Zumindest verkündet das heute die Bild-Zeitung auf der Titelseite. Nicht nur die Aufmachung erinnert stark an 'Wir sind Weltmeister', 'Wir sind völlig am Ende' oder 'Wir sind blöd' - was immer wir eben nach Meinung der Redaktion gerade sind, das wechselt ja eher zügig.

Man fragt sich unwillkürlich: Warum wir? Und warum jubeln? Weil die Nationalelf nix mehr kann, die Wirtschaft am Ende ist und Schumi nicht mehr vorneweg fährt, müssen wir jetzt als Trost damit Vorlieb nehmen, dass wir es wenigstens zum Papst gebracht haben? Weia!
Mal abgesehen von der wie immer messerscharf intellektuellen Interpretation der Big Brother-Hausmitteilungen à la Springer - ob sich der gute Bene als einer erweist, mit dem wir alle in einen deutsch-katholischen Topf geworfen werden wollen, muss sich erst noch zeigen. Denkbar wäre etwa, dass sich der bzw. die eine oder andere Homosexuelle vielleicht nicht ganz wohl fühlt, so in einem Atemzug mit dem gewesenen Joseph Ratzinger. Als der nämlich noch für Johannes Paul II. über die Einhaltung der wahren Lehre wachte, hat er sich manchen Bolzen geleistet, den sich nicht einmal der Bruder im Geiste Edmund Stoiber erlauben kann: Homosexuellen zum Beispiel, so erklärte er im November 2004 der italienischen"La Republica", müsse man großen Respekt entgegenbringen, schließlich seien das Menschen, die leiden würden und nach einer richtigen Lebensweise suchten. Eine gesetzliche Institutionalisierung ihrer Beziehung lehnte er allerdings ab, denn diese "hilft diesen Personen nicht" - fürsorglich ist er ja, da gibt's nix.
Überhaupt scheint er sich mit allen Aspekten der Sexualität erstaunlich gut auszukennen für einen, der, zumindest theoretisch, nie selbst etwas damit zu tun hatte - vermutlich kommt er zu seinen Erkenntnissen durch eine Art geistiger unbefleckter Empfängnis, wie die Jungfrau zum Kinde, gewissermaßen. Bei der Einstufung von Schwulen zitiert er ganz modern die eine oder andere populär-psychologische Binsenweisheit, mit Theorien über die psychischen Auswirkungen zelibatärer Priesterschaft dagegen hat er's nicht so. Homosexuelle Praktiken jedenfalls, da war sich die katholische Kongregration unter Ratzingers Leitung immer sicher, gehören zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstießen. Dem Umfeld dieser Sünder empfahl er dennoch in christlich-verzeihender Nächstenliebe, ihnen doch bitte "mit Achtung, Mitleid und Takt" zu begegnen. "Der Spiegel" brachte es damals auf den Punkt: "Wie bei Aussätzigen."
Tja. Und wie sieht er das sonst so mit den Menschen, dem Leben und dem ganzen irdischen Stress? Ganz einfach: mit einer unbefangenen Klarheit, die so jeden CSU-Abgeordneten erröten lassen würde. Ebenfalls im erwähnten Interview mit der "Republica" erklärte er ein gewisses Unbehagen gegenüber der sich ausbreitenden Selbstbestimmung der Menschen, denn: "An sich kann [!] die Möglichkeit zur Selbstbestimmung eine gute Sache sein. [...] Doch das Problem ist, dass Religion und Moral heute nur noch in einem Reservat der Privatsphäre ein letztes Heimatrecht gewährt wird. [...]" Ja sauber, sag' ich! Das ist in der Tat problematisch; laufen die Menschen doch einfach selbstbestimmt hierhin und dorthin, ohne sich von jemandem, der sich auskennt (zum Beispiel in der Sexualität), die Richtung vorgeben zu lassen, eine echte Schande, das. Amen!



