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Die sprechende Maske

(Tony Hillerman, Rowohlt 2001) Gewiss keine große Literatur, aber bemerkenswert: Tony Hillerman ist auf im Milieu der Indianer-Reservate in Arizona und New Mexico angesiedelte Krimis spezialisiert.

Das bietet nicht nur eine ungewohnte Umgebung, sondern auch Gelegenheit für originelle Details und Wendungen in den Storys um zwei Polizisten der Navajo Tribal Police, die nach amerikanischem Gesetz in den Reservaten das Sagen hat. Und wer Bücher ohne höheren sittlich-geistigen Mehrwert denn partout nicht aushält, kann die Lektüre mit dem Hinweis auf sorgfältig recherchierte sozio-anthropologische Informationen legitimieren.

"Die sprechende Maske" dreht sich anfänglich, wie die meisten der mittlerweile über zwanzig Hillermans Navajo-Krimis, um einen Toten im Reservat. Seine Identität ist nicht feststellbar, fest steht jedoch, dass er nicht aus der Gegend stammt - ein Haufen offener Fragen für Lieutenant Joe Leaphorn. Scheinbar ohne Zusammenhang zu diesem Ereignis und ohne dass beide voneinander wissen, nimmt Officer (und Shamane) Jim Chee auf Grund eines Bundeshaftbefehls einen Möchtegern-Indianer aus Washington fest, der als Angestellter des renommierten Smithonian-Instituts seine Freizeit damit verbringt, einen publicity-trächtigen Feldzug für die Rückgabe von Kultgegenständen an die Indianer Süd- und Nordamerikas zu führen. Gegen Kaution auf freiem Fuß, engagiert dieser die wohl einzige aus dem Reservat stammende Anwältin im ganzen District Columbia für seine Verteidigung; diese wiederum ist eine frühere Freundin Chees und stößt bald auf einige seltsame Details in Zusammenhang mit ihrem Klienten.

Das klingt alles ein bisschen konstruiert, und ist es bei näherer Betrachtung wohl auch. Das allerdings tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch - Hillerman gelingt es, die Handlung so aufzubauen, dass die Folge der Ereignisse sich beim Lesen flüssig entwickelt und man auch etwas unwahrscheinlichere Wendungen ohne Stolpern hinnimmt. Ohne Hektik, aber auch ohne Längen, mit gerade der richtigen Dosis von Einblicken in die Kultur, Denkweise und heutige Situation der Navajo schickt er seine beiden Hauptpersonen in ein plausibel aufgebautes "Whodunnit"-Labyrinth.

Hillerman, selbst entgegen jeder sich schnell aufdrängenden Vermutung kein Indianer, beschäftigt sich unverkennbar seit Jahren intensiv mit "seinem" Milieu; dass er bei der behutsamen und - zum Glück für den Leser - weder gutmenschlerischen, noch schulmeisterhaften Auseinandersetzung mit den Indianern und ihrer Geschichte gerade den richtigen Ton trifft, bestätigen etliche Ehrungen einschlägiger Organisationen, darunter der Navajo Tribe's Special Friend Award und der National Media Award der American Anthropological Association; dass er außerdem eine fesselnde Krimihandlung zu inszenieren weiß, zahlreiche namhafte Genre-Auszeichnungen wie  der Grand Master Award der Mystery Writers of America und der französische Grand Prix de la Litérature Policière.

(Mehr zu Tony Hillerman und eine Übersicht seiner Bücher auf seiner Öffnet externen Link in neuem FensterWebsite.)

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