Wenn der Bund der Steuerzahler alljährlich sein Schwarzbuch vorstellt, reiben sich Kommentatoren, Kabarettisten und andere Kritiker voller Vorfreude die Hände, ist es doch eine Präsentation leichter Opfer, aus denen man sich die schönsten herauspicken kann.
Als Favorit der unterhaltsamen Sammlung absurder Schildbürgerstreiche drängt sich allerdings dieses Jahr ein ganz besonders attraktiver Vorgang auf: Die Neugestaltung des Logos der Bundesagentur für Arbeit - "Corporate Identity" macht vor niemandem Halt.
Und so beschloss man wohl in Nürnberg, die etwas aufwendigeren Dinge wie Daseinsberechtigung, Effizienzsteigerung, funktionierende IT-Landschaft und (da war doch noch was...?), richtig, die Arbeitsvermittlung erstmal hintenanzustellen und sich passend zum neuen Namen ein neues Image zuzulegen.
In der Tat sah ja das alte Logo mit Schriftzug ein bisschen fad aus. zum Glück tummeln sich am Markt zahlreiche Agenturen, die ihre Expertendienste in solchen Notlagen anbieten. Durchgestylte Menschen machen da, wenn man sie lässt, flugs eine Bedarfsanalyse, dann ein erstes Brainstorming, dann eine Projektgruppe einschließlich Kontakt-Task Force, dann ein zweites Brainstorming, dann einen ersten Arbeitsentwurf, dann eine erste Präsentation, hmm, sieht noch nicht soooo doll aus, aber geht schon in die richtige Richtung, dann eine Work Group, ein drittes Brainstorming, einen zweiten Working Draft, eine zweite Präsentation, tja, wird doch schon!, eine Restructured Work Group, ein bis zwölf Meetings zwischen Work Groups, Top- und Mid-Level Decidern und Kunden, einen dritten und vierten Draft, eine zwei-einhalbte Präsentation vor einer Test Group, und dann... kommt der große Tag: Das Final Result wird dem Client presented, location to be defined.
Bis zu diesem Punkt sind dann schon ein paar Monate ins Land gegangen, aber so ist das eben, wenn man ein wirklich bahnbrechendes Ergebnis will, so eine Corporate Identity ändert man nicht an einem Nachmittag. Das Ergebnis bestaunen alle Beteiligten bei einem Gläschen Prosecco mit Stolz, Rührung, Unverständnis, je nach dem, wie viel Schuld sie an dem ganzen Drama haben. Zurück geht da jedenfalls längst nichts mehr, alle stecken viel zu tief in der Sache drin, also zieht man's auch bis zum Ende durch.
Das Ende ist die Rechnung, ein Detail, mit dem sich höchstens der eine oder andere Pedant befasst. Und der Bund der Steuerzahler. Nun wollen wir bloß keine billigen Vergleiche zu des Kaisers neuen Kleidern bemühen, aber: 100.000 Euro für das Farbvertauschen und die diskrete Abrundung von drei Winkeln?!? Sicher, die Änderungen an sich kann jeder Hobby-Photoshop-User machen, da waren auch noch Marktforscher, Psychologen und weiß der Geier was für Experten beteiligt, aber: 100.000 Euro?!? Ohne, dass irgendwann irgendjemand den Mut gehabt hat, die Notbremse zu ziehen?!?
Der "Spiegel" hat anschließend sogar ein paar weitere Experten gefunden, die über eine verschwiemelte Argumentation die indirekten Kosten auf mehrere Millionen Euro aufgeblasen haben, aber das braucht's eigentlich gar nicht. Nur einen kleinen Vergleich: Mit 100.000 Euro kann man einen Hartz IV-Empfänger (den man ums Verrecken nicht vermittelt bekommt) mehr als 200 Monate über Wasser halten.



