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Coffee and Cigarettes

(Jim Jarmusch, USA 2003, s/w, 95 Minuten) 26 Darsteller, ungezählte Zigaretten, literweise Kaffee, elf Stories, 17 Jahre Drehzeit - ein Film. Jim Jarmusch, zum Kummer der Filmindustrie independent wie eh und je, liefert die vermutlich letzte Fassung eines Films, der 1986 mit einer achtminütigen Aufnahme begann.

Roberto Benigni, damals außer in Italien ein unbeschriebenes Blatt, und Steven Wright trafen sich aus unklaren Gründen in einem Café, redeten aneinander vorbei mehr oder minder wirres Zeug und verstanden sich nur in einem Punkt zweifelsfrei: Kaffee und Zigaretten machen das Leben lebenswert. Das ist als Axiom an sich schon erwähnens- und lobenswert, Jarmusch aber verstand es mit der ihm eigenen Gelassenheit, über die Jahre eine Reihe ebenso cooler Typen vor die Kamera zu bekommen, die ihrerseits über Kaffee, Zigaretten, und weiß der Geier was noch philosophierten. Das Leben eben, wie fast immer verfilmt in schwarz-weiß, mit sparsamen Kameraeinstellungen, ohne große Trickserei oder Post-Produktion und abschließend versehen mit einem kategorischen Synchronisierverbot.

Wie in vielen Jarmusch-Streifen weiß man auch in "Coffee and Cigarettes" selten so recht, wo die Handlung, wenn man es denn so nennen will, auf einem genauen Plan - Drehbuch nennt man das bei anderen Regisseuren wohl - beruht, und wo sie sich aus der Situation und den Darstellern entwickelt. Dass es kaum Perspektivenwechsel oder Kamerafahrten gibt, verstärkt den Eindruck, es handle sich um eine durchgehende Aufnahme. In diesem Fall kommt hinzu, dass die meisten der Figuren einfach sie selbst sind, so dass man eigentlich in den wenigsten Fällen von "spielen" sprechen kann. Das ist auch kaum nötig, für so ein spezielles Thema sind sie im wahren Leben besser geeignet als jeder noch so originelle virtuelle Charakter, und obendrein fast alle so alte Bekannte von Jarmusch, dass er sie mit sicherer Hand eben darum ausgesucht haben muss: Iggy Pop ("Dead Man") lässt sich von Tom Waits ("Down By Law") grob kommen, verbunden nur durch die gemeinsame Kippe, mit der sie ihr Leben als Nichtraucher feiern; Benigni ("Down By Law") zittert unter einer Überdosis Espresso mit Wright ("Schweinchen Babe in der großen Stadt") um die Wette; Spike Lees Geschwister Joie und Cinqué müssen sich von Kellner Steve Buscemi ("Dead Man", "Fargo", "Big Fish") eine wirre Geschichte von Elvis' Doppelgänger anhören; Jack und Meg White, ebenfalls Geschwister und Kern der Mega-Hype-Kultband "The White Stripes" tauschen in ein paar Minuten um einen Tesla-Generator die Rollen; Cate Blanchett demonstriert als sie selbst und ihre Cousine Shelly, dass ein reicher Star und eine desillusionierte Proleten-Verwandte gleichermaßen klein und verloren sind... und so weiter. Jeder wird wohl aus die eine oder andere Episode zu seinem persönlichen Liebling küren, und bei dieser Auswahl hat vermutlich jeder irgendwie Recht.

Als Favoriten dürfen allerdings zwei Leckerbissen gelten, die selbst aus dieser illustren Gesellschaft herausragen. Da ist einmal Bill Murray, als ewiger Spaßmacher ("Ghost Busters") festgelegt und erst kürzlich mit "Lost In Translation" diesem Fegefeuer so überraschend wie überzeugend entwischt. Er bedient inkognito, man weiß nicht warum, in einem Café, und wird unausweichlich trotzdem erkannt. In diesem Fall von den beiden Star-Hip-Hoppern RZA und G (Genius) ZA, den Köpfen der Band Wu Tang Clan, die unter anderem für Jarmusch' "Ghost Dog" und Tarantinos "Kill Bill" die Musik schrieb. Was für ein Gespräch sich zwischen ihnen entwickelt, gehört vom ersten "Yo!" bis zum Küchenreiniger-Gurgeln Murrays ohne Umwege in den Film-Olymp. Dann sind da noch, ganz zum Schluss, William (Bill) Rice und Taylor Mead, zwei alte Männer, die ihre Blüte in B-Movies der 60er Jahre hatten. Sie sitzen zwischen Licht und Schatten bei ihrer Pause in einem Abstellraum, lauschen Spährenklängen, erklären Kaffee im Pappbecher zu Champagner, schwelgen in einer verklärten Vergangenheit und warten, so der Eindruck, ohne viel Getue und mit beneidenswerter Ruhe auf den Tod.

Über "Coffee and Cigarettes" kann man eigentlich nur eine von zwei entgegengesetzten Meinungen haben. Langatmiges, zielloses Geschwafel, das sich als aufgesetzte Pseudo-Philosophie andient - oder aber genialer Blick auf die Condition Humaine, gesehen durch Zigarettendunst aus der Perspektive eines Café-Tisches. Für Raucher und Kaffeetrinker liegt die Entscheidung auf der Hand: Ein Meisterwerk.

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