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Out Of Season

(Beth Gibbons & Rustin Man, Go Beat Ltd., 2002) 1994 debütierte Portishead - drei Musiker aus dem gleichnamigen, kleinen englischen Kaff - mit einem Album, das der Musikszene eine neue Stilrichtung bescheren sollte: "Dummy" hieß die Scheibe, TripHop war geboren.

Das ganze bestand aus der gewohnten Instrumentierung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, gespielt von Geoff Barrow und Adrian Utley, ergänzt durch klassische Streicher und Bläser, reichlich Samples obendrauf und davor Beth Gibbons' mal glasklare, mal schneidende Stimme. Der Mix ergab dichte, hypnotische Klangteppiche, die schnell reichlich Fans - und Nachahmer - fanden. Das Trio ließ sich erstmal Zeit, 1997 erschien der Nachfolger "Portishead". 1998 folgte noch eine (zu Recht) umjubelte Live-Aufnahme, zu der sich die Band im New Yorker Roseland ein komplettes Orchester leistete. Dann - Stille.

Bis jetzt. Im Februar 2003 erschien in Deutschland die 2002 aufgenomme CD "Out Of Season", nicht von Portishead, sondern von Beth Gibbons und Rustin Man alias Paul Webb. Das mag nicht so recht bekannt klingen, war es aber mal: In den frühen 80ern spülte das letzte Plätschern der New Wave die englische Band Talk Talk in die Hitparaden, "Such A Shame" hieß der Smashhit, Webb war der Kopf dieser Gruppierung; lange her, und das macht sich nun unüberhörbar in der Professionalität und Reife von "Out Of Season" bemerkbar.

Das Album versucht nicht, seine Portishead-Einflüsse zu verstecken, könnte es wohl auch kaum. Da ist Gibbons' Stimme, zudem hat sie fleißig an der Produktion mitgewirkt; da sind die Texte, wie gewohnt geprägt von Liebe, Schmerz und allgemeiner Melancholie, da ist Adrian Utley, der auf mehreren Stücken in die Saiten greift; da ist Nick Ingman, der auch hier für die Streicher verantwortlich zeichnet.

Und trotzdem ist "Out Of Season" nicht etwa ein Portishead-Album ohne Geoff Barrow geworden. Der Stil ist abwechslungsreicher, weniger an eine Richtung gebunden. "Mysteries" oder, noch mehr, "Resolve" klingen beispielsweise, als sei die selige Janis Joplin zurückgekehrt und hätte nach einer erfolgreichen Entziehungskur ins Studio gefunden. Anderes, wie "Tom The Model", wiederum ist Portishead, ohne die harten Riffs und dumpfen Beats, aber dafür mit Bläserarrangements oder schlichter Pianobegleitung. In "Show" und "Romance" lässt Gibbons ihrem Hang zu Musik, die morgens um vier die einsamen Gäste einer New Yorker Bar trösten könnte, freien Lauf... Und so weiter, knapp 44 Minuten lang.

Das Ganze ist ungewöhnlich, lässt sich in keine Schublade packen, und ist dazu noch perfekt gespielt und produziert - Kaufen, Hören!

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