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Die Dolmetscherin

(Sidney Pollack, USA 2005, 128 Minuten) Solide Sache. Routinier Sidney Pollack liefert nach einer längeren Regiepause einen neuen Streifen ab, bei dem er sich ganz auf drei Dinge verlassen hat: sauberes Handwerk sowieso, dazu eine bemerkenswert souveräne männliche Hauptrolle und einen ebenbürtigen weiblichen Counterpart.

Mit dieser Taktik liegt er richtig: Ohne die überragenden Schauspieler wäre "Die Dolmetscherin" nur ganz in Ordnung, ein durchschnittlicher Krimi eben - Sean Penn und Nicole Kidman aber machen mühelos zwei Stunden fesselnde Dramatik daraus.

Silvia Broome (Kidman) ist weiße Afrikanerin, Bürgerin eines fiktiven Staates mit so gar nicht fiktiven Problemen: ein Revolutionär nach dem anderen putscht sich blutig gegen einen Diktator an die Macht, um dann in kürzester Zeit selbst zum Despoten zu mutieren. Silvia hat das Land verlassen, nachdem sie schmerzlich erfahren musste, dass dieser Teufelskreis mit Gewalt nicht zu durchbrechen ist; als Dolmetscherin bei den Vereinten Nationen versucht sie nun, als kleines Rädchen ihren Teil zu sinnvolleren Lösungen beizutragen. Eines Tages hört sie durch Zufall ein Gespräch mit, in dem zwei Unbekannte den Tod des aktuellen Herrschers ihres Heimatlands bei dessen geplanten Auftritt vor der UN-Vollversammlung planen.

Dieser ziemlich an den Haaren herbeigezogene Zufall bleibt aber auch schon das einzige Klischee, das Pollack sich erlaubt: Silvia meldet den Vorfall dem Secret Service, der in Gestalt Tobin Kellers (Penn) die Ermittlungen aufnimmt. Der hat gerade seine Frau bei einem Unfall verloren und versucht, sich durch seine Arbeit davon abzulenken; ohne das übliche Klischee des harten Bullen, der erst von Trauer zerrüttet in seiner verwahrlosten Bude die Wand anstarrt, dann mit viel Radau in spektakulären Auseinandersetzungen mit den Bösewichtern seine Todesverachtung demonstriert, um sich schließlich hoppla-hopp in die Heldin zu verlieben und auf wunderbare Weise seinen Schmerz hinter sich zu lassen.

Keller ist eher der bedächtige Typ, effizienter Profi, aber kein Angeber, pragmatisch, aber nicht zynisch. Sein anfängliches Misstrauen gegenüber Broome verfliegt, als diese zur Zielscheibe der Attentäter wird - obwohl sich peu à peu herausstellt, dass Silvia noch mehr Verbindungen in ihre Heimat hat, als sie es anfänglich zugibt. Zwischen den beiden entsteht eine gewisse Bindung, aber auch nur das - eine Wohltat für den Zuschauer, wenn sich die beiden einmal trostsuchend in die Arme nehmen, ohne dass daraus einer dieser schmatzenden Küsse wird, die in vielen amerikanischen Filmen als Symbol für den Ausbruch lange gestauter Leidenschaft herhalten müssen. Der konventionelle, aber nichtsdestotrotz spannende Plot entwickelt sich, ohne auf weitere unglaubliche Zufälle oder haarsträubende Wendungen zurückzufreifen, und ohne Löcher in der Handlung mit krachender Action zu übertünchen.

Pollacks Konzept geht auf, weil man Penn und Kidman jede Geste, jeden Gesichtsausdruck abnimmt - bis sie ganz unaufdringlich den Eindruck beim Zuschauer erweckt haben eine Geschichte zu sehen, die man sich so oder ähnlich im wirklichen Leben vorstellen kann. Richtig bewusst wird das, stellt man sich das Ganze einmal mit anderen Darstellern vor: Keanu Reeves oder Tom Cruise als Tobin Keller, Jennifer Lopez oder, Gott behüte, Sandra Bullock als Silvia Broome, und "Die Dolmetscherin" wäre nicht die fünf Euro fünfzig am Kinotag wert. So aber darf man ruhigen Gewissens selbst den vollen Preis am Samstag investieren.

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