Beim Oktoberfest ging's los, und seither wird's eher mehr: Die Behörden in München und anderswo bemühen sich emsig, dem Bürger gefühlte Sicherheit zu vermitteln.

Weil's aber die eigentlich gar nicht gibt, führt der Aufwand vor allem dazu, dass überall Polizisten rumstehen, die unübersehbar nix echtes zu tun haben, schon durch ihre Präsenz den Verkehr behindern und in ihrer Not halt so routinekontrollieren, was sie irgendwie verdächtig finden. Also unrasierte Menschen oder sonstwie schmuddelige. Und natürlich Ausländer.
Am Münchner Hauptbahnhof beispielsweise kumuliert die präventive Terrorabwehr im wesentlichen in zwei Maßnahmen. Zum einen parkt an den beiden theoretisch behindertengerechten Rampen zum Gleiskopf jeweils ein grüner Bulli quer. Damit verhindert man, scheint's, was wir aus einschlägigen Schundvideos meist amerikanischer Machart kennen: dass der Taliban seine randvoll mit Sprengstoff vollgestopfte Rostlaube mit Schmackes mitten in den Trubel schleudern lässt, bevor er mit einem lauten "Allah akbar!" auf den Knopf an seinem Sprengstoffgürtel drückt. Im Ansatz recht gefällig, sowas zu verhindern, nur: Von den im rechten Winkel zu besagten Rampen verlaufenden Straßen könnte nicht mal Schumi halbwegs zügig abbiegen, weil der ganz normale Verkehr sowieso bestenfalls Schritttempo zulässt. Statt dessen bremst man effektiv Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber aus, aber wer mag schon meckern, wenn’s um die innere Sicherheit geht?
Zum anderen laufen ständig zahlreiche eigens aus Bamberg herbeigekarrte Bereitschaftspolizisten durch den gesamten Komplex. Die sind jung, motiviert und kommen recht martialisch daher, der Huber Sepp zu Besuch aus Rosenheim - und der Taliban zu Besuch aus Kundus natürlich - soll ja nicht gleich auf den ersten Blick sehen, dass die Polizei mangels finanzieller Ressourcen eher mäßig ausgebildet ist. Ihr Auftrag lautet - vermutlich - sinngemäß, Präsenz zu zeigen und verdächtige Subjekte zu überprüfen. Und das machen sie. Auch wenn niemand so genau weiß, wie sich der Taliban wohl tarnen mag, weil, blöd ist der ja auch nicht, nur fanatisch. Also wird er wahrscheinlich kaum mit wehendem Vollbart und der AK 47 am langen Arm im weißen Burnus Richtung Service-Point stürmen. Genau solche Typen würden unsere Sicherheitswächter freilich gern so richtig gründlich routinekontrollieren, weil sie aber selten sind, und wenn doch, dreht sich’s meist um stinkreiche Saudis auf dem Weg zum Bayerischen Hof, da gibt zuviel Belästigung nacherd eh nur wieder Ärger mit den Vorgesetzten. Weil sie also eher selten sind, hält man sich notgedrungen an die zweite Liga - Türken, Ex-Jugoslawen, Araber, Afrikaner, alles, was offenkundig nicht aus Bayern stammt halt.
Al Kaida, das muss man schon inbrünstig hoffen, weiß von diesen Einsatzpraktiken nichts, sonst hat man da nämlich leichtes Spiel: Einen dieser deutschen Tailban heuern, mit denen uns die "Bild" immer das Gruseln beibringt (Zitat: "Der Taliban von nebenan"), rasieren, in den Boss-Anzug stecken, Dell-Köfferchen mit TNT vollgepackt und ab dafür. Dem zeigen die Bamberger Freundhelfer noch den Weg zum Service-Point, schließlich steht auch "Vertrauen der Öffentlichkeit stabilisieren" in ihren Direktiven.



