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Angel-A

(Luc Besson, F 2005) Herbe Enttäuschung: Frankreichs Ausnahmeregisseur Luc Besson hat sich sechs Jahre Zeit gelassen, um einen neuen Film in die Kinos zu bringen. Wie immer gab er sich vorher recht geheimnisvoll, man wusste nicht viel, außer dass er wohl schwarz-weiß werden würde, sehr ästhetisch, eine Liebeserklärung an Paris, und natürlich die uralte Rolle von Mann und Frau neu definierend. Tja.

Hohe Ansprüche, die Besson schon immer stellte und bis auf einen Ausrutscher auch meistens erfüllen konnte. Dummerweise war das gerade der letzte Film, und dummerweise hat er die verstrichenen sechs Jahre anscheinend genutzt, um seine Fehler von damals ordentlich auszubauen. So'n Mist, möchte man sagen.

André ist Franzose marokkanischer Abstammung und ziemlich am Ende: dunkle Typen der Pariser Halbwelt wollen jede Menge Schulden bei ihm eintreiben, keiner mag ihn, keiner hilft ihm, und ernst nimmt er sich eigentlich nicht mal selbst so richtig. Als ihm das Wasser bis zum Hals steht, beschließt er als spontane Trotzreaktion, ein Ende zu machen und von einer Brücke in die Seine zu springen. Und wie er da so steht und springen will, steht ein paar Meter neben ihm eine gaaanz wunderschöne Blondine mit tränenverschmierter Schminke und, na was wohl, springt in die Seine um ein Ende zu machen.

Da springt André natürlich prompt hinterher und rettet sie, weil er ja im Grunde eigentlich ein ganz liebes Kerlchen ist. Und so drollig auch noch: anschließend, wie sie beide am Ufer sitzen und husten, regt er sich so richtig auf, weil er sich jetzt nicht hat umbringen können und statt dessen die wunderschöne Frau retten musste.

Haaalt! Moment mal!, ruft da das bisschen Intelligenz des Zuschauers. Erstens, was soll denn das, mit einem Sprung von einer Brücke in die Seine bringt man sich doch nicht um, wenn nicht gerade ein Boot kommt, auf das man knallen könnte. Zweitens, wenn sich der gute André eben auf diese Weise doch umbringen könnte, warum stirbt er dann nicht auch, wenn er einer anderen hinterherspringt? Drittens, haben wir das nicht in der einen oder anderen Form schon geschätzt 1.000mal gesehen? Und viertens, wie kann die wunderschöne Blonde eine trockene Kippe und ein funktionierendes Feuerzeug haben, wenn sie gerade gaaanz tief unter Wasser war und nur ein Minikleidchen anhat? So ein Blödsinn.

Eben. So ein Blödsinn. Und so geht das den ganzen Film: Ein dümmliches Klischee nach dem anderen, und dass mir keiner kommt und sagt, das sei doch eben das Schöne, diese rührende Naivität, irgendwie voll märchenhaft und so - das nämlich sieht einfach anders aus, und wer's nicht glaubt, soll bei Kaurismäki oder Jarmusch nachsitzen. So ziehen also André und die Wunderschöne durch das nächtliche Paris, sie ein abgebrühtes und doch irgendwie gaaanz verletzliches Luder, er ein den Abgebrühten spielender, aber eigentlich gaaanz netter kleiner Verlierer. Und - nanu! - gaaanz allmählich zeigt sie ihm, dass er einfach mal er selbst sein muss und kein harter Ganove, dann klappt's auch mit den Mitmenschen, weil nämlich also, da muss man sich erst selbst für akzeptieren, so irgendwie, weißt du?

Als wäre es damit noch nicht genug, stellt sich bald auch noch heraus, dass sie nicht von ungefähr Angela heißt (oder - Tipp! - Angel-A), weil sie in Wirklichkeit ein Engel ist, der dem armen André zeigen soll, dass er sich nur selbst lieben muss, dann polieren sie ihm auch nicht mehr in einem Fort die Fresse, und Geld hat er dann auch genug und überhaupt wird alles gut. Gähn? Gähn.

Das reicht Besson immer noch nicht, weil er sich offenbar seit Entdeckung seiner Vorliebe für bohnenstangenlange Models berufen fühlt, der Welt zu zeigen, dass entgegen der allgemeinen Annahme gar nicht die Männer so stark sind, sondern die Frauen. Oggi-nääll!!! Meint jedenfalls Besson, und bedient uns darum noch mit einer letzten Klischeeattacke: Als André sich endlich selbst liebt stellt er fest, dass er nun auch Angela liebt. Aua.

Die will eigentlich nicht, weil sie nach erfüllter Mission zurück in den Himmel muss, obwohl, irgendwie... also mögen tut sie ihn ja schon, den drolligen Kleinen. Aua! Als sie deshalb gerade zu wanken beginnt, greift der Herr der himmlischen Scharen himself ein, lässt ihr die Engelsflügel das Cocktailkleidchen sprengen und ab fliegt sie. AUA!

 Der wackere kleine André springt hinterher und hängt sich an ihre Beine, dann geht's aufwärts, kreisch, taumel, stürz, und wieder abwärts in die Seine. Blubber. Aus der schleppt sich wenig später unser Held ans Ufer, beginnt verzweifelt nach Angie zu schreien, die dann tatsächlich wenig später auch auftaucht. Mit zerissenem Kleidchen, aber ohne Flügel, hat der Herrgott wohl kapitulieren müssen vor so viel weiblicher Stärke und Liebe und so. AUA!!

Religiöser Wahn? Egomanie? Pathologische Hörigkeit gegenüber unnatürlich dünnen Frauchen mit hohen Wangenknochen? Man weiß es nicht. Was bleibt (Achtung, Lob:) sind zugegeben schöne Schwarz-Weiß-Bilder, gekonnte Kameraeinstellungen und einiges an handwerklicher Routine. Trotzdem sollte man sich vielleicht einfach damit abfinden, dass der Name Besson bis auf weiteres kein Grund mehr ist, ins Kino zu rennen. Und sich statt dessen nochmal auf Kabel 1 oder Pro 7 Das fünfte Element (knallbunt, 1998), Léon (knallhart, 1994), Atlantis (zum Träumen schön, 1991) oder einen seiner noch älteren Streifen ansehen.

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