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The Las Vegas Story

(The Gun Club, Animal Records, 1984) Der "Gun Club", der sich von 1981 bis 1996 in einem wilden Strudel rund um Mastermind Jeffrey Lee Pierce drehte, gehört zweifelsohne zur Liga der umstrittensten und - sagt zumindest die "Pro" - Fraktion - wichtigsten amerikanischen Bands.

Beschäftigt man sich mit der Reihe derer, die seine Einflüsse als für ihren eigenen Stil bedeutend bezeichnen (u. a. Nick Cave, Sixteen Horsepower, Noir Désir...) und wirft dann obendrein einen Blick auf die, deren Einflüsse Kritiker beim Gun Club wiedererkannten beziehungsweise wiederzuerkennen glaubten (Jim Morrison, Jimi Hendrix, Elvis Presley, Billie Holliday...), scheint an der Behauptung einiger Bedeutung etwas dran zu sein.

Man kann es sich aber auch leichter machen, und einfach eine Gun Club-Platte aufmerksam anhören. Zum Beispiel"The Las Vegas Story." 1984 entstand die, und klingt immer noch nicht verstaubt, ein sicheres Kennzeichen guter Musik: nicht nur mit Blick auf Klassik, sondern vor allem beim Spreu-Weizen-Sortieren in Pop und Rock, wer's nicht glaubt, vergleicht mal "Whole Lotta Shakin' Goin' On" (Jerry Lee Lewis 1957, zeitloser Drive) und beispielsweise "Jump!" (Van Halen Anfang der '83, man glaubt kaum, dass sowas mal im Radio lief).

Der Gun Club, bis auf die in der Folge langjährige Bassistin Patricia Morrison in Originalbesetzung, legte damit sein viertes reguläres Album vor und definierte endgültig einen Stil aus Country, Swamp- und Cajun-folk, Punk, einer Prise New Wave der härteren Gangart und Blues. Vor allem letzterer sollte sich später mit jeder Studioplatte weiter nach vorne schieben, bis das letzte Werk "Lucky Jim" (1993) schließlich beim besten Willen nur als Blues-Album bezeichnet werden konnte.

Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung war offenbar Pierce' Weg zur Meisterschaft an der Gitarre, der eigentlich nur zum Blues führen kann und sich in der "Las Vegas Story" vor allem in den Stücken "The Masterplan" und "My Man's Gone Now" bemerkbar macht - beides Coverversionen (Leon Thomas u. Pharoah Sanders bzw. George u. Ira Gershwin). Neben dem Blues zeigt das Album auch die anderen Stilrichtungen exemplarisch: "Walkin' With The Beast", ohne Pause auf die düster-wirre Ansage This is the Las Vegas Story, the story of a couple of great... (was?! Great WAS, zum Teufel?!?!) folgend, ist New Wave vom Feinsten; "My Dreams" und "Eternally Is Here" kommen als etwas rauhere Country-Songs daher (da lässt sich Pierce auch schon mal zu einem "yee-haw!" hinreißen), "Moonlight Motel" verweist auf die Punk-Wurzeln der ersten Konzerte und Aufnahmen.

Handwerklich ist die Las Vegas Story perfekt erzählt - schon damals kannte Pierce Kompromisse weder bei sich selbst, noch bei seinen Musikern, ein (lobenswerter) Hang, den er später bis zum Exzess trieb - wer ihn einmal live spielen gesehen hat, weiß, was für ein Erlebnis das auf der Bühne bedeutete.

Die wechselnden Bandmitgliedern mussten sich entsprechend von der ersten bis zur letzten Besetzung nie hinter irgendwem verstecken, was ganz nebenbei ihre sonstigen Aktivitäten belegen: Kid Congo zupfte unter anderem die Saiten für die Cramps und Nick Cave, Terry Graham stammte aus der Punk-Legende "Bags", Patricia Morrison schaffte es später neben den über-dominanten Andrew Eldrich in den Vordergrund der Sisters of Mercy, es gab einen regen Austausch mit den Berliner Avantgardisten von "Die Haut", einen frühen Gastauftritt von Blixa Bargeld ("Yellow Eyes", 1987), eine Produktion durch Robin Guthrie von den Cocteau Twins ("Mother Juno", 1987), und die letzte Bassistin Romi Mori erzählte (privat) ganz nebenbei, dass Kim Deal (Pixies) ihr Instrument "quite okay" spielte - "but not more...". Mochte der kommerzielle Erfolg auch immer ausbleiben, der Respekt des Milieus war dem Gun Club sicher. Zu Recht.

1996 verstarb Jeffrey Lee Pierce in Salt Lake City an einem Herzinfarkt, den man wohl als unvermeidbare Folge seines exzessiven und immer wieder durch Drogen geprägten Lebensstils betrachten muss.

Obwohl das Internet damals de facto noch nicht existierte, findet man Discographie, Bandinfos usw. auf zahlreichen inoffiziellen, wechselnden Websites unterschiedlicher Qualität - unter anderem Öffnet externen Link in neuem FensterHIER.

Zu guter Letzt: In den Plattenläden findet man Gun Club aus unerklärlichen Gründen kaum noch, und schon gar nicht bei Amazon - gebraucht Suchen!

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