(Justin Sullivan, Attack Attack, 2003) Zwanzig Jahre Warten haben sich gelohnt: Justin Sullivan, Frontman, Kopf, Texter, Songwriter und seit "Eight" auch Produzent der Independent-Legende New Model Army legt sein erstes Soloalbum vor.

Der politisch engagierte Rebell aus dem sozialen Brennpunkt Bradford, der sich mit Magaret Thatcher anlegte, seit der US-kritischen Hymne "51st State" von amerikanischen Kulturbehörden nicht mehr auf US-Tour gelassen wird und auf keinem der ungezählten NMA-Konzerte versäumt, auf die eine oder andere Weise gegen die "little grey men" des Establishments zu Felde zu ziehen, dieser Justin Sullivan wird älter. Und das ist gut so.
Offensichtlich finden er und seine Begleiter den richtigen Weg, sich der Lächerlichkeit mancher das Altern hartnäckig ignorierender Stars zu entziehen. Der kontrolliert-wütende Rock wich schon auf den letzten NMA-Alben einer nicht weniger engagierten Betrachtung des Jahrhundertwechsels, die sich musikalisch in kanalisierter Energie niederschlägt - ohne ihren unverwechselbaren Sound zu verlieren. Und so ist auch auf dem Soloalbum der NMA-Einfluss unüberhörbar: Zwölf durchweg ruhige und meist akustische Tracks werden dominiert von Sullivans eindringlicher Stimme.
Als Musiker finden sich, wen wundert's, unter anderem Dean White und Michael Dean, mit denen Sullivan auch immer wieder auf den kleinen, aber feinen "... & friends"-Tours durch kleine Bars und Säle zieht - New Model Army in Minimal-Besetzung. Man könnte sich stundenlang streiten, ob nicht ebenso gut "Justin Sullivan & Friends" oder gleich "NMA unplugged" auf dem Cover stehen könnten, egal: Herausgekommen ist jedenfalls ein ruhiges Album, auf dem Sullivan thematisch und musikalisch seiner Faszination für das Meer nachgeht. "Blue Ship" oder "Ocean Rising" könnten von jedem neueren NMA-Album oder zumindest den 2002 erschienenen "Lost Songs" stammen, "Changing Lights" war schon Mitte der Neunziger ein Konzert-Dauerbrenner und findet sich auch auf dem mit NMA-Gitarrist Dave Blomberg aufgenommenen Live-Album "Big Guitars in Little Europe".
Wer deswegen nun allerdings loszieht und ein NMA-Album erwartet, das sich schon beim ersten Hören im Kopf festsetzt, der wird enttäuscht. "Navigating By The Stars" ist insgesamt deutlich ruhiger, unaufdringlicher, ohne auffällige HighLights, und will nach und nach erschlossen werden. Wenn man, noch schwankend, eben beginnt, sich damit abzufinden, ertappt man sich plötzlich beim Mitsummen. Dass die Band und ihr Kopf sich mit dem Gedanken anfreunden, die Welt letztlich wohl doch nicht grundlegend ändern zu können, ist bekannt - dass Wachsamkeit und Stellungnahme gegen Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit dennoch sein müssen, macht den Unterschied zum Zynismus aus. So wird man älter!
Jede Menge Informationen, ein Interview zum Solo-Debüt, Chat, Tourdaten
und natürlich Bestellmöglichkeiten gibt's auf der
NMA-Website!



