...dann hast du in der Not, hieß es mal. Seit der eigentlich seit Jahren abzusehende demografische Effekt Politik und Öffentlichkeit die Scheuklappen herunterzerrt und man allseits Überraschung vortäuscht, sieht das allerdings anders aus: Spare in der Zeit, und sieh' zu, wie du später klar kommst, oder vielleicht Spare in der Zeit und hoffe das Beste für die Not.

Ab dem ersten Januar tritt mit der Gesundheitsreform eine Regelung in Kraft, mit der die Bundesregierung an der Rückseite einer der Säulen der Altersversorgung sägt, an der sie vorn eifrig mauert - der Vorsorge in Form von Betriebsrenten. Die soll ja das wankende Rentensystem mittragen, neben gesetzlicher Rente aus der Pflichtversicherung und wie auch immer gearteter privater Vorsorge.
Weil aber bekanntlich das Gesundheitssystem ebenso marode ist wie das der Renten, hatte man im Sozialministerium einen Einfall, der vermutlich nur ohne Aufschrei durchging, weil in der allgemeinen Aufregung ohnehin niemand mehr so recht durchblickt, und sich die Themen schneller präsentieren, als Sabine Christiansen ihre Gästeliste verschicken kann. Der Aufschrei allerdings in diesem speziellen Fall könnte sich am ersten Januar schlagartig einstellen - wenn die ersten Betriebsrentenempfänger verblüfft feststellen, dass sie plötzlich deutlich mehr an ihre (gesetzliche) Krankenkasse abführen.
Das geht ganz einfach: Hat ein gesetzlich krankenversicherter Betriebsrentenempfänger bislang nur den Arbeitnehmeranteil aus seinen Bezügen an die Krankenkasse gezahlt, übernimmt er nun mit staatlich verordneter Großzügigkeit auch den des Arbeitgebers, zahlt also de facto ziemlich exakt das Doppelte. Ein Beispiel: Hugo R. hat 30 Jahre bei BMW geackert und erhält im wohlverdienten Ruhestand neben seiner gesetzlichen Rente 300 Euro von der Firma. Von diesen gingen bisher knapp 7 Prozent an die AOK, also rund 21 Euro. Ab dem ersten Januar berappt er nun grob 14 Prozent, also zirka 40 Euro. Damit wird nicht etwa auf irgendwelchen verschlungenen Pfaden BMW entlastet, sondern einfach die AOK besser gefüttert - bisher nämlich fiel der Arbeitgeberanteil an den Bezügen mit Erreichen des Ruhestands schlicht und ergreifend weg.
Na ja, könnte man sagen, was soll's, die paar Kröten... Wenn man nicht betroffen ist. Und: wenn man nicht ohnehin schon mit einer Nullrunde bei der gesetzlichen Rente gesegnet ist, dafür aber - ausgleichende Ungerechtigkeit - mehr für die Pflegeversicherung auf den Tisch legen soll.



