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The Soul Of A Man

(Wim Wenders, Deutschland/USA 2003, 103 Minuten) Wim Wenders kann man mögen oder nicht. Letzteres fällt oft leicht, betrachtet man sich anstrengende Streifen wie "Der Himmel über Berlin". Nichtsdestotrotz ist Wenders einer der wenigen deutschen Regisseure, die es in die internationale Oberliga geschafft haben.

Wohl aus diesem Grund hat sich Martin Scorsese für den ersten Film seiner siebenteiligen Hommage an den Blues ihn ausgesucht - oder aber daran, dass er 1999 schon einmal weltweit einen Musikstil zurück ins Hitgeschäft geholt hat, der längst unter "nix Neues mehr zu holen" abgelegt worden war: "Buena Vista Social Club" staubte ein paar zu Unrecht vergessene alte Musiker aus Cuba ab und setzte sie mitsamt ihrer Rhythmen so in Szene, dass der Erfolg anschließend auch noch für Scharen musikalischer Nachahmer langte. Bleibt zu hoffen, dass es im Kielwasser von "The Soul Of A Man" nicht ähnlich kommt, das Zeug dazu hat der Film jedenfalls.

Wenders beginnt die von Scorsese initiierte und produzierte Blues-Reihe mit dem Porträt dreier Legenden: Blind Willie Johnson, Skip James und J. B. Lenoir. Aufgezogen ist das ganze glücklicherweise als Dokumentarfilm, schlecht nachgespielte Szenen im Stil pseudo-spannender Geschichtsstreifen bleiben dem Zuschauer also erspart. Den einzigen Kompromiss in dieser Hinsicht bilden einige Einstellungen mit Johnson, von dem keinerlei authentisches Bildmaterial existiert - schlechte Karten für einen Dokumentarfilm. Wenders findet hierfür den richtigen Mittelweg mit schwarz-weißen, zerkratzten Bildern, passend zu Stimmung und Sound, aber ohne Vorspiegelung billig nachgemachter Echtheit. Johnson dient als Erzähler bei dem Streifzug durch ein paar Jahrzehnte Blues, überzeugend gesprochen von Laurence Fishburne (Matrix). Von seinen eigenen religiös geprägten Anfängen nach dem ersten Weltkrieg führt er zu Skip James, der in den dreißiger Jahren fast den Spung in eine echte Erfolgskarriere gemacht hätte - wäre da nicht die Rezession dazwischen gekommen; den Abschluss macht J. B. Lenoir, in den Sechzigern nach langer Mühe ebenfalls auf dem Weg zu wenigstens etwas kommerziellem Erfolg, als er nach einem Unfall wegen nachlässiger Pflege in einem Krankenhaus verstarb.

Allen drei ist gemein, dass sie erst post mortem nachfolgenden Musikergenerationen zu Leitbildern gerieten und ihr Leben lang zumindest materiell auf der Verliererseite standen - wie so viele Künstler. Dafür sind ihre Stücke und ihre Art (vor allem Gitarre) zu spielen heute Ansporn für feste Größen in der modernen Musik, von Lou Reed über Los Lobos und Cassandra Wilson bis hin zu Nick Cave. Sie lassen es sich, Glück für Wenders und den geneigten Zuschauer, denn auch nicht nehmen, mit ihren Versionen der Klassiker in the Soul Of A Man zu zeigen, warum ein solcher Film überhaupt wichtig ist: Wegen der zeitlosen Wirkung des Blues.  Man darf hoffen, dass der zweite Teil der ursprünglich unter dem Titel "The Blues" als Fernsehserie produzierten Septologie (nennt man das so?), The Road to Memphis, genauso gelungen ist. Und sich schon freuen, denn den siebten Teil übernimmt kein anderer als der bekennende Blues- und Jass-Junkie und Pianist Clint Eastwood, der sein Talent für dieses Genre bereits 1988 mit "Bird" bewies.

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