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Service-Überschwemmungsgebiet Deutschland

Es geht nicht mehr anders. Bevor die Miesmacher und Schwarzseher den Standort Deutschland mit ihrer Unkerei von wegen 'Servicewüste' noch kaputtreden, muss jemand das Wort ergreifen und die Wahrheit verkünden: Wir haben nicht zu wenig Service.

Diese hartnäckig sich haltende Behauptung entbehrt längst jeder Grundlage. Roland Berger, McKinsey & Co. sei Dank haben wir vielmehr längst jede Menge Service. Um genau zu sein, haben wir derart viel Service, dass er uns allmählich über den Kopf schwappt. Volkstümlicher formuliert: Der ganze Service steht uns längst bis hier. Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr. Und, wen wundert's, meine rosa Nemesis Deutsche Telekom ist auch wieder dabei.

Mitte August wusste mein VW-Bus, obwohl noch nicht ganz 16 Jahre alt, mitten in der ungarischen Puszta nichts besseres, als sein Schaltgestänge den Dienst quittieren zu lassen. Freitags. Bei 39° im Schatten. Dank meiner Bastlerfähigkeiten konnte ich ihn dazu bringen, noch bis in die nächste Stadt zu rollen. Dort angekommen griff ich mich mit dem befriedigenden Gefühl zum Handy, nach 18 Jahren ADAC-Mitgliedschaft endlich einmal etwas für meinen Beitrag zu sehen.

Leider erwies sich das als Fehlannahme. Eine Dame in München erklärte mir, ich sei kein Plus-Mitglied und habe daher keinen Anspruch auf Unterstützung im Ausland. Das ist doch nun nicht eben zuviel Service, finden Sie? Stimmt bis hierher, aber: Sie fragte mich gleich, ob ich denn nun Plus-Mitglied werden wolle, damit mir sowas nicht nochmal passiert. Leider würde die Umstellung erst im kommenden Monat wirksam, und damit war mir nicht recht geholfen. Also lehnte ich ab. Habe ich erwähnt, dass ich ein 19 Monate altes Kind im Auto hatte? Bei 39° im Schatten? Wo da der Service bleibt, wollen Sie wissen? Geduld.

Wieder zu Hause erhielt ich wenig später einen Brief vom ADAC, in dem er mich als neues Plus-Mitglied begrüßte, mitsamt goldener Plus-Mitgliedskarte, wirksam ab Mitternacht des auf meine Panne folgenden Tages. Für nur schlappe 49 Euro mehr im Jahr, schon abgebucht. Da ist man fix. Ich rief den Mitglieder-Service an, der mir für 18 Cent pro Minute erklärte, man hätte halt gedacht.. na ja... also wolle ich wirklich nicht...? Dann solle ich doch bitte die Karte mit einem kurzen Schreiben zurückschicken.

Das tat ich. Und da nunmal schon Brief und Porto fällig waren, um etwas loszuwerden, das ich nie gewollt hatte, machte ich gleich ganze Sache und kündigte meine Mitgliedschaft. Wieder einige Tage später erhielt ich einen ausführlichen Entschuldigungsbrief mit dem Hinweis, die Plus-Mitgliedschaft sei rückgängig gemacht und: "Ihre Mitgliedschaft besteht damit unverändert fort." Das ist Service! Der Verfasser, Herr Uwe B., hatte sich unaufgefordert meinen Kopf zerbrochen und beschlossen, ich würde doch gewiss nicht wirklich den ADAC verlassen wollen.

Als ich ihn anrief, formulierte er das allerdings etwas anders. Er habe das "wohl irgendwie versemmelt", und ja, das habe wohl unzweideutig fettgedruckt im Betreff gestanden und sei im Text wiederholt worden, aber je nun... Ich wolle also wirklich...?
Yep. Ich wollte.

Ein zweites Service-Lehrstück lieferte kurz darauf, wie sollte es anders sein, die Deutsche Telekom. Die nämlich, beziehungsweise einer ihrer Sub-Sub-Sub-Kontraktoren im Vertrieb, rief mich an und verkündete frohgemut, ich könne meinen Tarif ohne Preisänderung auf ein schnelleres DSL und die Festnetz-Flat ins gesamte deutsche Festnetz upgraden, wenn ich dafür eine verlängerte Vertragsbindung hinnähme. Gesagt, getan, da kann ja wohl selbst die Telekom nicht viel Schaden anrichten - das jedenfalls dachte ich trotz früherer Erfahrungen. Weit gefehlt.

Wenige Tage später erhielt ich eine Auftragsbestätigung, die mir unter anderem den Besuch eines Service-Technikers avisierte. Ein Anruf beim Kunden-Service ergab schnell, das sei nur ein kleiner Irrtum, das brauche es natürlich nicht. Am folgenden Tag erhielt ich eine weitere Auftragsbestätigung, mit anderer Nummer und einem anderen Termin für den Techniker; tags darauf wieder eine mit anderer Nummer, aber ohne Datum für den Besuch. Es folgten drei Anrufe bei der Telekom, bei denen ich zwar nichts herausbekam, dafür jedoch erfuhr, die Sub-Vertreiber seien halt manchmal arg schlecht ausgebildet. Ich nehme an, die Telekom erwartet als kleinen Service meinerseits, dass ich die Folgen dieses Umstands übernehme.

Außerdem erfuhr ich von einer freundlichen Computerstimme, ich könne den Status meines Auftrags stets aktuell auch im Internet unter Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.t-home.de/auftragsstatus abrufen. Netter Versuch, leider war dieser Dienst "derzeit nicht verfügbar", als ich es tatsächlich versuchte. Genauso wie einen Tag später. Und noch einen. Und noch einen. Und heute wieder.

Nach zwei Tagen Ruhe erhielt ich eine vierte Auftragsbestätigung, dieses Mal ohne Techniker-Besuch, dafür mit - Überraschung! - einer Preisangabe für die künftige Leistung, die fünf Euro über der in den anderen Bestätigungen liegt. Tags darauf klingelte um 7 Uhr 30 nicht etwa das Telefon, sondern ein Bote der Telekom, der mir einen neuen Splitter übergab. Das ist zwar an sich ein feiner Zug, was ich allerdings damit anfangen soll wird wohl auf ewig das Geheimnis der Telekom bleiben. Für meinen Tarifwechsel jedenfalls ist er etwa so erforderlich wie eine neue Badewanne.

Grinsen Sie schon? Das beste kommt erst, und nein, all das denke ich mir nicht aus: Exakt einen Tag später, als ich noch darüber grübelte, ob ich aufgeben oder weiter gegen die Telekommunikations-Hydra kämpfen sollte, klingelte das Telefon. Dran war ein Sub-Sub-Sub-Kontraktor der Telekom. Das kann kein Zufall sein, dachte ich mit feuchten Händen, jetzt kommt die Erlösung. Wieder daneben. Der nette Service-Mitarbeiter wollte nur wissen, wie ich als langjähriger Kunde mit dem Service der Telekom zufrieden sei. Offensichtlich greift auf diese Weise die Anstrengung René Obermanns, seinen maroden Ladens zu verbessern.

Man kann sich das Ende vorstellen. Einen rund zweiminütigen Monolog, in dem ich mich mühsam beherrschte um nicht loszukreischen, schloss ich mit der Frage, ob der Wissendurst der Telekom damit gestillt sei.
Er war.

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