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Rückblick: Das war 2009

Schon gut, schon gut. Ich habe auch einen Kalender und weiß, dass wir eigentlich erst am Anfang von 2009 stehen. Ja doch. Aber mal Hand aufs Herz - eigentlich lässt sich schon Ende Januar recht zuverlässig prognostizieren, was hinter uns zu lassen wir im Dezember kaum mehr werden erwarten können: im wesentlichen Pleiten, Pech und Peinlichkeiten allenthalben. Und daher hier und jetzt, der vermutlich früheste Jahresrückblick aller Zeiten. Bringen wir's hinter uns.

Der Januar zeigt gleich, worauf wir uns einstellen müssen: Das Konjunkturpaket II flickschustert an den Folgen der unter neoliberalem Hecheln seit Jahren verpfuschten Wirtschaftspolitik herum. Das eine oder andere Kasperle fliegt aus dem Dschungelcamp, RTL feiert unbeirrt seinen 25. Geburtstag. Und ein weiteres Kasperle namens Koch profitiert vom Dschungelcamp-geeigneten Gebaren seiner Fast-Besiegerin, lässt sich feist grinsend auf dem schon verloren geglaubten Ministerpräsidentensessel nieder und schickt sich an, von dort aus nachdrücklich neoliberal zu hecheln. Der DAX sinkt trotzdem weit unter 4.000 Punkte und bleibt dort auch bis zum

Februar. In Berlin kippt Guido Westerwelle das Konjunkturpaket II, um das neoliberale Pfuschen der Wirtschaftspolitik nicht zu gefährden. Ein Soforthilfepaket für Finanzmanager und Banker ersetzt die bisherigen Pläne. Zu seiner Finanzierung wird Hartz V eingeführt; Arbeitslose und anderer Sozialballast werden verdonnert, mit 158 Euro und zehn Cent im Monat auszukommen, indem sie bis zum Frühling nicht mehr heizen. Der soll bekanntlich Mitte

März kommen, verspätet sich jedoch spürbar. Dadurch erfährt eine breite Öffentlichkeit erstmals, dass die Frühlingseinführung auf Rat Roland Bergers an die selbe Servicegesellschaft ausgelagert wurde, die auch für die Fahrpläne der Münchener Verkehrsbetriebe verantwortlich ist - kein

Aprilscherz. Der immerhin 15. Jahrhundertsturm des Jahrhunderts - "Edmund" - bringt in ganz Deutschland Tausende um Hab und Gut. Die Bundesregierung verspricht ein Soforthilfepaket, das allerdings im Bundesrat durch Guido Westerwelle gekippt wird. Statt dessen führt man für diese und künftige Katastrophenopfer eigens Hartz VI ein, im wesentlichen die Versorgung mit trocken Brot und ungefiltertem Überschwemmungswasser. Der DAX sinkt auf 3.243, und so wankt die Republik kollektiv unbeschwingt in den

Mai. Da knackt der DAX endlich die 3.000er Grenze, nach unten, versteht sich. undefinedWolfgang Schäuble schlägt vor, zur Stärkung der Binnennachfrage alle Menschen zum Kauf eines Computer zu verpflichten; gleichzeitig sollen Papieraufzeichnungen jeder Art verboten werden, um wichtige Daten nicht heimtückisch der Online-Durchsuchung zu entziehen - das könnte dem subversiven Pack so passen, seine Terrorpläne unbeobachtet in zerfledderten Schulheftchen auszuarbeiten. Außerdem schlägt Schäuble im

Juni strengere Kontrollen für innerdeutsche Flüge vor: Passagiere sollen ihre Harmlosigkeit durch Absingen von "Lieb' Vaterland, magst ruhig sein" beweisen, in unbekleidetem Zustand und, sowas zeigt den guten Willen, auf einem Bein stehend.
Audi erzeugt fast ans Dschungelcamp heranreichendes Medieninteresse mit der Präsentation seines neuen undefinedSUV Q13. Die Ingolstädter werden zwar trotzdem vom unter 2.243 sinkenden DAX mitgerissen, durch Guido Westerwelle ermutigte Finanzberater orderten jedoch schon vor dem ersten Liefertermin tausende Exemplare des neuen Prestige-Panzers. Leider stellt sich im

Juli heraus, dass dieser mit 8 Tonnen Leergewicht den LKW-Führerschein erfordert. Tausende Käufer überwiegend aus der Finanzbranche sind insgeheim erleichtert, ist doch der DAX mittlerweile unter 2.000 gerutscht. Guido Westerwelle und Hans-Werner Sinn setzen in dieser Lage Hartz VII durch, gekoppelt an das Konjunkturpaket IIIa. Arbeitslose werden dadurch verpflichtet, 75 ihrer 158 Euro und zehn Cent an unverschuldet mit den Raten für ihren Q13 in den Rückstand geratene Finanzdienstleister abzugeben.
RTL plant eine Neuauflage des Dschungelcamps unter dem Titel "Nam-POW", der die Kandidaten in ein authentisch wirkendes Kriegsgefangenenlager in Vietnam schickt. Statt dessen relauncht der Sender dann aber doch "Deutschland sucht den Superstar", als Dieter Bohlen am Münchener Flughafen bei einer Personenkontrolle für einen Taliban gehalten wird, weil er weder "Lieb' Vaterland..." noch sonst irgendwas singen kann. Die Beamten versuchen das Feuer zu eröffnen, haben jedoch keine Munition, weil ihr gesamter Etat für verstärkte Fahrradkontrollen dem der undefinedMünchner Verkehrspolizei überschrieben wurde. Genauso heiß geht es im

August weiter, dem letzten Monat vor der Bundestagswahl. Groß ist der Schrecken, als Angela Merkel überraschend erklärt, nicht mehr zu kandidieren und sich statt dessen für Nam-POW zu bewerben. Eine Online-Untersuchung ihres Privatrechners schlägt erst einmal fehl, weil sie ihren DSL-Anschluss bei der Telekom gebucht hat; nach einigen hundert Anrufen Wolfang Schäubles beim zuständigen Call Center von T-Online deckt man schließlich die Hintergründe auf: Sie hat sich mit dem Kauf eines Q13 derart verschuldet, dass ihr Kanzlergehalt nicht einmal mehr für den LKW-Führerschein reicht. Michael Glos' Vorschlag, diesen mit Hartz VIII zu finanzieren, wird im Bundesrat von Guido Westerwelle gekippt.
Als Kanzlerkandidaten finden sich auf die Schnelle nur noch Guido Westerwelle, Oskar Lafontaine und Edmund Stoiber. Die SPD räumt zerknirscht ein, auf Grund interner Streitereien den Termin völlig übersehen zu haben und tritt daher im

September gar nicht erst an. Das hätte auch nicht viel gebracht, denn fast unbemerkt ist der DAX unter null Punkte gesunken. Die Noch-Regierung verabschiedet mit Unterstützung Guido Westerwelles ein an Hartz XII gekoppeltes Konjunkturpaket, das vorsieht, jeden Aktionär in Höhe seiner nun negativen Anteile persönlich in Haftung zu nehmen. Weil aber Wahl ist, federt man den Schritt mit dem Konjunkturpaket XXI ab: Jede Familie erhält pro Kind 23 Cent, und Q13 werden bis auf weiteres von der Steuer befreit.
Die Linke gewinnt trotzdem die Wahl und so wird im

Oktober Oskar Lafontaines Lebenstraum wahr und er Kanzler. Eine kurze Unterbrechung der Aufmerksamkeit muss er hinnehmen, als Wolfgang Schäuble am Berliner Flughafen für einen Taliban gehalten wird - er kann nicht auf einem Bein stehen und führt obendrein eine Zahnpastatube über 100 Milliliter Fassungsvermögen mit. Die Beamten halten ihn mit konfiszierten Nagelfeilen in Schach, bis Verstärkung von der Münchener Verkehrspolizei auf Fahrrädern eintrifft.
Lafontaine bildet derweil sein Kabinett und kündigt ein Konjunkturpaket an. Leider kommt ihm schon im

November das zum Regieren nötige Land abhanden. Michael Glos, wegen der faktischen Wirkungslosigkeit seines Ministeriums bei der Kabinettsneubildung übersehen und daher immer noch im Amt, hat Deutschland staatsstreichartig an eine Investorengruppe aus Josef Ackermann, Peter Löscher und Maria-Elisabeth Schaeffler verkauft. Sie teilen das Land unter sich auf, müssen jedoch im

Dezember feststellen, dass sie es wegen kleinlicher Zollbestimmungen nicht mit nach Hause in die Schweiz, nach Österreich beziehungsweise nach Mittelfranken nehmen können. Daher reichen sie es zum symbolischen Preis von einem Euro an Edmund Stoiber weiter - noch ein Lebenstraum wird wahr. Der jedoch muss schnell feststellen, dass der DAX mittlerweile bei minus 1.000 Punkten liegt und ohne Steuereinnahmen selbst er nicht so recht regieren kann; also tritt er wieder zurück und wandert nach Mittelfranken aus. Das ist zwar ein unbestreitbar erfreuliches Ereignis dieses Jahres, aber reicht das?

Eben.
Zeit, dass es endlich 2010 wird.

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