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Nur keinen Staub aufwirbeln

Das noch im März umgehende Gespenst aus Feinstaub und anderem Dreck zum Einatmen hat sich offenbar als - ähem - warme Luft erwiesen. Wirft man einen Blick in die Medien, findet man kaum mehr ein Wort darüber: zum einen sicher wegen des Papstwechsels, der die Debatte nolens volens aus den Schlagzeilen drückte, ein Schicksal, dass sie mit dem Ableben Harald Juhnkes und des Fürsten von Monaco teilt.

Verkehrspolitiker, Stadtväter und Auto-Lobby dürfen vorerst - ähem - aufatmen. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude etwa, während der Diskussion ungewöhnlich still, meldet sich jetzt in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Städetages im Amtsblatt der mobilen Gesellschaft (ADAC Motorwelt) mit einem eloquenten, aber völlig nichtssagenden Gastkommentar zu Wort. Der gestandene Volksvertreter, der in Bürgerveranstaltungen auf Kritik auch schon mal gelassen feststellt, das sei ihm alles wurscht, weil er sich eh nicht mehr zur Wahl stelle, erklärt ohne erkennbare Schamesröte, "nicht erst seit diesem Jahr ist uns bekannt, dass die Luft in den Städten oftmals Belastungen aufweist, die es zu reduzieren gilt."

Ja, da schau' her: Man hat also tatsächlich auch schon gewusst, was jeder Fußgänger oder Radfahrer täglich an der eigenen Lunge erlebt - nur gemacht hat man halt nix. Statt dessen schiebt man sich unter Städten, Ländern und Bund den rabenschwarzen Peter hin und her und schimpft zwischendurch gemeinsam auf die Medien, sie würden die Menschen unnötig in Panik versetzen - etwa mit der Veröffentlichung amtlicher Statistiken zur Luftbelastung, verantwortungslos, sowas!

Nun ist, das jetzt bitte nicht falsch verstehen, der Papst gerade zum rechten Zeitpunkt gestorben, um den Blick der Öffentlichkeit auf ein anderes Thema zu richten. Danach gab's Verdruss mit der Steuerreform, dann hörte Schumi plötzlich mit dem Gewinnen auf, dann gab's Verdruss mit der Gesundheitsreform, dann Folter im Irak, dann Verdruss mit der Rentenreform, dann war Paris Hilton in Deutschland, und schließlich solchen Reformverdruss, dass eine radikale Regierungsreform per Abwahl folgen dürfte - Schwein gehabt, bei soviel symbolischem Schmutz denkt niemand an echten Dreck.

Bis die EU die ersten Strafen an all die Städte zu bringen beginnt, die mit den Händen im Schoß seelenruhig zugeschaut haben, wie sich ihre Luftbelastung rasant dem roten Bereich näherte, haben sich die Leute längst daran gewöhnt, langsam im Dreck zu ersticken. Und selber kräftig mitzutun: Was bringt denn auch die teure Klimaanlage im SUV, wenn man den Motor abstellt, nur weil man bei Sommerwetter ein Stündchen im Stau steht? Eben. Schließlich findet's auch längst niemand mehr bedenklich, dass bei gutem Wetter die Warnung vor zu hohen Ozonwerten in keiner Nachrichtensendung mehr fehlt; sollen sie doch zu Hause bleiben, die anfälligen Kleinkinder, Kranken und Altersschwachen, stehen doch sonst sowieso nur auf der Straße im Weg rum. Und dass bloß niemand behauptet, die Politiker würden nichts tun: Jeder Ozonwarnung folgt der nachgerade rührende Appell des jeweiligen Umweltministeriums, man möge das Auto doch bitte nur benutzen, "wenn es unvermeidbar ist".

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