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Widerspruch zwecklos

Briefkästen sind ja gern randvoll mit Rechnungen. Das ist kein Zufall, sondern Methode: Dahinter steckt die HypoVereinsbank, kürzlich unfreundlich übernommen durch einen reichlich undurchsichtigen Laden südlich der Alpen...

... von dem niemand ganz sicher ist, dass er sich nicht bis dato in erster Linie mit windigen Geschäften im italienischen Fußball und stürmischen mit dem Westentaschen-Mussolini Silvio Berlusconi über Wasser gehalten hat. 'Mafiosi' Hilfsausdruck, gewissermaßen. Und weil die Hypo nun sehen muss, wie sie neue Einnahmequellen erschließt, lässt sie ungebeten oben auf anderer Leute Rechnungen ein "Vorteilsangebot" für einen Sofortkredit mit "Best-Preis-Aktion" stopfen.

Das Konzept ist dasselbe wie das, nach dem ständig irgendwelche Computer meinen Anrufbeantworter anrufen, um ihm zu erzählen, er habe jetzt für kurze Zeit völlig abgefahrene Gewinnchancen, wegen der WM oder so, jedenfalls solle er jetzt die Eins drücken, um sich gleich einen Beratungsplatz reservieren zu lassen. Gott sei Dank hat er bisher noch nicht, aber wer weiß?

Die HypoVereins jedenfalls hofft ihrerseits, wenn sie nur auf jeder Seite möglichst oft eine persönliche Anrede druckt und mir dazu versichert, das wäre jetzt aber echt ein ganz besonders spezielles Angebot nur für mich, könnte ich vielleicht dem irrigen Eindruck erliegen, ich hätte irgend etwas mit ihr zu tun. Hab' ich aber nicht. Deswegen, und aus Verantwortungsgefühl gegenüber dem erst kürzlich im Rahmen des Stoiberschen "Wir-schaffen-einen-ausgeglichenen-Haushalt-und-wenn-das-ganze-Land-dran-verreckt"-Sparprogramms an eine private Nutzungsgesellschaft vescherbelten Wald habe ich schon vor Monaten bei der Service-Nummer angerufen (6 Cent die Minute aus allen möglichen deutschen Festnetzen). Schließlich gibt man sich ja am unteren Rand der Hardcopy-Spam verdächtig seriös und schreibt bayerisch blau:
Sie haben die Möglichkeit, der Nutzung Ihrer Daten bei der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG zu Zwecken der Werbung und der Markt- oder Meinungsforschung zu widersprechen.

Aha. Das ist zwar lieb gemeint, aber grammatikalisch genauso sinnfrei wie inhaltlich: Das kleine "oder" am Ende heißt nämlich, sprachlich genau genommen, dass ich der Nutzung für Werbung und Marktforschung oder der für Werbung und Meinungsforschung widersprechen kann - so oder so bleibe ich auf mindestens einer Nutzung sitzen. Egal, genug der sprachlichen Feinheiten, jedenfalls habe ich selbstredend die Möglichkeit zu widersprechen. Etwa so, wie ich ständig der großen Koalition, der Bundesagentur für Arbeit und dem DFB widerspreche, nur, genutzt hat es noch nie irgendwas. Man ahnt, was kommt: Der Anruf bei einem freundlichen Call-Center, vermutlich in Indien oder Bukarest ansässig, führte zu nichts. Auch weiterhin durfte ich MIT EINEM FAIREN ANGEBOT RECHNEN, sollte aber bitte den individuellen VORTEILSSCHEIN NICHT VERGESSEN, wenn ich zu meinem PERSÖNLICHEN BERATUNGSGESPRÄCH käme.

Also habe ich mir einige Monate später erneut ein Herz gefasst (der Wald! Was soll denn aus dem Wald werden!) und erneut 6 Cent (aus dem Festnetz der Deutschen Telekom) geopfert, um einen freundlichen Computer zu erreichen. Der teilte mir mit, die Leitungen seien zur Zeit etwas voll (das kennt man von der Deutschen Telekom und ihren Töchtern...), die Wartezeit betrüge derzeit geschätzt zwei Minuten. Kein Problem, aber diese zwei Minuten versucht man mich mit "Hold the Line" der prähistorischen Rockcombo Toto zu berieseln, und das mache ich nicht mit, Wald hin oder her.

Übrigens, liebe HypoVereinsbank: Sie haben die Möglichkeit diesem Text oder seinem Verfasser (ich an Ihrer Stelle würde letzteres wählen) aus dem Festnetz der Deutschen Telekom zu widersprechen. Keine Ahnung allerdings, was das zur Zeit so kostet. Der nächste freie Platz ist für Sie reserviert.

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