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Die Rache des T-Systems

Neulich wollte ich wegen Umzugs mein Telefon abmelden, um dann später in der neuen Bleibe mit einer neuen Nummer wieder ans Netz zu gehen. Sowas macht man heutzutage online. Unglaublich, was es auf der Website der Deutschen Telekom so alles gibt. Leider sieht man all das erst, wenn die Seite sich aufgebaut hat, und das kann über ein normales Modem schon dauern.

Na, auf diese Weise erfährt man wenigstens eindringlich, dass man sich endlich mal aus der Internet-Steinzeit rausentwickeln und von T-Online einen digitalen T-DSL-Anschluss einrichten lassen sollte. Wenn die Seite aber dann geladen ist... ein technisches Wunderwerk. Zwischen spaßigen Animationen und Bildern beneidenswert schöner Fernsprechteilnehmer kann man per Mausklick jeden noch so abwegigen Service dieses modernen Anbieters in Anspruch nehmen. Wenn man ihn findet. Und das ist mitunter gar nicht so einfach: Menüs und Sub-Menüs allenthalben, mit so modernem Telekommunikationsjargon bezeichnet, dass schnell klar wird - sooo gut, wie man sich das bislang vorgemacht hat, kennt man sich in dieser multimedialen Welt wohl doch nicht aus.

Wie gut, dass es da noch die Servicenummern gibt. Leicht bedrückt ob der selbstverschuldet mangelnden Online-Kompetenz greift man also zum Hörer. Dreisprachig erfährt man, gleich sei einer der Serviceanschlüsse fr... da ist sie schon, die Telekom-Fachfrau. Huch, das war wohl nicht die richtige Nummer für das Abmelden, aber natürlich wird man weitervermittelt. Und erfährt: Nein, Abmelden kann man seinen Anschluss nicht. Anmelden, Ummelden, den Tarif wechseln, T-DSL bestellen, ISDN oder ein schnurloses Telefon, alles gar kein Problem, aber Abmelden? "Nein, das geht leider nur schriftlich. Aha. Na denn.

In der neuen Unterkunft möchte man natürlich schnellstmöglich wieder einen Anschluss, schließlich lebt man ja online. Und zwar am besten den der anderen Partei der nun zusammengeführten Wohnungen. Schlau geworden sucht man den persönlichen Kontakt im T-Punkt. Von einem freundlichen Mitarbeiter erfährt man einige beeindruckende Neuigkeiten:

- Beispielsweise, dass man unwissentlich schon seit längerem zwei Euro Grundgebühr pro Monat mehr zahlt - "Wissen Sie, wir haben Millionen Kunden, glauben Sie, da können wir jeden anschreiben, wenn sich die Gebühren erhöhen?" - Ja, man glaubt. Erstens klappt das doch mit der Werbung auch, und zweitens wäre da ohnehin die monatliche Rechnung, auf der man einseitige Vertragsänderungen nebenbei erwähnen könnte.
- Weiter: Diesen anachronistischen Vertrag mit also jetzt knapp 15 Euro Grundgebühr gibt es für Neuabschlüsse nicht mehr, ob man nicht vielleicht sowieso schon mal T-DSL gewollt habe, jetzt mit Startguthaben, noch schneller, Freiminuten ohne Ende und sowieso total toll? Nein, hat man nicht. Der Mitarbeiter wird allmählich weniger freundlich.
- Fakt ist seiner festen Überzeugung nach: Der einfachste Vertrag, den es jetzt gibt, heißt T-Net 21 oder so ähnlich und kostet rund 19 Euro Grundgebühr. In der Auskunft schwingt, am Rande bemerkt, kaum verhohlene Verachtung mit für jeden, der diesen so recht armseligen Vertrag überhaupt ernsthaft wollen kann.
- Dummerweise: Man will sogar noch mehr, nämlich immer noch gern wissen, wieso man nicht einfach mitsamt der Nummer und dem bestehenden Vertrag umziehen kann, das wäre doch dann kein Neuanschluss? Der unfreundliche Mitarbeiter wird nun ohne weitere Umstände pampig, lässt die mühsam angeschulte Servicemaske fallen und weist verbittert darauf hin, er könne doch jetzt nicht die ganzen Daten wieder löschen, die er während der Verhandlung emsig eingetippt hat. Und stehe außerdem hier nicht 15 Minuten mit seiner ganzen Beraterkompetenz zur Verfügung, um dann nicht einmal einen lumpigen Neuabschluss zu tätigen. Da möchte man seinerseits auch nicht so lange zur Verfügung stehen, um sich ohne jedes Ergebnis blöde anquatschen zu lassen. Und geht.

Wieder zu Hause, ruft man (vom Handy) erneut den Service an, erfährt dreisprachig... usw. Schließlich erklärt ein freundlicher Servicemitarbeiter, der Umzug mitsamt Nummer und bestehendem Vertrag sei "überhaupt kein Problem". Mutig geworden erwähnt man die noch frische, unerquickliche Erfahrung im T-Punkt, um zu hören, "die haben da sowieso keine Ahnung, die wollen bloß verkaufen." Genau das hatte man ja schon selber irgendwie geargwöhnt, aber was ist das für ein Unternehmen, in dem einer den anderen gegenüber Kunden als ebenso gierigen wie unfähigen Trottel bloßstellt? Na ja, Hauptsache, nun klappt's. Man erhält die feste Zusage, der alte Vertrag laufe weiter, mit der besagten Grundgebühr von 15 Euro. Zufrieden widmet man sich dem restlichen Umzug, den man im Eifer des Gefechts um den gewünschten Anschluss schier vergessen hätte.

Nach einigen Wochen kommt dann die Rechnung. Das dauert so lang, weil ein Zentralcomputer das ganze erst mal verdauen muss, zudem er zwar dabei erfasst, dass der ganze Aufwand wegen eines Umzugs betrieben wurde (was in der Regel mit einer Adressänderung verbunden ist und folgerichtig auch vom freundlichen Servicemitarbeiter am Telefon aufgenommen wurde), leider aber versäumt, die mühsam eingegebene neue Adresse auch dem Rechnungsservicezentralcomputer mitzuteilen. Macht nichts, gut Ding will gut Weil'.

Nur... die neue Grundgebühr ist mit etwas über 23 Euro ausgewiesen. Nicht 13 (Gott, waren das Zeiten...), nicht 19 (hätte ich nicht doch vielleicht besser gleich T-Dingsbums 21 geordert?), sondern 23. Ich fürchte, es kommen einige Telefonate mit freundlichen Servicemitarbeitern auf mich zu.

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