(Eric Valette, F 2011, 102 Minuten) Noch einer aus der Liga von "L'immortel". Frankreichs Alleskönner Albert Dupontel spielt einen eingebuchteten Bankräuber, der unwissentlich Frau, Kind und Beute einem pädophilen Psycho auf dem Silbertablett präsentiert. Als er's merkt, bleibt natürlich nur ein Ausweg: Bei der ersten Gelegenheit raus aus dem Knast und hinterher. Leichter gesagt als getan, zumal ihm erst noch ein Haufen russischer Mithäftlinge und ein fieser Wärter an den Kragen wollen.

Okay, zugegeben, der Film zehrt wie so viele seines Genres vor allem vom Aufbau. Rund eine Stunde sehen wir in grellem Licht und geblässten Farben, wie ein ungewohnter Dupontel sich stoisch durch allen möglichen Ärger arbeitet - schließlich weiß er, dass am Ende die Freiheit, die Familie und die versteckte Beute warten. Was er nicht weiß (aber wir) ist, dass ihm das alles in letzter Minute von seinem unschuldig geglaubten Zellennachbarn vor der Nase weggezogen wird.
Okay, zugegeben, was danach folgt, ist plot-mäßig mit wenigen Ausnahmen kaum atemberaubend überraschend. Aber dafür umso origineller umgesetzt, gewohnte Kost auf neuem Teller gewissermaßen. Wie's der Zufall will, bietet sich bei einer der wiederholten Attacken der Widersacher im Knast eine Fluchtmöglichkeit. Die darauffolgende Flucht ist so richtig rasant - und kommt im wesentlichen ohne motorisierte Verfolgungsjagd aus. Die Frau ist so richtig attraktiv, bleibt's aber eher kurz. Der Psycho ist so richtig übel, weil er eigentlich ein völlig spießiger Biedermann ist.
Viel mehr kann man bei einer derart konventionellen Story nicht verraten, ohne alles vorwegzunehmen. Die Verfolgung zieht sich, wie's sein muss, zügig durchs halbe Land, bis sich alle Parteien zum Showdown in einer abgelegenen Gegend mit allen obligatorischen Zutaten finden: Dunkelheit, unwegsames Gelände, ein unerwarteter vierter Mitspieler und sogar, das ist fast schon etwas dreist, eine scharfe Felskante mit gähnender Leere drunter.
Okay, zugegeben, der Film schafft's mit dieser ungenierten Bedienung bei den Genre-Konventionen vermutlich nicht in die Ruhmeshalle, aber: Knapp zwei Stunden spannende Unterhaltung sichern solides Handwerk und wohltuend souveräne Darsteller allemal. Wenn man also die Wahl hat zwischen "La Proie" und, sagen wir mal, einem künstlich gehypten Hollywood-Gähner wie "Inception", sollte man auf keinen Fall zögern.



