Hurricane Katrina, das meldet Anne Will am 29. August in den "Tagesthemen", hat in den USA so richtig hingelangt: Mit geschätzt 30 Milliarden Dollar stellt sie einen neuen Schadensrekord auf, obwohl doch New Orleans mehr Glück gehabt hat, als noch Stunden vorher zu hoffen war.

"Endlich mal eine gute Nachricht", denken wir uns, "schade nur, dass der Ölpreis durch den Ausfall der Förderung vor der Küste das Hoch von 71 Dollar erreicht." Und wenn George Bush tatkräftig Hilfe verspricht, schrillen die Alarmglocken. Die betroffenen Staaten sollen nicht nur Soforthilfe erhalten, sondern obendrein "beten wir alle für unsere betroffenen Mitbürger und ihre Familien". Dann kann ja nicht mehr viel schief gehen.
Wie wir nämlich ebenfalls aus den "Tagesthemen" erfahren, entstehen Hurrikane durch die Verdunstung großer Wassermassen im Pazifik. Das gab's schon immer, und zwar auch in der selben Quantität. Dummerweise hat jedoch die Qualität sich entscheidend verändert, und das wiederum ist die Ursache dafür, dass die Stürme sich jetzt und in Zukunft nicht mehr darauf beschränken mögen, ein paar Fertigbungalows abzudecken und die eine oder andere Palme auszureißen. Wenn jetzt in schöner Regelmäßigkeit ganze Landstriche verwüstet werden, liegt das letztlich an der zunehmenden Erwärmung des Klimas und damit der Ozeane: Mehr Abgase gleich mehr Temperatur gleich mehr Verdunstung gleich mehr Wucht, gar nicht so schwer, gell?
Sollte man jedenfalls meinen. Nur George W. Bush scheint sich der Sache eher religiös zu nähern, selbst, wenn der Wind die Stars and Stripes in Fetzen hängen lässt. Als bibeltreuer Geläuterter hat er's vermutlich eh nicht so mit den ganzen wissenschaftlichen Ansätzen, Evolution und so, der ganze ketzerische Greuel. Den eigentlich simplen Zusammenhang zwischen Treibhausgasen, Klima und Überschwemmung einiger Südstaaten jedenfalls lässt er nicht näher an sich heran, als er einen Greenpeace-Aktivisten werfen kann - mit dem Kyoto-Protokoll braucht man ihm also gar nicht erst auf die Nerven zu gehen. Wie sollen denn auch Nachhaltigkeit und Zukunft ein Thema sein, wenn man erstens selbst gerade die sechzig überschritten hat, zweitens alle Hände voll zu tun mit einem Krieg, der trotz aller Scheuklappen immer mehr an das Traum mit dem unsagbaren V-Namen erinnert, und drittens fest daran glaubt, dass Gott globale Katastrophen, wenn's hart auf hart kommt, ebenso zackig regeln wird wie die eigene Alkoholabhängigkeit? Eben!
Parallelen zum politischen Gesinnungsgenossen Edmund Stoiber sind, das muss man an dieser Stelle betonen, rein zufällig. Der hat zwar im Sparrausch entgegen jeder Expertenmeinung den Hochwasserschutz radikal gekürzt und dann, mit beiden Füßen im Eschenloher Loisach-Wasser stehend, in die Mikrofone gestottert, die Maßnahmen hätten sich ja jetzt im Großen und Ganzen als die richtigen erwiesen, außerdem gäb's Soforthilfe für die Betroffenen. Tage später hat dann die Staatskanzlei, schließlich ist Wahlkampf, stolz verkündet, man würde die Investitionen in besagten (doch gerade erst bewährten?) Hochwasserschutz erhöhen. Aber ihn nur deswegen der Missachtung jedes Nachhaltigkeitsgedankens zu bezichtigen, das wäre schon ein dicker Hund - schließlich wird Gott immer über Bayern wachen, wenn's von Jahr zu Jahr enger wird mit den zunehmend unzutreffend so genannten Jahrhunderthochwassern. Und wer das nicht glaubt, wird zur Strafe in die neuen Bundesländer umgesiedelt.



