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Ganz schön fundamental

Am 25. Mai fährt nicht nur Christus in allen christlichen Ländern (oder auch den anderen?) gen Himmel, sondern auch wir (Deutschen) in unserer Inkarnation des Papstes durch Warschau. Das passt umso besser, als der erste Pole auf dem heiligen Stuhl eben der Papst war, den man posthum überraschend zum Popstar beförderte.

Auch für den Nachfolger handelt es sich also um eine Art Heimspiel, wenn er huldvoll winkend in seinem ureigenen SUV eine von 15.000 Sicherheitsleuten bewachte Strecke abfährt. Was allerdings eine Spur irritierend auf moderat oder - vade retro! - gar nicht religiöse Mitmenschen wirken kann, sind die flankierenden Maßnahmen der polnischen Behörden.

Die nämlich haben für diesen Tag nicht nur ein striktes Ausschankverbot für Alkohol in der ganzen Stadt erlassen, was angesichts ihrer gewöhnlich eher bekannt großzügigen Einstellung zu Alkohol im Allgemeinen und Wodka im Besonderen schon etwas befremdlich wirkt, nein, sie haben auch verfügt, dass entlang der Strecke des Papamobils keine Werbung für Unterwäsche sichtbar sein darf.

Da fragt man sich unwillkürlich, was genau sie eigentlich für gotteslästerliche Zwischenfälle befürchten, und wo bei derlei Überlegungen die immer wieder gern beschworene Öffnung der Kirche für die harte Lebensrealität ihrer Schäfchen bleibt. Zugegeben, wenn lallende Gestalten, womöglich von der Stimmung des Tages ergriffen von Erscheinungen und Visionen delirierend, dem Papst in den Weg torkeln, mag das für alle Beteiligten die Andacht etwas trüben. Auch, dass der gewesene Kardinal Ratzinger den Prostitutionskordon hinter der deutsch-polnischen Grenze lieber überfliegt, als ihn in einem Wagen zu durchqueren, der bis auf den Panzerglasaufbau verdächtig dem Geschmack vieler treuer Kunden der Nachfolgerinnen Maria Magdalenas entspricht, kann man nachvollziehen. Aber Werbung für Unterwäsche, mit der an den restlichen 364 Tagen des Jahres kein Mensch in der aufstrebenden Marktwirtschaft Osteuropas auch nur das geringste Problem hat?!?

Und daher, im Sinne eines offenen Austausches zwischen der spirituellen Welt und der, in der 99,9 Prozent der Menschen 99,9 Prozent ihres Lebens verbringen, sollten wir uns einmal vorstellen, was passierte, wenn man in Warschau heute nicht das Auge des Papstes bis zur Absurdität vor der Wirklichkeit zu schützen versuchte.
Na? War doch gar nicht so schlimm?

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