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Knallhart

(Detlef Buck, D 2006, 98 Minuten) Praktisch zeitgleich zu den Vorgängen an einer Berliner Schule, die Politiker aller Parteien zu schwer erträglichen Wortschwällen in Sachen Jugendgewalt animierten, drehte Detlef Buck einen Film zu eben diesem Thema.

Keine Stellungnahme, keine dümmlichen Klischees, kein falsches "wird schon wieder", keine unerträglich klebrige Betroffenheit (siehe oben), und kein Anspruch auf das Patenrezept zur Lösung der sozialen Ursachen: In drei Schritten zu Ruhe, Ordnung, Gartenzwergen im Hartz IV-Ghetto, das gibt's hier nicht. Statt dessen überlässt es Bucks Bestandaufnahme dem Zuschauer, mit ihr klarzukommen. Ein langer Weg seit den ersten, nett-belanglosen Komödien des neuen deutschen Kinos.

Der 15jährige Michael Polischka (überzeugend: David Kross) ist ein ganz normaler Berliner Jugendlicher: Mutter Miriam (Jenny Elvers) Anfang 30 und beruflich aufs Angeln reicher Yuppies reduziert, Vater wird gar nicht erst erwähnt, DVD, Computer, Schule, nicht besonders mies dran und nicht besonders gut. Dummerweise schmeißt der aktuelle Yuppie sie raus, weil sie ihn nicht mehr scharf macht (Jan Stahlberg, brillant: Ich brauche nicht gut auszusehen oder nett zu sein, ich hab' die Kohle. So einfach ist das!). Die Kleinstfamilie landet unsanft in einer Neuköllner Sozialwohnung, von aus der die Mutter so unbekümmert wie erfolglos einen neuen Lebensunterhalter sucht. Für Michael geht der Ärger gleich am ersten Tag in der neuen Schule los.

Im Viertel hat, zumindest unter Jugendlichen, Errol (Oktay Özdemir) mit seiner Gang das Sagen, und die machen dem neuen Weichei unsanft klar, dass ihn seine Unversehrtheit ab sofort Bares kostet. Da hilft das Mitleid seiner netten neuen Mitschülerin genauso wenig wie die Freundschaft zweier anderer Verlierer: Entweder du zahlst, oder die prügeln dich, bis es dir langweilig wird. Was hingegen nach einigen brutalen Abreibungen hilft, ist das wohlwollende Interesse von Hamal (Erhan Emre), der in der Hackordnung etliche Stufen über Errol steht, weil er sich nicht mit ein paar Amateurerpressungen abzappelt, sondern im professionell aufgezogenen Drogenhandel richtig ordentlich Kohle macht. Er kann einen aufgeweckten, mutigen Minderjährigen mit ehrlichem Gesicht als Kurier gut brauchen, und so steht Michael ab sofort unter einem unsichtbaren Schutzschirm und verdient obendrein mehr Geld als seine Mutter. Alles läuft also doch im Großen und Ganzen okay für ihn, bis Errol das "Opfer" trotz aller Warnungen von Hamal doch mal wieder ein bisschen rumschubsen muss - während der dummerweise gerade die Bezahlung für seine erste große Kokslieferung im Rucksack hat.

Wie es weitergeht, wird nicht verraten, nicht, weil es für die Wirkung des Films sooo eine große Rolle spielt, sondern weil man ihn sich so oder so dringend ansehen sollte. Während in München nämlich beispielsweise in praktisch jedem Kino Verdummungsmüll wie "Ice Age II" läuft, schafft es nämlich "Knallhart" nach ein paar Wochen gerade noch in ein einziges Programmkino. Ein Grund mehr, vor Buck (Herr Lehmann) den Hut zu ziehen: Mit kurzweiligen, aber belanglosen Produktionen wie "Männerpension" (Regie und zweite Hauptrolle) hatte er vor zehn Jahren vermutlich mehr kommerziellen Erfolg, aber eben weniger Hirn. Trotzdem macht er um "Knallhart" keinen großen Wind und fällt uns nicht mit erhobenem Zeigefinger auf den Geist, nur: "Viele Leute haben gesagt, die Darstellung sei übertrieben, aber die schlafen komplett, die gucken einfach nicht hin. Die Haltung „Das ist nicht so“ oder „Das ist bei uns zum Glück nicht so“ geht einfach nicht." Stimmt.

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