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Bananenschalen in Bunda Fazzo

In Bunda Fazzo kämpft die Regierung derzeit mit einem ganz lästigen Problem: Die Bananen sind knapp, reichen nur für rund 85 Prozent der Menschen. Die werden allmählich ernsthaft sauer, weshalb die Politik ein Programm eingeführt hat, mit dem sie das Problem lösen und ein bisschen besser dastehen will.

Dazu muss sie um etliche  Ecken denken, denn genug Bananen gibt's einfach nicht. Die Lösung ist so blöd wie doof: man behauptet einfach, es läge gar nicht an der Bananenmenge, sondern an den Nachfragern und den wirklich miserablen Verteilungsmethoden - was sonst. Damit ist die politische Führung zumindest vorerst aus dem Schneider, weil sie sämtliche Pleiten, Pech und Pannen auf diesen nicht auf die Schnelle widerlegbaren Umstand schieben und gekränkt darauf hinweisen kann, sie sei an der Lösung dran. Und wenn die Leute zweifeln, weil die Bananenregale nach wie vor gähnend leer sind, stellt sich der Häuptling von Bunda Fazzo vor seine Unterhäuptlinge (und ein paar Kameras), um ihnen eindringlich zu erklären, sie müssten ihre Anstrengungen den Menschen allmählich mal bisschen besser nahebringen, verflixt. Kann doch nicht so schwer sein, schließlich steht man doch gaaanz knapp vor einer deutlichen Verbesserung der Lage, oder?!? Na also.

Wenn's denn nur auch so wäre. Tatsache ist allerdings, dass Appelle an die Bananenpflanzer ebenso wenig fruchten wie Restrukturierungen des staatlichen Verteilungsapparats, munteres Austauschen von Nicht-Verantwortlichen in den mittleren Führungsebenen, Modernisierung und Umbenennung der Bananenläden, die Re-Restrukturierung der Verteilung, die Neuaustattung der Bananenläden mit einer hochmodernen ERP-Software und Plasmabildschirmen oder durchgestylte Image-Kampagnen, die den Leuten nahebringen, wie knapp man jetzt bald vor der Lösung steht, wirklich! So wenig, wie all dieses Gezappel Bananen unter die Leute bringt, so viel kostet es dummerweise, direkt proportional gewissermaßen: extern geheuerte Spezialisten, Steuersenkungen für die Bananenindustrie und die Re-Re-Restrukturierung der Verteilung wollen nunmal finanziert sein. Die Mittel sind aber ohnehin schon eher mager, weil die Leute ja keine Bananen kaufen (können), die die ganze Wirtschaft samt Staatsfinanzen am Laufen halten (würden). In ihrer Not verfällt die Regierung auf ein letztes desperates Mittel: Sie erhöht die Bananenpreise. Klingt absurd? Na ja... kommt drauf an, wie man es darstellt: Mit entschlossenem Blick erklärt die Führungsspitze, man erhöhe mit der Kohle die Effizienz der Bananenproduktion und vor allem der Verteilung; außerdem schaffe man so Anreize für die Leute, gefälligst selber mal den Hintern hochzukriegen und sich irgendwie um Bananen zu bemühen. Und die Interessenverbände der Bananenkonsumenten sollen bloß nicht so schaukeln, schließlich sind sie ja mit im Boot.

Gar nicht so unterschwellig dringt zunehmend die Unterstellung durch, viele Leute wollten im Grunde gar keine Bananen. Hm. Muss man jetzt nur noch irgendwie verkaufen, die Idee. Am besten mit einer schmucken Image-Kampagne. Und wenn sich die frechen Experten aus den Bananenforschungsinstituten hinstellen und düster prognostizieren, nächstes Jahr werde es auch nicht mehr Bananen geben, springt hurtig ein Politiker vor die Presse und erklärt, er persönlich glaube trotzdem, es werde schon mehr geben. Dafür hat er keine Sachargumente, aber was soll's, er glaubt jedenfalls ganz feste dran. Ehrlich.

Doch, zugegeben, klingt absurd. Total absurd sogar, um nicht zu sagen bescheuert. Sie haben's natürlich längst erraten, war zu billig, das Bild, gell? Bunda Fazzo heißt in Wirklichkeit Deutschland, die Bananen sind die Arbeitsplätze. Und darum ist auch das Bild so billig-durchschaubar: Genau diese Schmierenkomödie spielt sich zur Zeit ab. bleibt zu hoffen, dass trotz des Bananenmangels irgendwo eine Schale herkommt, auf der die Regierung festen Schrittes ausrutscht. So 2006 dürfte das vielleicht sein, und danach gibt's dann bald ohnehin nur noch Weißwurst. Kanzler Schröder glaubt daran aber genauso fest nicht, wie er an eine Erholung des Arbeitsmarktes glaubt, und mit gleichermaßen wenig Fakten als Hintergrund: "Wir werden kampfbereit in die zweite Hälfte der Legislaturperiode gehen, mit dem Ziel, die dritte zu gewinnen", so die markige Aussage bei der Kabinettsklausur auf Schloss Hardenberg. 31 Prozent der Wähler standen noch vor einem Jahr zum selben Anlass hinter der SPD, heuer noch knapp 25, der schlechteste Wert, den die ZDF-Politumfrage je ermittelt hat. Die Regierung arbeite ja, witzelt die "SZ" launisch, aber ihr Volk verstehe eben nicht ganz, woran. Nun sollen Langzeitarbeitslose - die haben's ja, das faule Pack - auch noch zum Jahreswechsel auf 2005 für einen Monat kein Geld erhalten. Und beim Übergang ins Arbeitslosengeld II  werden sie dann obendrein, sofern vorhanden, ihre Lebensversicherung los, die sie sich eingedenk der heftigen Appelle, gefälligst selbst fürs Alter vorzusorgen, angelegt haben. Wovon sie dann später mal leben sollen, überlässt man großzügig der Zukunft. Spätestens da kommt dann keine Bananenmetapher mehr mit, sowas glaubt man nicht einmal von einem Land wie Bunda Fazzo.

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