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Otherland

(Tad Williams, Klett-Cotta, I: Stadt der goldenen Schatten (1998), II: Fluss aus blauem Feuer (1999), III: Berg aus schwarzem Glas (2000), IV: Meer des silbernen Lichts (2002)) Science-fiction, pfui! Und dazu noch mit deutlichen Fantasy-Anleihen, pfui Teufel!!! Das ist so ein Beispiel: Tad Williams "Otherland"-Reihe wird nie Erwähnung im Feuilleton der, sagen wir mal, SZ oder gar der FAZ finden, so sicher wie das Amen in der Kirche, völlig ausgeschlossen.

Auch Marcel Reich-Ranicki wird vermutlich nie ein Wort über sie verlieren, allein schon, weil er nie von ihr erfahren wird, und das, obwohl - oder gerade weil? - sie einen beachtlichen kommerziellen Erfolg erzielt. All das sollte allerdings einen aufgeschlossenen Leser auf der Suche nach guter Unterhaltung wenig stören, schlimmstenfalls versteckt er das Buch, wenn intellektueller Besuch kommt.

Williams, eigentlich konventioneller Fantasy-Autor mit den entsprechenden Zauberwesen, mit Schwertern, Magie und überlebensgroßen Helden, bedient sich hier unübersehbar der Ideen des Cyberpunk-Urvaters William Gibson und schlägt so einen cleveren Haken: Man muss die seltsamen Fantasiegeschöpfe nicht akzeptieren, weil sie nur Teil der geschilderten virtuellen Welten sind. Letztere beruhen ihrerseits auf einer Zukunftsvision des real existierenden Cyberspace, die angesichts dessen tatsächlicher Entwicklung in den letzten Jahren problemlos vorstellbar ist.

Der Plot: Die Welt ist vernetzt, wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Grenzen haben per Verlagerung ins WWW ihre früher durch geografische Fakten definierte Bedeutung verloren. Eine Gruppe von Menschen, physisch verstreut über den ganzen Globus, gerät durch Zufall auf die Spur seltsamer Ereignisse im Web, die sich auch auf die "reale" Welt auszuwirken drohen. Dahinter steckt, immer ein gutes Rezept, eine Verschwörung reicher alter Männer, die durch gewissenlose Manipulation des virtuellen Universums ihrem drohenden physischen Ende ein Schnippchen schlagen wollen - koste es, was es wolle. Das klingt vielleicht eine Spur abgegriffen, gewinnt aber durch den ungewöhnlichen Rahmen genügend Raum für eine faszinierende Story, die auch den vierten Band noch spannend macht. Williams tobt, durch die Freiheit des Virtuellen ohne jedes störende Limit, seine Fantasie mit knallbunten, immer nochmal einen drauflegenden Welten und Wesen aus. Handwerklich tut er dies mit genügend Routine, um den Charakteren und ihrer Umgebung genügend Substanz zu verleihen.

Das ganze macht Spaß, bleibt kurzweilig und ist zudem technologisch ausreichend fundamentiert, um dem Leser neue Sichtweisen auf das Internet von Morgen zu eröffnen - eine willkommene Abwechslung zur literarisch "hochwertigen" Pflichtlektüre.

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