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Flop Gun

Die Ernennung zum Innenminister scheint beim jeweiligen Objekt seltsame, bislang wissenschaftlich kaum erfasste psychische Veränderungen auszulösen. Wie sonst ist es zu erklären, dass die lange Folge wirrer bis lächerlicher Ideen nun auch den aktuellen Patienten in den Strudel ebenso dümmlicher wie hartnäckiger Anstrengungen reißt, sich ein für allemal zur Witzfigur zu machen?

Leider hat grober Unfug gerade in diesem Ministerium immer auch einen unangenehmen Beigeschmack für uns kleine Bürger: Was, wenn irgendwann einmal die Schutzmechanismen aus Presse, Justiz und gesundem Menschenverstand versagen und aus dem ganz normalen plötzlich gefährlicher Unsinn wird?

Unübersehbar mutieren handelsübliche Politiker als Innenminister in Rekordzeit zum Reagan-Imitator. Bei Friedrich Zimmermann fiel das noch kaum auf, weil man von einem CSU-Sheriff sowieso nichts anderes erwartet hatte. Dann kam (Überraschung!) Wolfgang Schäuble (1989 - 1991), der sich nicht so recht austoben konnte und statt dessen, glaubt man seiner Schilderung, im Alleingang die deutsche Einheit vollbrachte. Es folgte Manfred Kanther, der von der Wende erwischt und, Ironie des Schicksals, vom Landgericht Wiesbaden im Zusammenhang mit der Spendenaffäre der CDU zu 18 Monaten mit Bewährung verurteilt, zum amtlich anerkannten Kriminellen wurde. Als Paradebeispiel der Ministerialmutation darf Otto "Law and Order" Schily gelten, der im Kielwasser des 11. September 2001 seine "Otto-Kataloge" durchpowerte. Biometrische Reisepässe, das BKA in der Cicero-Redaktion, Kumpanei mit der CIA beim Vertuschen der Entführung eines deutschen Staatsbürgers - Otto ließ nichts anbrennen, um den bis dahin in Punkto Paranoia führenden bayerischen Amtskollegen Günter Beckstein rechts zu überholen.

Jetzt will es also Schäuble wissen, quasi im zweiten Anlauf. Ungeachtet seiner eigenen quasi-kriminellen Karriere - im Zusammenhang mit Kontakten zu und Spenden von Waffenhändler Karlheinz Schreiber, die er erst leugnete, dann einräumte, darauf (noch 'ne Überraschung!) vergaß, bevor er sich  1999 widerstrebend dafür entschuldigte - versucht er, sich mit einem dem Luftsicherheitsgesetz ein Denkmal zu setzen. Offenbar reicht es ihm nicht, zu fordern, dass Aussagen von Gefolterten für Ermittlungen verwendet werden dürfen; auch nicht der nervig-penetrant betriebene Einsatz der Bundeswehr im Inland, in dessen Rahmen er zur Fußball-WM gern Panzer[!] vor Stadien gestellt hätte.

Was das schwäbelnde Wölfle, das man sich eigentlich eher in Filzpantoffeln und Strickjacke vorstellen mag denn als martialischen Kämpfer, unbedingt haben will, ist die Erlaubnis, entführte Passagiermaschinen abschießen zu lassen. Das ist natürlich nicht nur technisch idiotisch, sondern auch noch juristisch, letzteres sogleich vom Bundesverfassungsgericht bescheinigt, was den Mann allerdings nicht beirren kann. Altersdemenz? Den dezent implizierten Fingerzeig, er habe da als Bundesminister ein verfassungsfeindliches Gesetz im Auge, hat er jedenfalls nicht verstanden - wahrscheinlich, weil der Verfassungsschutz ihn als obersten Dienstherrn deshalb nicht gleich so argwöhnisch in die Mangel nehmen wird wie sonst üblich. Nun soll über einen "Quasi-Verteidigungsfall" doch noch das passende Umfeld für eine zünftige Schießerei am deutschen Horizont geschaffen werden. Was das sein soll, bleibt schwammig, vermutlich muss man sich so etwas wie "quasi schwanger" oder "quasi tot" vorstellen - also vor allem nix genaues. Vielleicht sollte das Verfassungsgericht sich einmal um eine ganz besondere Verfassung kümmern, nämlich die Geistesverfassung des Ministers.

So richtig mulmig wird's einem aber, wenn man sich fragt, was um alles in der Welt an Motiven hinter dem selbst für einen Quasi-Egomanen absurden Wunsch stecken mag. Ginge es um eine Konspiration zur Machtübernahme, um das Abzocken riesiger Summen oder ähnliches, würde man ja nicht weiter erschrecken, mit sowas rechnet man ja bei Politikern quasi... oder würden Sie unverdrossen weiter im Top-Management einer Firma sitzen, wenn Sie bis heute nicht damit rausgerückt wären, wo die 100.000 Mark vom Karlheinz geblieben sind? Das aber ist es offensichtlich nicht, und da steckt der Grund zur Sorge. Man stelle sich vor: Ein von Terroristen trotz der putzigen Versuche erhöhter Sicherheit, mit denen man uns seit einigen Wochen an den Flughäfen nervt, gekaperter Airbus über Deutschland - bis die Abfangrotte in Schussweite ist, vergehen nur Minuten, aber bis der Entschluss gefällt ist, auch tatsächlich zu schießen, kann man bei angesichts unserer heimischen Entfernungen über so ziemlich jedem Ziel kreisen - auf das man dann beim Abschuss eben runterfällt, statt zur finalen Landung auf es anzusetzen. Unverkennbar ist die Idee völlig sinnfrei, und das kann bei einem Innenminister schon nervös machen. Bleibt nur zu hoffen, dass Schäuble nichts weiter umtreibt, als mittelmäßiges KnowHow, mittelmäßige Berater und der mittelmäßige feuchte Traum, einmal die Filzpantoffeln mit der Jetpiloten-Kombi und denn Rollstuhl mit dem Cockpit zu vertauschen. Quasi.

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