(Brad Anderson, Spanien 2004, 102 Minuten) Würden Fincher und Lynch sich zusammentun, um mal einen so wirklich guten Thriller mit gerade dem richtigen Touch Tiefgang zu drehen, käme wohl etwas in diesem Format dabei heraus - wenn sie alle einen guten Tag hätten.

Irgendwelche Deppen in Hollywood haben Regisseur Brad Anderson so lange abgewiesen, bis der den Rand voll hatte und seinen Film einfach fürs halbe Budget in Spanien drehte. Um dann damit nicht nur in Cannes einen Sonderpreis abzuräumen, sondern auch gleich noch beim Sundance Festival. Und zwar völlig zu Recht. Seit Fight Club dürfte es, außer vielleicht Memento, kaum einen vergleichbaren Film in dieser Sparte gegeben haben.
Christian Bale, (zuletzt in der Titelrolle der Verfilmung der umstrittenen Gesellschaftskritik American Psycho von Bret Easton Ellis aufgefallen) spielt Trevor Reznik, einen Maschinisten in irgend einer trostlosen Fabrik in L.A. Spindeldürr ist er bei rund 54 Kilo Gewicht (Tendenz fallend), hat keine Freunde, fährt jeden Abend raus zum Flughafen, um dort bis exakt 1 Uhr 30 Kaffee zu trinken, seinen Kuchen nicht anzurühren und ein bisschen mit der Bedienung Marie (Aitana Sánchez-Gijón) zu reden. Dazu kommt der regelmäßige Besuch bei der Hure Stevie (Jennifer Jason Leigh, die Pauline aus In The Cut), die so ziemlich seinen einzigen halbwegs erwähnenswerten menschlichen Kontakt darstellt. Die Redneck-Kollegen im Werk finden ihn etwas seltsam, aber lassen ihn in Ruhe. Alles andere als ungewöhnlich, nur: Trevor ist so spindeldürr, weil er seit rund einem Jahr außer Sekundenschlaf keine Ruhe findet. Der Grund für die Hardcore-Insomnia bleibt im Dunkeln, aber seltsam ist auch seine Angewohnheit, sich ständig die Hände mit Bleichmittel und Lauge zu schrubben.
Dann taucht ein neuer Kollege namens Ivan (genial: John Sharian, bisher außer in einer maskierten Nebenrolle als außerirdischer Kotzbrocken in Das fünfte Element noch nicht aufgefallen) in der Fabrik auf, der sich reichlich seltsam benimmt. Als Trevor beim Reparieren einer Maschine durch Ivan abgelenkt wird, kommt es zu einem Unfall, bei dem sein Kollege Miller (gewohnt souverän: Michael Ironside) einen Arm verliert. Das hebt nicht eben die Stimmung gegenüber dem Außenseiter, zumal außer Trevor offenbar niemand den mysteriösen Ivan kennt. Der hingegen scheint seinerseits eine Menge über Trevor zu wissen und beginnt ein böses ein Katz'-und-Maus-Spiel mit ihm: Verfolgungsjagden, wirre Andeutungen, rätselhafte Post It-Zettel mit einem Galgenspiel am Kühlschrank... a propos Kühlschrank, warum läuft da Blut aus dem Gefrierfach, seit Trevor vergessen hat, seine Stromrechnung zu zahlen, und warum ignoriert er das so konsequent?
Das Rätsel wird immer spannender, die Atmosphäre beklemmender, selbst der hartgesottenste Zuschauer gerät in den Sog der Story, bis er vor Aufregung feuchte Hände bekommt - ganz ohne spektakuläre Zutaten oder Splatter-Effekte. Trotzdem und gerade deswegen ist der Film nicht ganz unberechtigt frei ab 18, das unterschwellige Gefühl der Bedrohung ist um ein Vielfaches stärker als in den üblichen Actionreißern. Dazu tragen die Schauspieler bei, das Licht und die Kamera, aber vor allem natürlich die unheimliche Ausstrahlung Bales. Knapp 30 Kilo soll der sonst bei gemütlichen gut 90 Kilo liegende Schauspieler für den Dreh abgenommen haben, und die genüsslichen Einstellungen auf seinen immer brutaler ausgemergelten Körper sorgen dafür, dass wir das unbesehen glauben; die bislang Maßstäbe setzende Verwandlung DeNiros für Raging Bull hat ernsthafte Konkurrenz bekommen.
Die Auflösung des Rätsels um Schlaflosigkeit, Paranoia und Realitätsverlust darf man, Ehrensache, keinesfalls verraten. Daher bietet sich zum Schluss ein anderer wichtiger Hinweis an: Bale war schon bei der Premiere wieder auf seinem Normalgewicht. Das musste er wohl auch, denn im Sommer 2005 werden wir ihn durchtrainiert in der Titelrolle von Batman Begins wiedersehen, übrigens unter der Regie Chris Nolan (Memento) - die Messlatte der Erwartungen liegt hoch.



