(New Model Army, 2009) Na also. Die Durststrecke ist überwunden, oder zumindest von einer Oase unterbrochen. New Model Army, unter Experten als beste Rockband überhaupt unumstritten, hat nach zwei etwas durchhängenden Alben wieder hingelangt. Wurde auch Zeit, denn selbst so eine Band wird nicht jünger, sondern nur etwas langsamer alt. Jetzt steht das 30. Bühnenjubiläum an, und wie's scheint, wirkt der Gedanke auf die "letzten echten Lederjackenträger" (Lexikon der Rockmusik) inspirierend.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich waren "Carnival" (2005) und "High" (2007) auch nicht schlecht; nur eben nicht das, was man als langjähriger Fan schon auf Basis des Gewohnheitsrechts erwartet: ein so breites wie unverwechselbares musikalisches Spektrum, politische, philosophische, persönliche, aber in jedem Fall immer intelligente Texte, das ganze so eindringlich vorgetragen, dass mehr entsteht als die Summe der einzelnen Teile*.
Wie sieht das also dieses Mal aus?
Alte Tugenden, neu entdeckt. Insgesamt besinnt sich NMA auf die Qualitäten früherer Tage. Dominante Basslines, satte Gitarren, das Keyboard nur für einzelne Akzente, und natürlich Justin Sullivans Intensivorgan - die Mischung macht's. Und der Titelsong "Today is a good day" gleich eingangs klar, wo man inhaltlich steht: "This storm is beautiful, it breaks the breakable" - gemeint ist der Zusammenbruch der Wall Street nach dem Platzen der Immobilienblase. Musikalisch schon hart am Metal, nicht besonders komplex, aber dafür mit einer Menge Bauchgefühl.
Weiter geht's mit "Autumn". Bisschen schwermütig, bisschen relaxed, bisschen rockig, kein Wunder, dass auf der Marathon-Tour zum Album ausgerechnet hier besonders begeistert mitgesungen wird. Dann "Peace is only" (nämlich "for the dead and the dying") und "States Radio", beides hätte man auch problemlos auf oder "Eight" oder vielleicht sogar "Thunder And Consolation" unterbringen können. Dann kommt es etwas ruhiger, bis wir, gelobt sei der Herr, bei der "Mambo Queen Of The Sandstone City" landen.
Da braucht's jetzt einen kleinen Exkurs:
Das definitiv beste NMA-Konzert von geschätzt einem guten Dutzend, das ich bislang gesehen habe, war im Jahr 2001 in Hardenberg, in the middle of nowhere, Holland. Und das I-Tüpfelchen bei diesem Gig war, anlässlich des Todes von Joey Ramone, ein Live-Cover des Klassikers "Sheena is a punk rocker".
Ende des Exkurses.
Dieser Song ist (natürlich subjektiv) trotz oder wegen seiner einfachen Struktur der klare Höhepunkt der Platte. Leise und gespannt meets laut und schraddelig, dazu mehrstimmiges Background-Summen, keine Ahnung ob das nur mich an die Ramones erinnert oder so gemeint ist, aber: Besser geht's kaum, zumindest zum Abtanzen und Refrain-Mitgrölen. "Brings it down like a true punk rocker", indeed.
Darum wollen wir es hier auch mal dabei bewenden lassen. Wer jetzt noch nicht weggeklickt hat, muss sich das Ding eh holen, egal, ob nun noch ein paar ähnliche Loblieder etwa auf "Arm yourselves and run" folgen oder peng. Ein letzter Tipp: Die Tour in mehreren Teilen läuft seit Ende 2009, und reicht bis weit in den Sommer 2010. Wo sich die Band vor zwei Jahren bisweilen redlich mühen musste (Kommentar Sullivan nach zwei mäßig erfolgreichen Openern in München 2007: "Something old?!?"), klappt's nun auch wieder mit dem Publikum. Und die Post geht ab wie anno dunnemals.
Fazit: Wegtreten, Platte kaufen, Konzertkarte reservieren.
*courtesy of Kante



