrill" unwiderstehlich eingängig, aber metaphorisch grober Unfug: Einen Sturm gibt's und gab's in der CSU nicht, viel zu dynamisch. Was Stoiber erwischt hat, dürfte man eher, wenn's denn schon eine Naturgewalt sein muss, mit einem Sumpf aus Treibsand vergleichen.
Bei Licht betrachtet hat nämlich angesichts des lehrbuchmäßigen Falls maßloser Fehleinschätzung der eigenen Bedeutung bis auf den guten Stotter-Ede selbst eigentlich seit der Bundestagswahl jeder gewusst, dass es einen schönen Tages so kommen würde. Klar, 66 Prozent bei der Landtagswahl zuvor, das war ein schöner Streich - aber bis in alle Ewigkeit hält sowas auch nicht vor. Und dann das Gezerre und Geziere um den Wechsel nach Berlin oder nicht oder doch oder was, das trug nun nicht gerade zur klaren Linie bei. Da braucht's schon eine gehörige Portion Selbstüberschätzung und Realitätsverlust, unter einem ganzen Pulk über einem kreisender Geier stehend zu erklären, man werde 2013 erneut kandidieren und sei froh, die Partei (außer dieser lästigen Emanze aus Nürnberg) fest hinter sich zu wissen - während auch der letzte Pframmerner Lokalredakteur das Ende schon unausweichlich kommen sieht.
Zugegeben: Schön ist das nicht, zu frohlocken über den tiefen Fall eines Mannes, der nach eigenem Bekunden, sofern er denn den Satz unfallfrei heraus bekam, immer nur das Beste für Bayern wollte. Aber manchmal geht's eben nicht anders, da muss man mit aller Härte tun, was zu tun ist - so, wie es auch Franz Josefs Erbe selbst immer hielt. Was das nun wieder heißen soll? Fragen Sie mal eines der zahllosen Opfer, den verramschten bayerischen Wald oder einen entlassenen Sozialarbeiter beispielsweise, meinethalben auch eine ehemalige Kultusministerin oder einen gewesenen langjährigen Büroleiter. Darf man also, unter dem Strich, schmunzeln, wenn der Stoiber beim Mit-erhobenem-Kopf-aus-dem-Raum-rennen nach der schicksalshaften Pressekonferenz am 18. Januar a. D. 2007 den Kopf auch noch so hoch erhebt, dass er vor laufenden Kameras einen Stuhl umrennt und sich dabei beinahe flachlegt?
Man darf, ja, man kann im Grunde kaum anders, denn wirklich traurig sind an der ganzen unterhaltsamen Posse eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen verlieren wir alle eine unerschöpfliche Quelle rhetorischer Kabinettstückchen mit diesem Mann, dessen, äh..., vielsagendes Motto laut seiner
Homepage "Handeln statt Reden" lautet (aus gutem Grund!!!), zum anderen wird's unter dem Nachfolger Günter Beckstein gewiss nicht besser.



