(Wolfgang Murnberger, AUS 2004, 116 Minuten) Aus Östereich erwartet man ja nicht wirklich viel: kalifornische Gouverneure vielleicht, oder seltsame FP-Dings-Bums-Figuren in der Regierung. Kulturell? Hans Moser fällt einem da ein, Mozart(-kugeln), und natürlich - unvergesslich gut - "Kottan ermittelt."

Ein bisschen in dessen Tradition, aber transferiert ins neue Jahrtausend, kommen nun ein paar sehenswerte Filme ins Spiel: "Hundstage" fuhr einem in die Knochen und "Komm', süßer Tod" ließ einem das Lachen im Hals stecken. Genauso genial und ganz neu: "Silentium." Kein Zufall, das Team ist das selbe, angefangen beim Autor der Romanvorlage und des Drehbuchs (Wolf Haas) über Regisseur Wolfgang Murnberger bis zu Hauptdarsteller Josef Hader und seinem Sidekick Simon Schwarz.
Wie der Roman folgt auch der Film den Figuren aus "Komm', süßer Tod" auf der nächsten Station ihres ganz normalen Lebens in Salzburg. Der gescheiterte Ex-Bulle Simon Brenner (Hader) ist jetzt Kaufhausdetektiv, Kumpel Berti (Schwarz) fährt immer noch einen Rettungswagen. Bis "schon wieder was passiert", wie die Stimme aus dem Off gleich zu Beginn ankündigt: Ein Selbstmord im Umfeld einer alten, aber unvergessenen Geschichte um - passend zum realen Skandal um homo-pädophile Porno-Festchen im Priesterseminar - den Kindesmissbrauch im katholischen Internat Salzburg. Brenner, ewiger Verlierer mit hohem Identifikationswert, rutscht unfreiwillig in den überzeugend echt ausschauenden Salzburger Wirbel zwischen Klerus, Festspielszene und miefiger Haute Volée. Natürlich kann er seine Schnüfflernase da trotz aller Warnungen nicht heraushalten, obwohl es eigentlich nichts zu gewinnen und einiges zu verlieren gibt, aber: "Mit Geld funktionieren Sie nicht, mit Ansehen funktionieren Sie nicht, womit funktionieren Sie denn dann eigentlich, Herr Brenner?" - "Ja, ich glaub' das ist das Problem - ich funktioniere nicht."
Es folgt eine brillant-böse Abrechnung mit der scheinheiligen Fassade, hinter der spießige Dekadenz und amoralische Selbstüberschätzung ungehindert und vom System geschützt wuchern. Geschickt verzichtet der Film dabei auf pathetische Anklage, erhobene Zeigefinger und Schwarz-Weiß-Malerei; statt dessen sorgen nüchterne Erzählweise und sauberes Handwerk für ein um so überzeugenderes Ergebnis, gespickt mit cleveren Anspielungen und Seitenhieben - knapp zwei Stunden spannende und realistische Kritik am allmächtigen Filz, unterbrochen von einigen Lachern. Schmälern kann den Genuss höchstens das Wiehern mancher Zuschauer an den unpassendsten Stellen; der Sorte Zuschauer, die finster entschlossen ist, den bitteren Grundton des Films zu ignorieren und sich beunruhigt darauf konzentriert, das ganze als Faxen auf "Sketchup"-Niveau zu betrachten.



