:: Blickwendung.de   :: Hagen Reimer 
  :: Visier    :: Leinwand    :: Plattenteller    :: Regal  
Druckansicht Link versenden
Trotzdem online

Manchmal sucht und sucht man, und hat dabei die Lösung die ganze Zeit genau vor der Nase. Hätten Sie gewusst, wofür das rosa "T" bei den diversen Erben der Deutschen Bundespost steht? Für 'Trotzdem'. Gerade mit der Hand vor die Stirn geklatscht und "Na klar, Mann...!" gestöhnt? Macht nix, ist normal.

Schön aber, wie sich dann alles auflöst: "Telekom" heißt trotzdem kommunizieren, "T-Mobile" trotzdem mobil telefonieren, und "T-Online", gell, das ist jetzt einfach, natürlich trotzdem online. Keine Bange, wär' ich auch nicht allein draufgekommen, hat mir deren Kundenservice beigebracht. Ist natürlich ein bisschen peinlich im Nachhinein, so lange auf der Leitung gestanden zu haben (kein Wortspiel beabsichtigt), eigentlich hätte der Groschen schon bei den letzten Erfahrungen mit der Telekom fallen sollen.

Wie ich endlich mein kindisches Misstrauen gegen Vertragsbindungen mit Banken, Versicherungen und dergleichen überwinde, um vom unverbindlichen Call-by-Call-Surfen auf DSL umzusteigen, wende ich mich an T-Online - die sind zwar nicht gerade die Billigsten, aber, denke ich Naivling, dann ist wenigstens alles beisammen. Also -zigmal überprüft, dass da auch nicht irgendwelche versteckten Zusatzleistungen dabei sind, und T-DSL Start bestellt.
Die Auftragsbestätigung kommt, empfiehlt mir, baldmöglichst das unschlagbare T-Online-Internetpaket zu installieren, und enthält keine Hinweise auf versteckte Zusatzleistungen.
Die Zugangsdaten kommen, raten mir dringendst, doch das unschlagbare T-Online-Internetpaket zu installieren, und enthalten keine Hinweise auf versteckte Zusatzleistungen.
Das Modem kommt, dazu eine CD mit besagtem Paket aus Browser, DSL-Manager und weiß der Geier was noch alles für überflüssigen Sperenzchen, die sich in meine Windows-Registry hängen, sich munter autostarten und dafür sorgen, dass auf meinem Rechner bald nichts mehr geht, ohne dass T-Online mir über die Schulter guckt und der ganze Bildschirm bei jeder Gelegenheit rosa wird. Aber: Wenn sie nicht im Gehäuseinneren sind, gibt's wenigstens keine Hinweise auf versteckte Zusatzleistungen.

Am angegebenen Stichtag starte ich meinen Rechner und will als brevetierter Power User einfach mit meinen Zugangsdaten eine Breitbandverbindung einrichten, dann brauche ich das T-Online-Internetpaket gar nicht, unschlagbar hin oder her. Fehlanzeige, der Provider nimmt mich nicht an. In meiner Not springe ich über meinen Schatten und rufe die Service-Hotline an, hat sich was mit Power User. Die nette Dame, die ich nach fünf Minuten T-Online-Jingles am Draht habe, empfiehlt mir wärmstens, doch einfach das unschlagbare T-Online-Internetpaket zu installieren. Als ich das ablehne, erklärt sie mir unwirsch, wenn ich partout will, kann ich auch per Breitbandverbindung surfen - da haben Sie Ihr Passwort, Sie halsstarriger Kerl, Sie. Und siehe: es klappt.

Dann kommt die erste Rechnung. Mal gucken: T-Online ist mit der Grundgebühr dabei... und da ist der DSL-Anschluss... okay... aber... ALARM: VERDACHT AUF UNERWÜNSCHTE ZUSATZLEISTUNG! Was zum Henker ist das "T-Online-Sicherheitspaket", 28 Euro 90?!? Sämtliche Unterlagen gecheckt und Päckchen durchwühlt, nirgendwo ein Spur von einem Sicherheitspaket, schnell ans Service-Telefon. Das jedoch klingelt einmal und ist dann besetzt. Bei der allgemeinen Nummer für Rechnungsrückfragen, wo mich in der vierminütigen Warteschleife ein Computer mit Telekom-Jingles berieselt, bedauert die Call-Center-Dame, mir über T-Online-Posten keine Auskunft geben zu können.

Lange, tiefe Atemzüge, zweiter Anlauf. Es klingelt einmal... und ist besetzt, nicht einmal eine lumpige Warteschleife. Die kriege ich erst bei Versuch Nummer drei, und nach ein paar Minuten Jingles ist ein Herr im Call-Center dran. Der will, als er den Begriff "T-Online-Sicherheitspaket" hört, gar keine Kundennummer, sondern fängt gleich an zu erklären. Da wird man misstrauisch, das kommt wohl ständig vor bei denen, hm? Offensichtlich: Das Sicherheitspaket kommt - unbestellt - für die ersten sechs Monate automatisch und gratis, und dass ich trotzdem 28 Euro 90 dafür abdrücke ist ein Systemfehler, der mit der nächsten Rechnung automatisch wieder korrigiert wird.

Und nach den sechs Gratis-Monaten habe ich das Paket weiter, es sei denn, ich bestelle es vorher im T-Online-Kundencenter ab. Ob der sich wohl wundert, warum ich so verärgert bin? Vermutlich nicht, das arme Schwein wird dafür bezahlt, sich die Wut der Leute über das hart am Rande der Seriosität navigierende Marketing seines Unternehmens anzuhören.
Fazit: T-Online

  •  drückt mir, wohlweislich ohne mich darüber in Kenntnis zu setzen, einen nicht bestellten Dienst auf,
  •  kassiert dafür, wohlweislich ohne mich darüber in Kenntnis zu setzen, knapp 30 Euro wegen eines "Systemfehlers", der bei, sagen wir mal, hunderttausend Kunden dem Unternehmen ganz nebenbei jeden Monat Zinsen für drei Millionen Euro einfährt,
  •  und entscheidet für mich, wohlweislich ohne mich darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich diesen Dienst kostenpflichtig behalte, wenn ich das nicht selber aktiv verhindere. Negativoption nennt man sowas im Verlagsgeschäft, und rümpft etwas die Nase darüber.

Na, was soll's, wenigstens kann ich gleich flott ins Kundencenter surfen und den unerwünschten Dienst abmelden. Nur - dort stelle ich fest, dass ich laut meinen Kundendaten diesen Dienst gar nicht habe und ergo auch nicht abbestellen kann. Wie's scheint, kommt auf mich einen neue Runde in der Warteschleife zu.

Bravo, T-Was-auch-immer. Schön gemacht, da gibt's nix. Jetzt haben die mich endlich soweit: Wenn ich mich schon durch einen Wust von AGB, Kleingedrucktem und Call-Centern kämpfen muss, um asap etwas loszuwerden, das ich nie gewollt habe, dann mache ich gleich reinen Tisch und wechsle nach 20 Jahren Telekom auch bei den Produkten den Anbieter, die ich tatsächlich haben will.

UpDate, 31.12.:
Die neue Rechnung ist da. Und siehe: Nicht nur hat man mir keineswegs meine 28 Euro 90 "automatisch" rückerstattet, nein, man hat auch ein weiteres Mal mit einem willkürlichen Fantasiepreis zugelangt: 16 Euro 51 sind diesmal fällig.
Und Nein, dies ist kein Scherz, sondern die harte Wirklichkeit im Umgang mit T-Online.

Ring frei zur nächsten Runde!

Facebookgoogle.comVZMister WongTwitteraddthis.comdel.icio.usstumbleupon.com
zur Startseite