:: Blickwendung.de   :: Hagen Reimer 
  :: Visier    :: Leinwand    :: Plattenteller    :: Regal  
Druckansicht Link versenden
A.R.E. Weapons

(A.R.E. Weapons, Rough Trade/US, 2003) Es gibt Platten, für die ist "Repeat One"-Funktion erfunden worden. A.R.E. Weapons zum Beispiel. Zwei New Yorker, der eine so was wie ein Gitarrist, der andere kommt mit einem Synthesizer klar, und wenn dessen Klangrepertoire nicht reicht, heuert man halt einen Kumpel für Schlagzeug oder Keyboard.

Über das Ergebnis kann man streiten, aber das gehört ja bei so genannter Avantgarde zum Konzept. Ja schön, aber warum jetzt das mit der "Repeat"-Funktion? Weil auf A.R.E. Weapons mindestens ein Stück ist, das den Kauf der ganzen CD lohnt. Gar nicht so einfach übrigens, die gibt's nämlich weder beim Händler an der Ecke, noch bei Amazon oder womöglich bei diesen ekligen Download-Geiern.

Das wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern, denn der Gitarrist des letzten Albums hat schon 2004 das Zeitliche gesegnet, und zwar in vollendet coolem Stil: Überdosis H im eigenen Aufnahmestudio. Mit 29. Sowas ist eine goldene Eintrittskarte in den Rock'n'Roll Heaven, aber schlecht für den Erfolg, wenn man gerade erst angefangen hat. Da bleibt zum posthumen Ruhm nur noch die Aufnahme in eine Jeanswerbung, und dafür ist der Sound von A.R.E. Weapons wohl denn doch zu schräg: "Electroclash" nennen amerikanische Freaks das wohl mittlerweile, andere sprechen von 21st-Century-Disco-Punk (?!?), man könnte wohl auch "Post-Punk-Industrial" dazu sagen. Was auch immer. Fest steht, dass eine Klangmauer aus Synthiteppich und Donner-Ditarren dabei rum kommt, hinter der das meiste bisher dagewesene reichlich Platz zum Verstecken findet.

Das Album wurde bereits 2003 aufgenommen, schaffte es aber erst in die Läden, als der Nachfolger Free in the Streets Erfolg einzuspielen begann. Schade drum, denn, und jetzt kommen wir endlich zu der Repeat-Funktion, A.R.E. Weapons enthält gleich als erstes Stück Don't Be Scared, und das, Freunde und Nachbarn, setzt nicht nur Maßstäbe, sondern soviel Energie frei, dass man über steigende Strompreise nur lachen kann. Es hallt, es klingt, es donnert und stampft im Marschrhythmus, dazu brüllt "Sänger" Brian McPeck, schluchzt, wimmert und lacht er, dass es nur so eine Freude ist. Keine Ahnung, was für Drogen da im Spiel waren, aber egal, der Zweck heiligt die Mittel. Kein Ahnung auch, wer den Text geschrieben hat, aber derjenige muss zumindest zeitweise einen annähernd klaren Kopf gehabt haben. Details werden nicht verraten, nur eins sei gesagt - Take it from me: You doin' all right!

Mehr ist dazu nicht zu sagen. Ob ich mich mit dem Rest anfreunden kann, weiß ich immer noch nicht, aber Don't Be Scared allein lohnt jede Anstrengung, die Scheibe irgendwo aufzutreiben. Ach ja, wofür zum Geier steht denn nun das A.R.E.? Nomen ist Omen: Absolute Raw Energy.

Facebookgoogle.comVZMister WongTwitteraddthis.comdel.icio.usstumbleupon.com
zur Startseite