(Woven Hand, Sounds Familyre, 2008) Ein schwarzer Tag im April 2005: 16 Horsepower gab seine Auflösung bekannt, vier Studioalben, ein paar Live-Aufnahmen, und wech. Als Trost diente nur, dass Frontman David Eugene Edwards mit Woven Hand schon länger ein neues Projekt verfolgte.

Das wiederum war deutlich anders als 16 Hp und betonte die getragene, beinah sakrale Seite des bekennend religiösen Enkels eines waschechten Feuer-und-Schwefel-Wanderpredigers. Für „Ten Stones“ stieß nun 16 Hp-Bassist Pascal Humbert wieder zu Edwards und seinen neuen Kollegen, und hatte wohl eine Portion Rock im Gepäck. Um falschen Hoffnungen vorzubeugen: Nein, mit 16 HP hat das trotzdem nicht viel zu tun, der unverwechselbare Cajun-Country-Cowpunk-Mix weicht nach wie vor nachdenklicheren, ruhigeren Klängen. Weniger Banjo und Slide Guitar, mehr Piano und, man denkt man glaubt es kaum, Spinett; weniger Bandoneon und Concertina, mehr Samples; weniger Backwater-Fiddle, mehr kirchliches Cello, so könnte man das zusammenfassen. Und doch ...
Bei aller Edwards-typischen Detailverliebtheit, bei aller Präzision, mit der jeder einzelne Ton gesetzt wird - es rumst und knirscht wieder ein bisschen mehr als auf den Vorgängern Woven Hand, Consider The Birds und Mosaic. Bestes Beispiel ist "Kicking Bird", das übrigens als kostenloses
MP3 beim Label Soundsfamilyre zu haben ist. Es beginnt mit wirbelnden Trommeln, hinzu kommt ein Instrument, das nach so etwas wie einem indischen Dudelsack klingt (aber wohl keiner ist), Edwards' seit 16 Hp viel zu selten gehörter Rebel Yell - und dann kommen sie, die Gitarren. Bemerkenswert in dieser Hinsicht auch "White Knuckle Grip", ein Blues, der dem Hörer Staub, Schweiß und Rhythmus in den Kopf stampft.
Ganz aus der anderen Richtung kommt hingegen "Quiet Nights Of Quiet Stars" daher. Der Titel klingt verdächtig nach Frank Sinatra, und ein bisschen Surfen bringt ans Tageslicht, dass der ihn in der Tat einmal mit dem ursprünglichen Urheber Antonio Jobim gemeinsam aufgenommen hat. Gesang, Instrumente und Rhytmus swingen entsprechend Nachtbar-mäßig, was vermutlich schwer erträglich wäre - wenn da nicht ein dunkel-heiserer Gitarrenteppich hinzu käme, der einen Kontrapunkt zu der ruhig-beschwingten Melodie setzt. Kommt er aber, und zwar in einer Weise, die 'The Jesus and Mary Chain' keine Schande machen würde.
Überhaupt, Instrumente und Arrangements machen unverkennbar den besonderen Reiz von Woven Hand aus, 'Alleinstellungsmerkmal' würde man sowas im Marketing wohl nennen. Der Ansatz 'Strophe - Strophe - Refrain - Solo - Refrain - Strophe - Refrain' jedenfalls ist Edwards' Sache nicht, statt dessen mäandern die meisten Stücke vor sich hin und warten nach jeder Biegung mit einer neuen Überraschung auf.
Hinzu kommt, dass Edwards dem Vernehmen nach so ziemlich alle Instrumente spielt, die nicht bei Drei auf den Bäumen sind, darunter Dinger, von denen Sie und ich nicht mal den Namen kennen. Sein Banjo beispielsweise war, wie er 2004 der "
taz" erklärte, damals 107 Jahre alt und "klingt nur deshalb so gut, weil es während dieser 107 Jahre fortwährend gespielt worden ist. Es hing nicht wie eine Trophäe an irgendeiner Wand."
Und das ist zweifelsohne gut so.



