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A plus tard crocodile

(Louise Attaque, Atmosphériques, 2005) Die Franzosen, das ist Allgemeinwissen, machen seit jeher eigentlich nur zwei Sorten Musik: Lustiges Akkordeon-Gedudel zum Tanzen und Rotwein-Saufen am Seine-Ufer und natürlich Schangsongs oder Chansons oder wie die Dinger gleich wieder heißen.

Immer das selbe jedenfalls, und kein Ende abzusehen - genauso wie die Deutschen bekanntlich Lederhose und Gamsbarthut nur ablegen, um nach erfolgreichem Fensterln mit einer drallen Blonden in die rot-weiß-karierte Bettwäsche zu hüpfen, ein Auto zu konstruieren oder, zumindest früher, hin und wieder im Stechschritt Europa zu überfallen. Stimmt ja gar nicht? Eben.

Als schlagendes Argument dafür, dass es nicht so ist (also, das mit französischen Musik jetzt), wären da in der Vergangenheit und heute zu nennen: Gogol Premier, Les Garcons Bouchers, La Mano Negra, Les Négresses Vertes, Les VRP, Les Béruriers Noirs, Warum Joe [sic], Manau, Molodoi, Elmer Food Beat, Complètement, Zebda, Micky 3D, Hubert F. Thiéfaine und ein schier unübersehbarer Haufen anderer Bands - wer will, sucht mal bei Kazaa oder macht sich als Kostprobe mit einer der einflussreichsten Erscheinungen der letzten Jahre namens Noir Désir vertraut.

Wie viele andere junge französische Bands kam auch Louise Attaque im Kielwasser von Noir Désir nach oben, die ihrerseits den zehn Jahre zuvor von Mano Negra (ja, die bei denen Manu Chao eine tragende Rolle spielte) geöffneten Zugang für alternative Musik auf den Massenmarkt endgültig aufsprengten. Ab 1998 räumten die Jungs mit einem flotten, folklastigen Sound nur aus Schlagzeug, Bass und Geige sämtliche Hitparaden ab; die Nachfolger, in veränderter Besetzung unter dem Namen "Tarmac" aufgenommen, weiteten das Repertoire gründlich aus.

"A plus tard crocodile" (Tipp zum Namen: Mal bei Bill Haley nachhören) setzt diese Entwicklung konsequent fort: Es gibt stilistisch wenig, was es nicht gibt, ohne dass deswegen der Fehler gemacht wird, x-beliebig, unentschlossen oder verwechselbar zu klingen. Revolver kommt locker, Shibuya Station rockig, Sean Penn, Mitchum hippt und hoppt entspannt, Si l'on marchait jusqu'à demain geht zügig-unterkühlt nach vorne, Oui, non und die Reprise Oui, non, encore? klingen unzweideutig nach dem, was die Amis als Cow-Punk zelebrieren... nie langweilig und für jeden was dabei, gewissermaßen.

Auch zum Reinhören zeigt sich Lousie Attaque, wie sich's für eine koerrekte alternative Band gehört, nicht kleinlich: auf der ohnehin recht liebevoll gestalteten Öffnet externen Link in neuem FensterWebsite gibt's unter Öffnet externen Link in neuem FensterMusique einige ungekürzte Live-Versionen als kostenlosen Download. Übrigens, wer die leidige Sucherei in Plattenläden scheut, deren coole Verkäufer nur Robbie Williams und Britney Spears kennen: Louise Attaque gibt's, allerdings unverschämt teuer, auch beim deutschen Amazon.

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