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Das Leben des David Gale

(Alan Parker, USA/D 2003, 130 Minuten) Ein klassischer Catch 22, ein schönes Patt: das Totschlag- Argument (räusper) der Pro-Fraktion in der Diskussion um die Todesstrafe. Das System funktioniere doch - gerade durch die strenge Kontrolle der Kontras könne es niemals zu einer ungerechtfertigten Hinrichtung kommen.

Alan Parker, britischer Urheber genialer Filme wie "Angel Heart" oder "Birdy" nahm sich 2003 dieses Dilemmas an, unterstützt von Oscar-Preisträger, Clinton-Buddy und Charakterdarsteller Kevin Spacey.

Der Rahmen des Plots ist konventionell, aber auch sauber angelegt. Sympathieträger David Gale (Spacey) sitzt in einer texanischen Todeszelle, sämtliche rechtlichen Mittel sind ausgeschöpft, und der Gouverneur als einziger Mann, der noch eingreifen könnte, wird das ganz gewiss nicht tun - Philosophieprofessor und Human Rights-Aktivist Gale hat ihm in der Vergangenheit in Sachen Todesstrafe öfter mal öffentlich die Hosen ausgezogen. Vier Tage vor der Injektion wegen Vergewaltigung und Mord an seiner Freundin (Laura Linney, "Mystic River") erklärt sich Gale erstmals bereit, ein Interview zu geben - zu seinen Bedingungen und nur einer aufstrebenden Journalistin (Kate Winslet, "Titanic"), die für ihre Überzeugungen selbst schon mal eine Woche im Knast saß und natürlich in Erwartung einer spektakulären Story stante pede mitsamt einem coolen Praktikanten anreist. Schön gemacht also: tickende Uhr, Hauptperson mit Geheimnis in Gefahr, Identifikationsfigur mitsamt Sidekick als Indikator für eben dieses Geheimnis, das Ganze vor erzkonservativem Law and Order-Hintergrund einschließlich der beliebten bedrohlich-düsteren Accessoires einer feindseligen US-Provinz. Solides (Winslet & Co.) bis hervorragendes (Spacey wirkt zuweilen etwas unterfordert) Schauspielern und handwerklich einwandfreie Arbeit drumherum ergeben schon mit diesen Zutaten einen ordentlichen Film - lieber gut gemacht konventionell, als schlampig innovativ. Der eigentliche Knackpunkt jedoch liegt, mit mehr als einem Touch liberaler Political Correctness, im Thema.

Wir wissen natürlich, dass Spacey kein Vergewaltiger sein kann (es sei denn, wir erinnern uns an "Seven", und selbst das hat Parker vielleicht ins Kalkül gezogen), also raten wir nicht nur emsig mit, wie er bloß in diesen Schlamassel geraten konnte, sondern fiebern auch gehörig, ob die Umstände wohl rechtzeitig zur Rettung aufgedeckt werden. Genau so, wie es Parker will - also hat er uns auch eine schöne Spur gelegt, mit Rückblenden und allem, was sonst so dazu gehört: Die tote Freundin war nicht die Freundin, sondern eine, und zwar eine, mit der Gale gegen die Todesstrafe kämpfte, und lange zu leben hatte sie wegen einer Krankheit eh nicht mehr; außerdem gab's da noch einen weiteren Mitstreiter, der sie liebte, gegen Gale ausgesagt hat und nun um die Journalistin herumstreift; ein Unbekannter spielt ihr ein Video zu, das Ausschnitte des Mords zeigt... und so weiter, und so fort.

Spannende Unterhaltung!

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