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Burning from the Inside

(Bauhaus, Beggar's Banquet, 1983) Kennen Sie diese komischen Vögel, die bei jedem Wetter in langen schwarzen Mänteln rumlaufen, weißgeschminkt und überhaupt den Eindruck vermittelnd, sie seien eigentlich längst tot und nur zu blöde zum Umfallen? "Gothics" nennen die sich.

Und als unfreiwillige Erfinder des "Goth'" gelten heute vier britische Typen, die sich 1978 als Kunststudenten zusammen taten, um mal endlich vernünftige Musik zu machen, ungewohnt, gut gespielt, mit Köpfchen dahinter und intelligenten Texten. Das Ergebnis waren im wesentlichen drei zu Recht legendäre Alben. Dass versehentlich auch noch eine Mode dabei rauskam, kann man ihnen nun echt nicht in die Schuhe schieben, zumal, kleiner Trost, die meisten von besagten drolligen Gestalten das alles heute gar nicht mehr wissen.

Schon 1978 nämlich begründeten Peter Murphy (Gesang), Daniel Ash (Gitarren), David J (Bass) und Kevin Haskins (Schlagzeug) ihre Band, deren Name übrigens, kleiner Tipp, nichts mit der gleichnamigen Möbelhaus-Kette zu tun hat, sondern mit der rund 70 Jahre zuvor in Weimar entstandenen Kunst- und Designrichtung. Tja, nicht wundern, so ist das, wenn man nicht wegen seiner netten Frisur und dem fotogenen Girlie-Appeal gecastet wird, sondern selber was im Kopf hat und auf die Beine stellt.

Bauhaus veröffentlichte bis zur Auflösung 1983 nur vier Studioalben (In The Flat Field, Mask, The Sky's Gone Out und eben Burning From The Inside), dazu kamen ein brillantes Livealbum (Press The Eject And Give Me The Tape) und einiges an Bootlegs und Samplern. Spätere Reunion-Konzerte sowie das überaus fruchtbare Schaffen unter den Namen "Tones on Tail" und "Love & Rockets"  (beide ohne Peter Murphy) ergänzten den Ausstoß ebenso wie Murphys Solo-Projekte.

Burning from the inside kam erst in die Plattenregale, als die Band sich bereits mit einem ursprünglich nicht als solchen angemeldeten Abschiedskonzert von der Öffentlichkeit verabschiedet hatte. Das Album, als CD ergänzt um vier äußerst lohnende Tracks von Single-Sammlungen, vermittelt den vermutlich besten Eindruck von dem, was Bauhaus so bemerkenswert machte: Einem trotz zahlreicher Kopierversuche unverwechselbarem Sound aus Ashs mal schraddelender, mal schmeichelnder Gitarre, Murphys an ein rostiges Messer erinnerndem Gesang vor dem samtweichen Backgroundchor seiner Mitstreiter, manchmal treibend, dann wieder zäh wie Sirup, das Ganze immer einfallsreich komponiert und - natürlich - handwerklich perfekt gespielt. Was will man mehr?

Na, gute Texte natürlich, und auch die gibt's bei Bauhaus zur Genüge: Ob Anspielungen auf Antonin Artaud oder Kundalini, dahinter steckt eine Menge mehr als die ewig gleichen Nettigkeiten. Sowas lässt sich dann auch nach über zwanzig Jahren hören, und zwar nicht aus nostalgischen Anwandlungen heraus, sondern weil es ohne jeden Staub angesetzt zu haben immer noch so manche aktuelle Möchtegern-Avantgarde-Band ganz schön alt aussehen lässt.

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