('Bully', D 2004, und wen interessieren schon die restlichen Daten) [Anm. d. Red.: heute nur ein s/w-Bild : Mit so einem Müll beleidige ich weder meine Website, noch Ihren Bildschirm. Zur Sache:] Darf man eigentlich einen Film besprechen, den man gar nicht gesehen hat? Juristisch ein Dilemma: darf man natürlich nicht, wo kämen wir denn da hin.

Nur, jetzt mal ethisch betrachtet: Was, wenn man den als Blockbuster einerseits besprechen muss, sich das aber andererseits partout nicht im Kino antun will? Greift da nicht so eine Art Notwehr-Paragraph oder sowas? Und gehört so eine Besprechung, wenn man sie denn einfach vornimmt, in die Rubrik "Leinwand" oder ins "Visier"? Fragen über Fragen... Im Namen des Volkes: Hier kommen die Antworten.
Bullys (endwitzig, so als Spitz-/Künstlername, gell, echt!) Erstlingswerk (kann man das in dem Fall überhaupt so nennen, Werk meine ich?) "Der Schuh des Manitou" ist (bislang) der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten. (Zuviele Klammern, reiß Dich zusammen! und außerdem wolltest Du Antworten liefern, nicht neue Fragen aufwerfen!)
Zweiter Anlauf: Bullys Erstlingswerk (hnngghhhh....!) "Der Schuh des Manitou" ist also der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten. Soviel zur geistigen Verfassung der Bevölkerung am Beginn des 21. Jahrhunderts. Damit dürfte die Frage nach dem Recht, einen Film ungesehen zu zerreißen, wohl beantwortet sein: Es ist die Pflicht eines jeden, der sich tapfer gegen die allgemeine Verdummung stemmt, in dem geradezu dramatisch-existenzialistischen Bewusstsein, für eine verlorene Sache zu kämpfen. Denn mit "(T)Raumschiff Surprise, Periode 1" holt Michael Herbig zum finalen Angriff auf die von Haus aus spärlich gesäten und durch den Schuh des Manitou weiter reduzierten Gehirnzellen der Zuschauer aus.
Zum Plot: gibt's nicht. Zu den Schauspielern: wenn überhaupt, vor der Leinwand statt auf. Zu den Effekten: keine Ahnung, dazu müsste man sich den Streifen wohl ansehen. Zur Musik: dito. Zur Regie: okay, Sie haben's begriffen - alles, was man sonst so bei einem Film unter die Lupe nimmt, lohnt hier den Aufwand nicht. Wenden wir uns daher lieber gleich dem Genialen zu: Die Unverfrorenheit. Und da gibt's wirklich einiges zu sagen! Herbig führt all den Dilettanten der (Unterhaltungs-)Industrie mal gründlich vor, wie unglaublich erbärmlich sie ihr Geschäft angehen.
Der Bild-Zeitung zum Beispiel, wie man das Niveau ohne jede Hemmung vom Parterre ins Souterrain drückt; dem Privatfernsehen, dass der Stumpfsinn mit seinen Konzepten nicht ausgereizt ist, noch lange nicht!; den Moderatoren von Radio Gong, dass man für Erfolg in der Medienbranche nicht nur nicht lesen können muss, sondern nach Möglichkeit auch das Denken in einfachen Hauptsätzen noch unterdrücken sollte; den angestrengten Gagschreibern witziger Stars wie unser aller Anke, dass es völlig ausreicht, auf millionenfach bewährte Rezepte zurückzugreifen, damit der Zuschauer schon weiß, dass er hier lachen muss, ohne sich vor den anderen Deppen zu blamieren - todsicher sind im Zweifel Klischeeschwuchteln, Fäkalien und unerträgliche Kalauer.
Ein Beispiel: Die Laberköpfe im Film heißen unter anderem Mr. Spuck, Captain Kork und Schrotty... witzig, gell? weil, nämlich, das ist 'ne Pagode, nee, warte mal, wie nennt man das, Parade oder so, weißt Du, na egal, die verarschen jedenfalls voll die Typen von Raumschiff Enterprise, weißt Du, also kapiert jetzt? Jedenfalls echt endlustig und so!
Herbig macht anachronistischen Narren wie Loriot oder Dinosauriern wie Gerhard Polt vor, dass sie mit scharf beobachteter und subtil überzogener Gesellschaftsdarstellung längst in eine Zwischenwelt abgerutscht sind, die einst der ausgestorbenen Spezies denkender Lacher gehörte;
last not least macht H. gestressten Marketing-Yuppies vor, dass man sich beileibe keine SUV einfallen lassen muss, um der Welt teuer etwas zu verscherbeln, das nicht nur niemand braucht, sondern das sogar allen schadet.



