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Das zweite Leben des Monsieur Manesquier

(Patrice Leconte, F 2002, 90 Minuten) Warum die Franzosen generationenübergreifend unbeirrt ihre nationale Presley-Version namens Johnny Hallyday anhimmeln, muss jedem anderem ein Rätsel bleiben; anfangs ein besserer Peter Kraus, wurde der Mann mit den stets leicht melancholischen eisblauen Augen ohne wesentliche Eigenleistung zur Ikone des gelebten Rock'n Roll.

Nach einer Reihe eher peinlicher Auftritte als Schauspieler in TV-Serien und drittklassigem Science Fiction-Müll verblüffte allerdings er 2002 mit einer preisgekrönten Leistung vor der Kamera - und die hat's, kaum schlappe drei Jahre später, nun auch in die deutschen Kinos geschafft.

In einem beliebigen Provinzkaff steigt ein Unbekannter namens Milan (Hallyday) auf der Durchreise aus dem Zug - nicht, wie der Zuschauer erkennt, weil er das eigentlich wollte, sondern weil ihm die Kopfschmerztabletten ausgegangen sind und der Schädel dröhnt. Vor der Apotheke, in der er seinen Vorrat auffüllt, spricht ihn der einheimische Monsieur Manesquier (Jean Rochefort) an, Französischlehrer in Pension, redselig, im Städtchen jedermann bestens bekannt, Besitzer einer mit verstaubtem alten Trödel vollgestopften, heruntergekommenen Villa. Mangels eines geöffneten Hotels landet der Fremde - schweigsam, abgeklärt cool, bewaffnet und mit ungewissen Plänen - bei ihm.

In den nächsten Tagen entwickelt sich so etwas wie eine Beziehung zwischen den beiden, in der sie feststellen, dass jeder vom absolut andersartigen Leben des anderen angezogen wird: Milan altert und käme gern endlich einmal in eine beschauliche Phase seines Lebens, Manesquier fühlt sich schon seit Jahrzehnten alt und befürchtet, jede Chance von Ausbruch aus dem Mittelmaß längst unwiderruflich verpasst zu haben. Und: auf jeden der beiden kommt, undramatisch aber unausweichlich, ein ebenso wichtiges wie typisches Ereignis zu, das alles ändern könnte.

Wie Leconte seine beiden Protagonisten in Szene setzt, wirkt durch und durch glaubwürdig. Bereits ihre Auswahl ist dabei die halbe Miete: Rochefort wirkt seit jeher etwas angestaubt und allzu gemächlich, Hallyday als alterndem Rocker mit bewegter Vergangenheit ist der Milan auf den Leib geschrieben; der eine hat immer zwei Ersatz-Zahnbürsten im Haus und erprobt vor seinem Rokoko-Spiegel, wie er als harter Bursche aussehen würde, der andere verschließt drei Pistolen im Nachtisch und ist fasziniert von der völlig neuen Erfahrung, in gemütlichen Pantoffeln durchs Wohnzimmer zu schlurfen. Allein diese Szenen sind sehenswert, also Achtung: Vermutlich läuft "Das zweite Leben des Monsieur Manesquier" in Deutschland nur in ausgewählten Kinos, ohne viel Werbung und bestenfalls für ein, zwei Wochen.

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