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Wachtmeister S.

Der Sommer ist da. Das bringt Annehmlichkeiten, aber auch so manches Ungemach. Blütenpracht und laue Lüftchen locken eine Spezies heraus, die man sich lieber ersparen würde: Den Schönwetterradler (Homo Bicyclens Solis).

Das ist an sich ärgerlich genug, schlingert er doch unberechenbar, unbekümmert und überzeugt, mutterseelenallein auf der Welt zu sein, durch die Gegend. Hinzu kommt der ästhetische Super-GAU, wenn Exemplare, die sich wegen Übergewichts kaum auf den Sattel hieven können, sich in sündhaft teure und extrem enge Gore-Bike-Wear-Klamotten in knallbunten Farben zwängen. All das aber bleibt harmlos im Vergleich zu einem der großen Übel urbanen Lebens: Polizisten auf Fahrrädern.

Diese putzigen Zeitgenossen erzeugen dann Szenen wie die folgende: Die Münchner Schönstraße ist breit. So breit, dass sie, wenngleich im Prinzip zweispurig, Platz für vier Autos lässt, einen mittigen Grünstreifen, Bürgersteige von rund drei Meter und geteerte Radwege; letzteres in beide Richtungen. So richtig lästig ist an ihr eigentlich nur das Überqueren: Der motorisierte Verkehr gibt, motiviert durch besagte Breite, so richtig Gummi. Macht nichts, denkt sich der in dieser Straße wohnhafte Radfahrer beim abendlichen Heimfahren, bleibst du eben die paar Meter gleich auf deiner Zielseite.

Leider ist diese Rechnung ohne Wachtmeister (oder wie diese Subalternen heißen, die wie der dicke Otto beim "Fahnder", Gott hab' ihn selig, immer in der schlechtsitzenden Uniform rumlaufen müssen) S. gemacht. Wachtmeister S. kommt einem in voller Montur auf dem breiten Radweg entgegen und, als man ihm, da ja genau genommen auf der falschen Seite fahrend, auf den breiten Gehweg ausweicht, macht er den Schlenker mit und beginnt wichtigtuerisch herumzufuchteln. Es kommt, wie es kommen muss: Wachtmeister S. ist ein Mann mit einer Mission, die er, völlig unangefochten von gesundem Menschenverstand und ähnlichen Banalitäten, zu erfüllen beabsichtigt.

In diesem Fall besteht die Mission darin, sich im Sinne der Straßenverkehrsordnung verkehrswidrig verhaltende Radler abzuzocken. Und zwar nicht zu knapp. Da spielt es keine Rolle, dass die Stadt eigentlich jedem auf den Knien danken sollte, der nicht zum stets drohenden Verkehrsinfarkt beiträgt; dass auf den Straßen längst das Gesetz des Stärkeren (Autos) herrscht; dass DHL, UPS und Konsorten mittlerweile flächendeckend in dritter Reihe parken, weil der Bürgersteig von SUV und die zweite Reihe von Smarts und Minis blockiert sind; dass der Kraftverkehr in dieser Stadt mit schöner Regelmäßigkeit schon im März die Erfüllung der laut EU höchstzulässigen Feinstaubquote fürs ganze Jahr sicherstellt; dass zu guter Letzt auf diesem obendrein nur mäßig frequentierten Radweg Platz für geschätzt drei Radfahrer in beliebiger Richtung ist - Wachtmeister S. hat einen kalt erwischt und gedenkt, seine Pflicht zu tun. 15 Euro macht das dann, mindestens genauso schwer wiegt die schwer erträgliche Beflissenheit des Freundes und Helfers.

'Na schön', denken Sie jetzt, aber warum das komische Foto oben? Das, Sie Ignorant, ist Marlon Brando als Colonel Kurtz in der kongenialen Verfilmung Apocalypse Now des Joseph Conrad-Klassikers Heart of Darkness. Und das Ende seines Maßstäbe setzenden Monologs dient als Vorbild für das Fazit des geschilderten Phänomens: 'Der Schwachsinn. Der Schwachsinn.'

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