(Terry Zwigoff, USA 2003, 93/100 Minuten) Wer im Lande eines George Bush willkürlich das Bild vom heilen amerikanischen Traum mit der Realität beschmiert, braucht dazu in erster Linie einigen Mumm. Schon viele kritische Geister, allen voran Michael Moore, mussten das erfahren.

Leichter tut sich da eine Komödie, die unter dem Deckmantel der Belanglosigkeit aus dem Underground eine böse Breitseite gegen den Zeitgeist schießt - und zwar so gelungen, dass der Erfolg eigentlich gar nicht ausbleiben darf. Schön, dass aus Hollywood in diesem Genre noch anderes kommt, als unerträglicher Klamauk à la American Pie. Regisseur Terry Zwigoff, nicht nur hierzulande ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, lässt hoffen, dass da noch einiges auf die Moralhüter Amerikas zukommt - und auf den Zuschauer.
Weniger unbeschrieben als Zwigoff ist für Filminteressierte der Hauptdarsteller. Billy Bob Thornton musste sich bis zu seinem immer noch mageren Bekanntheitsgrad durch über 50 Filme ackern, darunter übelste Videotheken-Schrottschubladen-Trash-Knüller wie Chopper Chicks in Zombietown(!). Im Jahr 2001 jedoch machte er in einem Film der Independent-Wunderbrüder Coen als "Mann, der nicht da war" (The Barber) auf sich aufmerksam, der ganz mühelos vorführte, wie man heute einen Film Noir dreht, der echter ist als die echten. In beziehungsweise als "Bad Santa" gibt er einen versoffenen, heruntergekommenen Safeknacker, der sich jedes Jahr im Advent gemeinsam mit einem schwarzen Zwerg (Tony Cox) als Kaufhaus-Weihnachtsmann mitsamt Elfen-Helfer verdingt. Suff und Frust machen das zu einer heiklen Angelegenheit: Durch die Dekoration taumeln, unkontrollierter Harnfluss, dazu kommt die unheilvolle Leidenschaft für schwergewichtige Kundinnen... Kinder mag Santa schon gar nicht, genauso wenig wie pingelige Filialleiter. Ist nach dieser Tortur endlich Heilig Abend, lässt sich der Elf einschließen, öffnet dann die Hintertür, Santa macht in aller Ruhe den prallvollen Safe auf, Prost und frohes Fest bis zum nächsten Jahr!
Das muss natürlich irgendwann einmal schiefgehen - zum Beispiel durch den leicht zurückgebliebenen, pummeligen Jungen (Brett Kelly), den Santa immer nur "The Kid" nennt. Dessen Glaube an den Weihnachtsmann ist durch rein gar nichts zu erschüttern, selbst als der vermeintliche Weihnachtsmann schließlich auf der Flucht vor neugierigen Polizisten in seinem Vorstadtheim landet, sich dort gemütlich einrichtet, es mit der neuen Freundin ("I got this sex-thing about Santa...") auf dem Teppich treibt und ständig die Hausbar plündert. Was daraus schließlich wird, kann man vorab beim besten Willen nicht verraten; dass Bad Santa gut neunzig Minuten Heidenspaß bietet und dabei das ganze verlogene Weihnachtsgeschäft auseinandernimmt, muss reichen. Unter dem Titel "Badder Santa" ist übrigens in den USA eine ungeschnittene DVD-Fassung auf dem Markt, die mit sieben zusätzlichen Minuten die Geschmacklosigkeiten vermutlich in ungeahnte Höhen treibt...



