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K.O. durch Gong

Wenn man macht, was alle machen, ist man immer auf der sicheren Seite, besonders in Modefragen - wenn's nicht alle mögen würden, wär's ja schließlich keine Mode, gell? Das gilt auch für Musik, eng mit dem Lifestyle (sowas hat der moderne Mensch) verknüpft, und wenn man selbst gar nicht so recht weiß, was man nun eigentlich gut findet, - aber Gott, sind wir gut drauf! - hört man am besten Münchens Hitgarantie:

Öffnet externen Link in neuem FensterRadio Gong. Gott, sind die gut drauf in dem Laden! Empfangen kann man Gong in München und im Outback, so nennt Gong das Umland, damit auch Ebersberger gut drauf sind: Ich wohn' nicht am tristen Rand des Münchner S-Bahn-Bereichs, sondern im Outback! Zwei Kriterien ermöglichen den ungehemmten Gong-Genuss: Entweder man ist latent total verunsichert über seinen Lifestyle und erhofft sich hier wertvolle Tipps, oder aber man leidet an einem ganz ungewöhnlichen Mangel. An Gehirnmasse.

Gong bombardiert den Hörer ununterbrochen, und zwar mit zwei Arten von Massenvernichtungswaffen, die einen über jedes in einem arabischen Labor mühsam aufgespürte Reagenzglas mit Zyklon B nur müde schmunzeln lassen: Das eine ist Werbung, Werbung, Werbung, in jeder nur erdenklichen Form; das andere sind Hits, Hits, Hits, in immer der selben Form. Verschossen wird die tödliche Mixtur aus einer besonderen Vorrichtung, die man dreist Moderator nennt. Ob es sich wirklich darum handelt, oder vielmehr um einen Haufen end-mega-krass durchgestylter Yuppie-Labertaschen, die den Traum vom ultimativen urbanen Komsumterror nicht nur leben, sondern auch noch predigen, bleibt dahingestellt. Ihr Gewäsch jedenfalls dient als Verbindungskleber für Werbung und Hits, der daraus resultierende Brei als Ersatz für besagte Gehirnmasse. Einen Vorteil hat das ganze: Mangels der dafür zwingend nötigen Substanz beim Stammpublikum kann niemand den sich ansonsten aufdrängenden Vorwurf von Gehirnwäsche erheben.

Besonders heimtückisch ist die nonchalante Umgehung der Vorschriften über Werbeanteile im Rahmenprogramm, in grauer Vorzeit festgelegt in einem Rundfunkstaatsvertrag, über dessen Verfasser man heute nur noch entschuldigend murmeln kann, das hätten sie nun wirklich damals nicht vorausahnen können. Bei Gong treibt man die überall praktizierte Vermengung von Werbung und, nennen wir es mangels eines zutreffenderen Begriffs "Redaktion", in ganz neue Dimensionen; ein und die selbe feuchtwarm-sonore Stimme quatscht gekaufte Spots, Spots in eigener Sache, Wetter und Verkehrsnachrichten, das ganze untermalt von nicht unterscheidbaren Jingles, und natürlich powered by was weiß ich welchem Münchner Autoverleiher oder Handyverkäufer. "Powered by" ist so ziemlich alles bei Gong, weil das keine eigentliche Werbung laut (kicher) Rundfunkstaatsvertrag (gröhl) ist. Das hört sich dann etwa so an: "Und jetzt die Gong-Rushhour, powered by Second Handy - Second Handy, der geilste Handyladen in München und dem Outback, kaufen, kaufen, auch unter www.secondhandy.de, Gott, ist das ein geiler Laden und Gott sind wir alle gut drauf hier mit Second Handy, kaufen, kaufen, JA SO EIN GEILER LADEN!" Und deshalb geht bei Gong auch keiner der Moderatoren (grins) auch nur aufs Klo - wenn die sowas überhaupt machen, erstens sind sie eigentlich zu gut drauf dafür, zweitens können sie ihren Abfall ja einfach übers Mikro rausblasen, aber mal gesetzt der Fall - es geht also keiner auch nur aufs Klo, ohne dass das powered by sonstirgendwem ist.

Ach ja, die zweite Waffe. Eine kurze Auswahl, so gesendet am 28. Mai 2004, powered by Dingsbums Autoleasing und unterbrochen von ein paar knackigen Spots: 17:48 Red blooded woman (Kylie Minogue), 17:45 God is a dj (Pink), 17:37 Somewhere only we know (Keane), 17:33 Love is all around (Wet Wet Wet), 17:29 Left outside alone (Anastacia) und zu Beginn um 17:26 Not in love (Enrique Iglesias). Na? Schon flau in der Magengegend? Schwindelgefühle? Sind DIE gut drauf oder was?!?

******* An dieser Stelle befand sich ursprünglich ein kurzer Abstecher zu einem Gong-Mitarbeiter, der bei Erscheinen dieses Beitrags noch in der Nachrichtenredaktion tätig war.

Nach einer am 5.1.2005 telefonisch vorgetragenen Unterlassungsaufforderung stellte sich die Frage: "Prozess riskieren oder Abschnitt streichen?" Nun ist der Vorwurf der Rufschädigung in diesem Fall zwar juristisch so wackelig, dass man's eigentlich drauf ankommen lassen sollte, nur: Ist das den ganzen damit verbundenen Hassel wert? Richtig, ist es nicht.

Dem betreffenden Ex-Gong-Mitarbeiter sei sein unbeschädigter Ruf also gegönnt, jegliche etwaige negative Folge für sein Ansehen ausdrücklich entschuldigt.
Es liegt nicht in der Absicht von
blickwendung.de, seine offenbar bislang deutlich unterschätzte meinungsbildende Wirkung dazu zu missbrauchen, vielversprechende Medien-Karrieren  auszubremsen.
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Dennoch einfach nicht unterschlagen darf man eine Meldung in den Gong-Nachrichten wie diese: "Karlsruhe. Das Bundesverfassungsgericht hat heute in der Frage der Rentenbesteuerung seinen Beschluss verkündet." "Na und?" sagen Sie, "ist doch gut, so als Meldung, irgendwie"? Stimmt eigentlich, aber wie besagter Beschluss denn nun lautet, das behält die Nachrichtenredaktion für sich. Dafür verkündet besagte feuchtwarme Stimme, die auch die Spots für alle Handyanbieter südlich des Mains liest, dass man mit den Gong-News (Prust) immer besser informiert ist, weil sie nämlich schon um sieben vor kommen. Das hat tatsächlich ein Gutes: um fünf vor hat man's auch schon hinter sich mit dem intellektuellen Zeugs und kann endlich wieder einen Spot hören. Oder Britney Spears.

Was tun also, wenn man trotz derartiger Risiken (man könnte schließlich bei der Sendersuche versehentlich bei 96,3 MHz landen) in München oder dem Outback Radio hören will? Ganz einfach: Zwei Sender fest vormerken, nämlich

  •  M 94.5. Garantiert werbefrei, garantiert kein einziges Lied, das es je in die Top 100 geschafft hat. Und die Moderatoren sind wenigstens welche, auch wenn sie noch in der Ausbildung sind.
  •  B5 Aktuell. Die sind zwar nicht im mindesten gut drauf in dem Laden, aber was sie sagen, enthält dafür die wesentlichen Punkte der jeweiligen Nachricht.

Und: Wir sind nicht hilflos, man kann sich wehren!

  •  Die Öffnet externen Link in neuem FensterWebsite von Gong 96,3 hacken. Oder beim Studio vorbei fahren und irgendwas durchs Fenster schmeißen, was stinkt. Oder offiziell wegen Volksverdummung verklagen. Oder alle Firmen boykottieren, die ihre Werbung von der feuchtwarmen Gong-Stimme verlesen lassen, und ihnen das per Einschreiben auch mitteilen.

Um weiteren Kadi-Drohungen vorzubeugen, bei Gong scheint man's mit Ironie oder gar Satire ja nun nicht soooo zu haben: Nein, das mit dem Hacken und Werfen ist natürlich nicht ernst gemeint. Das wäre doch illegal!

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