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Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

(Stephen Norrington, USA 2003) Es gibt Filme, von denen erwartet man eigentlich von vorherein nichts Außergewöhnliches, sondern einfach nur einen Abend mit guter Unterhaltung. "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" ist so einer: Man sieht den Trailer irgendwo, denkt "ach, noch so eine rasante Comic-Verfilmung, bestimmt ganz spaßig", und findet sich dann irgendwann später in der Vorstellung wieder. Leider.

Denn was mit Spiderman oder Der Krähe ganz hervorragend geklappt hat, geht hier in die Hose. Die ohnehin gedämpften Erwartungen schraubt man nach einer Weile schulterzuckend herunter, um sich dann die letzten zwanzig Minuten allmählich zu ärgern, dass man für das Eintrittsgeld nicht lieber paar nette Videos und eine Tüte Chips geholt hat.

Regisseur Stephen Norrington hat sich bisher vor allem mit Special Effects beschäftigt, und das sieht man zwar einerseits am Schwerpunkt der Arbeit, andererseits aber nicht an der Umsetzung. Man sollte meinen, wenn denn die Handlung schon nur als Vehikel für Computeranimationen dient, müssten die wenigstens annähernd perfekt sein - sind sie aber nicht. Produzent Don Murphy hat zuletzt mit From Hell gezeigt, dass er beim Verfilmen von Alan Moore-Comics durchaus ein glückliches Händchen haben kann, hier aber verbrennt er sich ordentlich die Finger. Sean Connery, Entschuldigung, Sir Sean, außer der Hauptrolle ebenfalls als Produzent involviert, hat's offenbar einfach nicht mehr nötig, mehr zu bieten als die hochgezogene Braue, aber hey, wenn man in dem Alter für ein paar 0815-Auftritte noch immer als Sexiest Man Alive gewählt wird, warum sich anstrengen?

Und der Rest? Hat entweder noch nie überzeugt, oder lässt hier deutlich nach: Peta Wilson etwa war schon als "La femme Nikita" kaum mehr als ein, Verzeihung, erbärmlicher Abklatsch der Originalbesetzung Anne Parillaud; Jason Flemyng (Dr. Jekyll) hat schon besseres geboten, von der Nebenrolle in From Hell bis zum überzeugenden Gauner in Bube, Dame, König, Gras, aber ist hier derart blass, dass man sich, wenn überhaupt, lieber an sein (animiertes) Alter Ego Mr. Hyde errinnern wird; Stuart Townsend (Dorian Grey) würde unübersehbar gern einen Touch von Jonny Depp haben, kommt jedoch über eine leicht blasierte Eleganz nicht hinaus; Tony Curran (Skinner) hat als Unsichtbarer eine noch undankbarere Rolle denn als Bösewicht in Blade II, bemüht sich dennoch nach Leibeskräften, und kommt letztlich weder gegen die fade Rolle, noch gegen die idiotische Story an. A propos Story, vergessen wir am besten gleich den Rest der müden Darstellerriege und wenden uns ihr zu.

Sie ist hanebüchen bis zur Grenze des Unerträglichen, wie das eben häufig so ist bei Comics. Das macht an sich nun wirklich nichts aus, Filme von Batman über Blade bis hin zu beiden besonders gelungenen Teilen von X-Men demonstrieren das nachdrücklich. Nur: Der Geist der Vorlage muss erhalten bleiben, und die beruht für gewöhnlich auf fantastischen Ideen mit haarsträubend konstruierten Rahmenbedingungen - die jedoch werden dann mit liebevoller Konsequenz durchgezogen. Nicht so die Gentlemen, sie quälen sich durch eine Handlung, die nach knapp 15 Minuten die ersten Löcher bekommt, zunehmend einem schweizer Käse ähnelt und schließlich nach einer Stunde vollends auseinander fällt. Da hilft auch die Häufung illustrer Figuren der Literatur um die Jahrhunderwende wenig, keine von ihnen erhält die Chance, irgendeine ihrer berühmten Besonderheiten zu entwickeln. Das Maß übervoll macht dann ein blasser Leonardo DiCaprio-Verschnitt, der sich dem Zuschauer als erwachsen gewordener Tom Sawyer andient - au weia!

Fazit: Der relative Misserfolg an den Kassen war unverdient. Von Rechts wegen hätte es noch viel schlimmer kommen müssen.
Tipp: Keinesfalls auf Video oder DVD ausleihen, es reicht nicht einmal für einen netten Abend auf dem Sofa!
An die Produzenten: Wenn ihr einen Abenteuerfilm alter Schule auf der Höhe des dritten Jahrtausends machen wollt, seht euch das nächstemal vorher Fluch der Karibik an - so macht man das!

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